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Vom Peer Review zur Umerziehung?

Samstag, 7. November 2009 17:45

Ich weiß, dass man das an sich nicht macht. Ich mache es trotzdem – einen abgelehnten Forschungsantrag online stellen. Warum? Man kann es als Beitrag zum Wissensmanagement (allgemeine Infos hierzu z.B. hier) im Wissenschaftsbereich sehen: Neben „Best Practices“ können Fehlschläge ebenfalls einen Lerneffekt nicht nur für einen selbst, sondern auch für andere (Nachwuchs-)Wissenschaftler haben – also durchaus eine Form von Wissensteilung. Man kann es vielleicht auch als einen Aspekt von „öffentlicher Wissenschaft“ interpretieren, wie es Christian Spannagel vertritt. Vor allem aber möchte ich damit anregen, über ein Problem nachzudenken und zu diskutieren, das man ansonsten gerne in seiner privaten Schublade verstaut (weil man es halt AN SICH nicht öffentlich macht).

Aber zum Inhalt: Es handelt sich um einen Antrag, in dem wir unsere Erfahrungen und bisherigen praktischen Versuche wie auch theoretischen und empirischen Arbeiten zum Thema „Emotion und Lernen“ einerseits sowie „Assessment und Feedback“ andererseits heranziehen und darauf aufbauend eine Studie (im Feld) durchführen wollten. Maßgeblich an diesem Antrag beteiligt war Silvia Sippel (die mit diesem Blog-Beitrag einverstanden ist).

Ein (kürzeres) Gutachten bewertet den Antrag positiv, moniert aber die beantragten Ressourcen. Dies ist einsichtig und hätte bei einer Überarbeitung auch entsprechend geändert werden können. Auch andere Änderungsvorschläge hätten wir gerne berücksichtigt – unser Vorhaben ist/war sicher nicht frei von Mängeln. Ein zweites (langes) Gutachten dagegen kommt zu einem weitgehend vernichtenden Urteil. Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Bei einem Peer Review-Verfahren ist das nun einmal so und wenn man sich in dieses „Spiel“ begibt, hat man es zu akzeptieren, was selbstredend auch für mich/uns ist (Gedanken zum Thema in diesem Blog siehe auch hier, hier und hier). Allerdings bestärkt mich dieses (eigene) Beispiel mal wieder, dass es unter (sicher nicht allen, aber doch) bestimmten Bedingungen fruchtbar wäre, ein „open peer review“ durchzuführen. Ich würde zu diesen Bedingungen z.B. die Situation zählen, in der verschiedene methodische Auffassungen, letztlich auch erkenntnistheoretische Positionen aufeinanderprallen. Obschon wir bei diesem Antrag versucht haben, den Schwerpunkt auf einen quasi-experimentellen Vergleich zu legen, beinhaltet der Antrag doch auch entwicklungsorientierte Aspekte (wie ich sie z.B. hier und hier versucht habe, theoretisch zu begründen). Diese Richtung bedingt eine an mehreren Stellen andere Vorgehensweise als dies z.B. in der klassischen psychologischen oder pädagogisch-psychologischen Forschung favorisiert wird. Es wäre daher schon spannend gewesen, mehrere Meinungen auf diesen Antrag einzuholen und eine Chance zu haben, genau diese strittigen Punkte unter Peers (!) zu diskutieren. Nun gut, das Verfahren ist eben nicht so, aber man kann es ja immer wieder mal anregen, zumindest darüber nachzudenken, wo und wie man Peer Review-Verfahren auch anders gestalten bzw. Alternativen zur gängigen Praxis in unserer Disziplin ausprobieren könnte.

