Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Zerknülltes Papier und schlechtes Gewissen

Eigentlich hatte ich gar keine Blogpause geplant über Weihnachten, aber dann ist doch eine daraus geworden. Dafür gibt es natürlich Gründe. Der wichtigste ist: Ich war vertieft in Recherchen, Exzerpten und eigenen Überlegungen zum forschungsnahen Lehren und Lernen bzw. zu internationalen Beiträgen dazu, wie sie unter Bezeichnungen wie Research-Teaching Nexus und Inquiry-Based Learning diskutiert werden. Dazu kommt, dass mich die Beziehung zum Problem-Based Learning interessiert. Der Anlass dazu ist eine Tagung im Juni an der PH Zürich (siehe hier), auf der ich genau dazu einen Vortrag halten werden, den es in den nächsten Monaten zu erarbeiten gilt. Und was ist dabei herausgekommen? Ein unordentliches Arbeitszimmer mit Bücher auf dem Boden, viele Ausdrucke, zerknüllte Papiere und ein zehnseitiger Tex, der aber selbst für den Blog noch zu unausgereift ist, aber immerhin eine wichtige Zwischenstation darstellt.

Im Zuge dieser Arbeit zwischen den Jahren ist mir mal wieder klar geworden, wie unglaublich eng genau diese Zeiträume geworden sind, in denen man sich in dieser Weise vertieft, nachdenkt, liest, Gedanken aufschreibt und verwirft, im besten Fall auch mit einem geistig verwandten Menschen Erkenntnisse und Einfälle diskutiert usw. Es ist eigentlich noch viel schlimmer: Wenn sich das mal mehr als drei Tage hinzieht, dann regt sich mein schlechtes Gewissen, weil ich die Liste, die ich für Zeiten ohne Termine gemacht habe, nicht abgearbeitet habe, und ich mich frage: Und wie soll das jetzt wieder gehen, wenn die Tage zum großen Teil auf Besprechungen aller Art, Managementaufgaben und Arbeitsaufträge draufgehen, die ich mir nicht selber ausgesucht habe?

Ich habe daraus ein paar Vorsätze für 2016 gemacht: (a) Termine vermeiden, die tatsächlich vermeidbar sind. (b) Sobald die wichtigsten Aufbauarbeiten des HUL abgeschlossen sind (vielleicht Mitte 2016?), zwei Tage in der Woche (nein, nicht Samstag und Sonntag) von Präsenz-Terminen freihalten (jedenfalls in der Mehrzahl der Wochen eines Jahres). (c) Keine Aufträge (Vortrags-/Workshop-/Publikations-/Ämter-/Gutachten-Anfragen) übernehmen, die nicht wirklich wichtig sind und die allenfalls die Eitelkeit bedienen oder von denen man nur meint, sie nicht ablehnen zu können. (d) Mehr Aufgaben und Verantwortung delegieren, wo das möglich und sinnvoll ist. (e) Kein schlechtes Gewissen haben, wenn man (a) bis (d) umsetzt, denn es dient letztlich dazu, den eigentlichen Auftrag, den man mit der Berufung zum Professur erhalten hat, auch ausfüllen zu können.

Ohne Zweifel: (a) bis (d) ist schon schwer genug (Versuche dazu hat vermutlich jeder Prof ab einem bestimmten Alter schon unternommen), aber das mit dem „Abstellen“ der inneren Stimme ist freilich nicht so ohne weiteres möglich.  Warum das wohl so ist?

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