Kein Verständnis habe ich dagegen für einen speziellen Ablehnungsgrund, der auch im anschließenden Urteil (auf der Basis der Gutachten) formuliert wurde: Dieser Grund ist meine Publikationspraxis und die Feststellung, dass ich kaum in referierten Zeitschriften publiziert hätte, wobei gleich deutlich wird, dass hier ein recht enger Begriff von „Peer Review“ herangezogen wird (nämlich double blind reviews in fast ausschließlich englischsprachigen Journals). Unabhängig davon, dass man bereits darüber streiten kann, ob der Begriff des Peer Review in dieser Enge adäquat ist (zudem: ich mache viele Beiträge online zugänglich, sodass jeder, der es will, ein „Review“ durchführen kann), wundere ich mich schon: Habe ich ein persönliches Stipendium beantragt oder die Finanzierung eines Forschungsprojekts? Geht es um die Förderung meiner Person oder die einer Sache? Darf die Art der Publikationen (wohl gemerkt: nicht die Vorarbeiten, sondern der Ort deren Veröffentlichung) eines Antragstellers wirklich ein Kriterium für die Beurteilung der Qualität eines Forschungsantrags sein? Mir wird geraten, mich im Hinblick auf weitere Anträge diesbezüglich mehr zu engagieren. Gut gemeinter Tipp! Leider aber sind viele dieser Journals ja auch wieder so gestrickt, dass die meisten meiner Arbeiten darin eher keinen Platz finden. Ich müsste also meine Arbeit auf die Zeitschriftenpraxis abstimmen (als Wissenschaftler meint ja erst mal ganz naiv, es sollte umgekehrt sein). Was soll das werden? Ein Umerziehungsprogramm? Das macht mich schon ein bisschen nachdenklich und auch ratlos. Hier der Antrag:

Forschungsantrag

Thema: Alltags-Infos | Kommentare (13) | Autor: Gabi.Reinmann

Konservativ im Web 2.0?

Samstag, 1. August 2009 4:39

In den letzten beiden Wochen habe ich viel gelernt – nämlich im Austausch mit einigen Mitgliedern unserer „Versuchs-Community“ mit dem vielleicht etwas groß aufgehängten Titel „Wissenschaftler 2.0“. Wie meine ich das bzw. was genau habe ich gelernt?

  • Ich habe erstens gelernt, dass ich auf Polemik im unmittelbaren Dialog empfindlich reagiere: Ich verliere dann offenbar die Freude an der Diskussion. Ich bin schon auch ganz gern mal polemisch – z.B. in Vorträgen, wenn ich niemanden direkt anspreche, quasi als rhetorische Figur. Im Dialog bin ich konservativ – ich versuche, dem anderen Respekt zu zollen, fordere das aber offenbar auch ganz massiv ein.
  • Ich habe zweitens gelernt, dass es schwer ist, zwei Logiken oder Paradigmen, oder wie immer man das bezeichnen will, zusammenzubringen. Also, eigentlich weiß ich das, denn ich habe mir an solchen Dingen schon öfter die Zähne ausgebissen, aber nun habe ich ein Beispiel mehr: Der Versuch, überhaupt die Idee zu verbreiten, Vorteile eines klassischen Peer-Reviews mit Vorteilen neuer Formen des digital unterstützen Wissensaustausches zu verknüpfen, gelingt zumindest nicht auf Anhieb.
  • Ich habe drittens gelernt, dass die verschiedenen Wege, etwas Neues anzustoßen, auf unterschiedliche Gegenliebe und Interpretationen stoßen: Vom Primat des Tuns über das Nachdenken (im Sinne von Theorien Aufstellen) über die Vorrangstellung des Nachdenkens vor dem Tun bis zum Versuch, beides parallel oder zumindest in sehr kurzen Zyklen zu betreiben. Da gibt es persönliche Vorlieben und Überzeugungen (ich neue zu letzterem).
  • Ich habe viertens gelernt, dass sich schnell Gemeinschaften – ich hätte jetzt fast gesagt „zusammenrotten“, aber vielleicht sage ich besser: zusammentun, ohne dass an sich klar ist, welchen Beitrag man da als Einzelner leisten könnte. Ich bin unerfahren, was Online-Communities außerhalb der Lehre betrifft, und war der irrigen Annahme, dass man diesen nur beitritt, wenn man einen unmittelbaren Zweck damit verfolgt (z.B. Feedback einholen und geben in Bezug auf Artikel oder Ideenskizzen, wie es die Grundidee oder erste Idee der oben genannten Community ist). Welche Folgen es hat, dass das offenbar anders läuft, weiß ich noch nicht.

Der für meine Arbeit wichtigste Lerneffekt (den ich wohl gemerkt ohne die Community NICHT hätte!)  ist aktuell der, den ich an zweiter Stelle genannt habe: Ich sehe es als große Herausforderung, die Vorteile des bisher praktizierten Peer-Reviews mit den neuen Chancen eines öffentlichen Peer-Reviews unter Nutzung aktueller digitaler Medien und der damit mitschwingenden „2.0-Philosophie“ genauer zu beleuchten, Lösungsideen zu entwickeln und natürlich auch zu erproben. Ich sehe hier auch eine Parallele zur momentanen Assessment-Diskussion, denn in gewisser Weise ist ein Review ja auch ein Assessment, nämlich bisher eines, das stark auf Selektion ausgerichtet ist, während ich mir eines vorstelle, das viel stärker auch einen Lerneffekt hat. Da werde ich nächster Zeit (bald ist Urlaub!) mal intensiver drüber nachdenken. Ich hoffe dann natürlich auch, dass ich das Ergebnis des Nachdenkens in konstruktiver Weise in unsere Wissenschaftler 2.0-Community einfließen lassen kann.

Thema: Reflexionen | Kommentare (5) | Autor: Gabi.Reinmann

Nochmal Qualität … hoffentlich

Freitag, 19. Juni 2009 19:58

Auf meinen schriftlichen Beitrag zum Zusammenhang von Kompetenz, Qualität und Assessment anlässlich der IATEL-Konferenz an der TU Darmstadt habe ich ja bereits hingewiesen (hier).  Im dazugehörigen Vortrag habe ich michbemüht, das zugegebenermaßen etwas trockene Thema noch etwas eingängiger und abgespeckter darzulegen – ich hoffe, es ist mir zumindest in Ansätzen gelungen. Gerne stelle ich das Manuskript zur Verfügung, wobei natürlich die Artikel-Fassung insofern umfassender ist, als dass ich da meine Argumente mit Quellen belege. Anbei auch die Folien, die in diesem Fall möglicherweise hilfreich sind, weil sie das Gesagte sichtbar strukturieren.  Zu Eindrücken aus der Konferenz demnächst mehr.

Vortrag_Darmstadt_Juni09

Folien_Darmstadt_Juni09

Thema: Vorträge | Kommentare (1) | Autor: Gabi.Reinmann

Was in 40 Jahren alles nicht passiert

Dienstag, 9. Juni 2009 17:00

Wie vor kurzem bereits angekündigt, habe ich am 9. Juni an der Universität Hamburg im Rahmen der Ringvorlesung “Medien und Bildung” einen Vortrag zum “forschenden Lernen und wissenschaftlichen Prüfen” gehalten. Ausgangspunkt meines Vortrags ist eine fast 40 Jahre alte Schrift der Bundesassistentenkonferenz zum forschenden Lernen und wissenschaftlichen Prüfen, die lange Zeit vergriffen war und nun wieder neu aufgelegt wurde (Infos dazu siehe hier). Ich stelle wieder mein Redemanuskript zur Verfügung. Diesmal biete ich auch die (Text-)Folien an, weil die da zu findende Gegenüberstellung “1970 – 2009″ zum besseren Verständnis möglicherweise hilfreich ist. Ich freue mich übrigens auch über Kommentare :-) .

vortrag_hamburg_juni09

praesentation_hamburg_juni091

Thema: Vorträge | Kommentare (9) | Autor: Gabi.Reinmann

Kompetenz, Qualität und Assessment: Zwischenzeitlich verflucht

Dienstag, 12. Mai 2009 10:43

Am 19. und 20. Juni 2009 veranstaltet das DFG-Graduiertenkolleg „Qualitätsverbesserung im E-Learning durch rückgekoppelte Prozesse” die Konferenz „Interdisziplinäre Zugänge zu technologiegestütztem Lernen” an der TU Darmstadt. Die Konferenz ist in mehrere „Sessions” unterteilt; in einer davon, nämlich der Session „Qualität und Kompetenz”, werde ich auch einen Vortrag halten (hier findet man das Programm). Mein Titel lautet: „Kompetenz – Qualität – Assessment: Hintergrundfolie für das technologiebasierte Lernen”. Zu den Vorträgen sollten auch schriftliche Beiträge verfasst werden, die in folgendem Buch publiziert werden:

Mühlhäuser, M., Sesink, W. & Kaminski, A. (Hrsg.). Interdisziplinäre Zugänge zu technologiegestütztem Lernen. (Arbeitstitel). Münster: Waxmann.

Gerne stelle ich meinen Beitrag als Preprint zur Verfügung. Ich hatte das Thema zwischenzeitlich schon verflucht, denn wie das so ist: Man wird um einen Vortrag gebeten, macht sich z.B. im Zug ein paar Gedanken, hat dann eine Idee und formuliert ein Abstract. Erst viele Wochen später dann beginnt die eigentliche Arbeit. Wenn man dann merkt, dass einen das gewählte Thema in irgendwelche Untiefen führt, in denen man sich zu verirren droht, ist es zu spät. Da muss man dann durch. Natürlich kann ich den Vortrag nicht so halten, wie der Text geschrieben ist – da würde ich wohl zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber inhaltlich geht es natürlich in diese Richtung. Es ist vergleichsweise abstrakt – ich weiß. Aber ich hoffe, dass es trotzdem Diskussionsstoff gibt und nicht langweilig wird. Und eben weil es nicht ganz so eingängig ist, gibt’s ja auch schon vorab den Text dazu.

Preprint Mai09 Qualitaet Kompetenz Assessment

Thema: Pre- und Postprints | Kommentare (3) | Autor: Gabi.Reinmann

Kopfzerbrechen über Qualität, Kompetenz und Assessment

Montag, 13. April 2009 18:09

Was könnte man vor und während Ostern alles machen? Eier anmalen, Kuchen backen, Zeitung lesen, gemütliche Kafferunden …. man kann sich aber auch den Kopf über Qualität, Kompetenz und Assessment beim E-Learning zerbrechen – wenn man will. Ich habe im Eifer des Gefechts dieses Thema für die Tagung „Interdisziplinäre Zugänge zu technologiegestütztem Lernen” bzw. da für die Session „Qualität und Kompetenz” vorgeschlagen und wäre in den letzten Tagen fast verzweifelt daran, weil man vom Zehnten ins Tausendste kommt und sich zudem auch noch rasch im Kreis dreht. Nun habe ich einen Artikel dazu weitgehend fertig, aber es wäre zu früh, ihn online zu stellen. Zudem muss ich daraus erst noch einen Vortrag basteln, denn es ist leider ziemlich komplex geworden. Was ich aber gerne machen kann, ist schon mal die Einführung und damit auch eine Art Abstract sowie den Anhang in Form von zwei Tabellen verfügbar machen. Vielleicht regt es ja zur Diskussion an. Im Juni kommt dann ein vollständiger Preprint.

abstract_matrix_darmstadt

PS: Unsere Uni-Server sind in den letzten Tagen hoffnungslos überlastet. Darunter leidet auch mein Blog. Ich bitte das zu entschuldigen. Ich denke, ich werde in Kürze umziehen, um das in Zukunft zu vermeiden.

Thema: Alltags-Infos | Kommentare (0) | Autor: Gabi.Reinmann

Wie gut ist ein Forscher in den Geistes- und Sozialwissenschaften?

Mittwoch, 1. April 2009 18:20

Wie gut ist ein Forscher? So gut wie seine Publikationsliste. Aber natürlich nicht jede Liste! Das Gericht in einem Fünf-Sterne-Lokal erfordert ja auch erlesene Zutaten (aber wer weiß eigentlich schon, ob sich da nicht auch Discounter-Ware einschleicht?) und die kommen eben nicht irgendwo her. So ist das mit den Publikationen auch. Allerdings besteht wenig Konsens darin, was die „erlesenen Quellen” sind und was man meiden muss – jedenfalls in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Der Unmut darüber, dass sich schon seit längerem in den Geistes- und Sozialwissenschaften Beurteilungspraktiken breit gemacht haben, die aus den Naturwissenschaften kommen, war und ist groß. Umso erfreulicher sind Vorstöße, hier differenzierter zu werden und die Besonderheiten der Disziplinen sowohl in der Forschung als auch in der Art der Veröffentlichung Rechnung zu tragen. Hierzu gibt es aktuell bei der DFG einen interessanten Hinweis (hier):

Die DFG spricht sich gegen den European Reference Index for the Humanities (ERIH) aus – einen Ansatz zur Bewertung von Zeitschriften als Publikationsorten für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse. Kritisiert wird zum einen, dass auch dieser Ansatz erneut allein Zeitschriften im Blick hat (und z.B. nicht Monografien und Sammelbände), und zum anderen, dass ad hoc zusammengesetzte Expertenpanels die Klassifizierung dieser Zeitschriften vorgenommen hätten. Das Ergebnis sei unterkomplexen und lade zu Missbrauch ein. Zusammen mit drei anderen Förderorganisationen aus Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden hat die DFG daher bereits Ende 2008 ein „Project Board unter Leitung von Professor Ben Martin, Universität Sussex” initiiert – woher da jetzt die Experten kommen und wieso die nicht ad hoc zusammengesetzt sind, steht leider nirgendwo. Positiv aber ist folgendes Versprechen für die Arbeit dieser Gruppe (ich zitiere):

„Dabei sollen sowohl die Diversität europäischer Wissenschaftssprachen als auch die spezifischen Kommunikations- und Publikationsformen der einzelnen Disziplinen als besondere Herausforderungen mit bedacht werden. Beispielhaft sind hier die in vielen Fächern zentralen Publikationsformen der Monografie und des Sammelbandes zu nennen …”.

Schade, dass z.B. Lehrbücher und andere Lehrmaterialien wiederum NICHT berücksichtigt werden, obschon dies für den Transfer von Wissen und Wissenschaft und für die viel beschworene Einheit von Forschung und Lehre ja wohl auch SEHR wichtig wäre. Ein gutes Lehrbuch schreiben zu können, wäre das nicht auch eine wichtige Qualität eines Forschers? Wäre das nicht eine viel sinnvollere Initiative im Zuge einer höheren Wertschätzung der Lehre als ständig diese „Exzellenz-Wettbewerbe”? Ich frag ja nur …

Thema: Fundgrube, Reflexionen | Kommentare (0) | Autor: Gabi.Reinmann

Andere Zeitschriften, andere Sitten

Dienstag, 31. März 2009 14:51

Ende des Jahres 2008 hatte ich mich (siehe hier) davon überzeugen lassen, dass es sinnvoll ist, ein Themenheft zum Assessment für die Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE) herauszugeben. Es war schon ein bisschen eine Feuerwehraktion und ich bin sehr froh, dass es doch ausreichend Einreichungen (wenn auch nicht übermäßig viele) gegeben hat. Danke an alle, die sich da beteiligt haben! (Bei der Gelegenheit: Der Call für Abstracts zum E-Assessment bei der Zeitschrift für E-Learning läuft bis Ende Juni: siehe hier). Aber zurück zur ZFHE:

Hier stand ich ein bisschen auf der Leitung und habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass das Prozedere etwas anders abläuft. Die Redaktion der ZFHE hat mich da jetzt auf Nachfragen etwas genauer aufklärt: Die ZFHE versucht, so die Erklärung an mich, zwei tendenziell widersprüchliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen: nämlich das Konzept der “Ausgabe” oder “Nummer” einer Zeitschrift als abgeschlossenes Werk (wie bei reinen Papier-Formen) und die schnellst mögliche Publikation eines fertigen Beitrags (als Vorteil der Online-Publikation). Daher werde jeder Beitrag sofort online gestellt, sobald er den Review- und Produktionsprozess positiv durchlaufen hat. Eine konkrete Nummer werde dagegen erst dann fertiggestellt, wenn alle Einzelbeiträge online sind oder zumindest bekannt ist, welche (nach positivem Review und ggf. Überarbeitung) in diese aufgenommen werden. Jetzt habe ich es verstanden! Die Begründung ist nachvollziehbar. Wie es die Leser sehen, weiß ich nicht. An sich sage ich jetzt mal spontan, dass es da nichts dagegen einzuwenden gibt. Nun gut, also mit so etwas wie einem Editorial muss ich natürlich warten, bis alles da ist. Ich habe zwar alle eingereichten Beiträge gelesen, um mir ein Bild zu machen, die dann aber an je zwei Gutachter gegangen sind.

Es gilt also, noch ein bisschen zu warten. Ich freue mich aber ganz besonders, dass Silvia (mit der ich gerade an einem DFG-Antrag sitze) mit ihrem Beitrag bei den Reviewern ohne nennenswerte Beanstandungen erfolgreich UND schnell war und nun sogar den Beginn zur „Themenreihe (?) Assessment” macht: Ihr Beitrag ist bereits online (hier).

Thema: Alltags-Infos | Kommentare (3) | Autor: Gabi.Reinmann

Call zum Thema Assessment

Dienstag, 2. Dezember 2008 18:14

Vergleichsweise kurzfristig habe ich mich bereit erklärt, bei der Zeitschrift für Hochschulentwicklung ein Themenheft zu “Assessment im Hochschulunterricht” herauszugeben. Gezögert habe ich, weil der Zeitplan verdammt eng ist (warum, das weiß ich leider als Externe nicht) und so natürlich die Gefahr besteht, dass nicht allzu viele Beiträge in hoher Qualität eingereicht werden. Aber ich setze jetzt mal darauf, dass in den den verschiedenen Fachcommunities, die sich mit der Hochschullehre aus unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen, das brisante Thema gewissermaßen immer unterschwellig vorhanden ist, immer wieder als wichtig erlebbar ist und inzwischen auch häufiger diskutiert wird – und demnach auch bis Ende Februar aktivierbar ist :-) . Was mich letztlich zur Zusage bewogen hat, ist die meiner Ansicht nach große Bedeutung des Assessments für die Lehr-Lernkultur an unseren Hochschulen – zwar nicht erst seit, aber vor allem sehr deutlich seit bzw. mit Bologna.

Hier der Call (zfhe-call-for-paper-assessment), den ich nun auch schon ein wenig verteilt habe und der natürlich auch in meinem Blog nicht fehlen soll.

Wichtig: Es geht um Assessment generell, nicht um das spezielle Assessment mit digitalen Medien. Dazu nämlich (zum E-Assessmen)  planen wir in der Zeitschrift für E-Learning selbst ein Themenheft für 2010 (was weit weg klingt, aber eben langfristiger geplant ist). Auch freue mich sehr darüber, dass wir Karsten Wolf als Herausgeber dafür gewinnen konnten.

Wer aber JETZT schon darauf brennt, seine Erkenntnisse loszuwerden, den bitte ich um Beiträge für das “eilige” Themenheft der ZFHD. Lasst mich nicht im Stich! ;-)

Thema: Alltags-Infos | Kommentare (2) | Autor: Gabi.Reinmann

Frustrationstoleranz gefragt

Samstag, 2. August 2008 7:04

Normalerweise nutzt man sein Blog wohl eher für „Jubelmeldungen”, können inzwischen doch mehrere Studien zeigen, dass diese Form der Kommunikation (via Blog) natürlich auch dem Selbst-Marketing dient. Aber um Eindrücke aus dem Universitätsalltag aus Professorensicht zu schilden, gehört es wohl dazu, dass man ab und zu berichtet, was alles NICHT klappt – z.B. Anträge (vor längerer Zeit habe ich über so etwas ja auch schon berichtet: siehe hier; allerdings hätte ich leider viel zu tun, würde ich das immer machen …).

Vom vor kurzem skizzierten Antragsmarathon liegen erste, leider negative Ergebnisse vor: Das mir wichtigste Thema – nämlich ein Projekt zum Assessment an der Hochschule – wurde beim bmbf abgelehnt, obschon aus meiner Sicht das Konsortium gut besetzt war und das Thema sollte nun eigentlich strategisch mehr als bedeutsam sein. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass wir Prüfungen und Feedback im Rahmen von Bologna dringend angehen müssen, wenn wir auch nur irgendwas unserer didaktischen Ideen in die nächsten Jahre retten wollen. Nun ja, traurig ist, dass es keinerlei Begründungen gibt (also kein Feedback, aus dem man lernen könnte), sondern einfach nur eine Absage

Gleiches gilt für einen EU-Antrag, in welchem der Ansatz der Open Educational Resources im Vordergrund stand – allerdings recht themen- und kontextspezifisch (was das Ganze aber konkreter macht): Auch da noch keine Begründung, aber immerhin soll im Oktober eine kommen (bin gespannt, welche Defizite da hervorgehoben werden). Dieser EU-Antrag war der schlimmste für mich und hat mich die ganzen Osterfeiertage gekostet – wer solche Formulare konzipiert, der sollte ein Jahr lang dazu verdonnert werden, diese selbst mehrfach auszufüllen. Auch das OER-Thema ist ja angeblich politisch gewollt; trotzdem hat es nicht geklappt.

Überhaupt habe ich den Eindruck, dass es bei Forschungsanträgen besser ist, auf dem Mainstream zu schwimmen, vor allem aber bloß nicht vorneweg zu marschieren und es mit Ideen zu versuchen, die ein gewisses Risikopotenzial bergen, weil man was Neues ausprobieren will. Forschungsförderung scheint – so mein zunehmender Eindruck in den letzten Jahren – doch eher konservativ zu sein, vielleicht, weil man das besser beurteilen kann oder weil man sich so besser vor Fehlschlägen schützt? Ich weiß es nicht, aber es ist halt schon ein Jammer, wie viel Zeit man in manche Dinge investiert, die dann nichts werden, und die man ja angesichts der mageren oder gar nicht vorhandene Grundausstattung dann nicht einfach anderweitig umsetzen kann. Ebenso habe ich so meine Probleme mit der vielleicht erfolgreicheren Strategie, einfach anzubieten und zu beantragen, was gerade gefragt bzw. angesagt und gut akzeptiert ist – ich habe da so etwas von „Freiheit von Forschung und Lehre” im Kopf, die sich mit einer solchen „Nachfrageorientierung” ja schon etwas beißt. In jedem Fall ist – das kann ich mal festhalten – eine gewisse Frustrationstoleranz gefragt, wenn es heute darum geht, an Geld zu kommen, um das zu machen, wofür man eigentlich seine Ernennungsurkunde erhalten hat: Forschung.

Ich bin jetzt erst mal urlaubsreif und verabschiede mich heute für mind. zwei Wochen in den Urlaub – offline, versteht sich ;-)

Thema: Reflexionen | Kommentare (0) | Autor: Gabi.Reinmann