E-Learning 2.0 – und was sagen die Studierenden dazu?

„Die bislang durchgeführten Evaluationen und zahlreiche Eindrücke qualitativer Art zeigen, dass diese Art des Lernens (ein Lernen, bei dem ein hoher Grad an Aktivität seitens der Studierenden gefordert und notwendig ist) für die Studierenden sehr zeitaufwändig ist. Auch für die Lehrenden ergibt sich aufgrund der geforderten Präsenz in den Wikis und Weblogs ein zeitlich nicht zu unterschätzender Mehraufwand. Die Studierenden erwarten sich Feedback und dass ihre Beiträge gelesen werden. Andererseits konnte festgestellt werden, dass die Studierenden bereit sind, sich einzubringen und dass sie motivierter scheinen. Jedoch gilt es zu betonen, dass viele der gewonnen Ergebnisse und Eindrücke erst durch weitere emprische Studien überprüft werden müssen.“

Diese Aussagen gehören zu den Folgerungen eines Beitrags von Günther Wageneder und Tanja Jadin, in der auch eine kleine Studie vorgestellt wird. Nun: Ich kann diese Erfahrungen nur bestätigen: Auch bei uns stellt es sich immer wieder als äußerts schwierig heraus, Studierende aus der Konsumhaltung zu locken, noch dazu, wenn wir ihnen keine Gewissheit über den Erfolg und das Kosten-Nutzen-Verhältnis (was investiere ich und was bekomme ich?) geben können, weil wir u.U. selbst erst Erfahrungen mit einem neuen Lehr-/Lernkonzept sammeln müssen (auf der Dozentenseite). Zu lösen wäre das Problem an sich nur durch eine kleinere Relation Student-Dozent/Professor – dann würden sich viele Probleme nämlich gar nicht stellen (ob mit oder ohne Web 2.0), weil Studierende keine Chance hätten, in der Masse zu verschwinden. Engagement und Experimentierfreude machen eben auch nur Spaß, wenn es viel direktes Feedback, einen Dialog (im Netz und face-to-face) und so etwas wie „forschendes Lernen“ gibt. Wie aber soll man das machen – mit 300 bis 400 Studierenden gleichzeitig?

Forschungsworkshop beim BIBB

Am 19. April fand im Bundesinstitut für Berufsbildung (kur: BIBB) ein interner Workshop zum Thema „Forschungsverständnisse in den Sozialwissenschaften“ statt. Der Forschungsdirektor des BIBB, Prof. Reinhold Weiß, Prof. Jürgen Howaldt, Mitglied der Leitung des Landesinstituts Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs), Prof. Dieter Euler, Direktor des Swiss Centres for Innovations in Learning (SCIL), und ich hielten Vorträge; im Anschluss daran gab es kleinere Diskussionsrunden. Hintergrund waren Kritikpunkte seitens des Wissenschaftsrats am BIBB in Bezug auf Wissenschaftlichkeit der dortigen Projekte und Aktivitäten. Es ging also um ein Thema, mit dem ich mich schon immer wieder mal beschäftige, weil es mich bzw. uns an der Medienpädagogik auch selbst betrifft: Was ist „gute“ bzw. „echte“ Forschung?

Nun, meine Haltung brauche ich hier gar nicht zu wiederholen. Wer es nachlesen will, kann das in einem Artikel zu Design-Based Research oder in einem Arbeitsbericht vom September letzten Jahres tun. Die Vorträge kamen eigentlich alle zu dem Schluss, das einseitige Kriterien, die sich an einem bestimmten Typus von Forschung, vor allem der Experimentalforschung und anderer als quantitativ bezeichneter Formen von Forschung orientieren, zu kurz greifen – jedenfalls wenn es um die Ziele eine Instituts geht, das den Auftrag hat, die Berufsbildung nicht nur zu erforschen, sondern auch mitzugestalten. Natürlich kam es dann auch zur Frage, warum man dann trotzdem so vehement und zunehmend radikal an den damit verbundenen Gütekriterien gemessen werde. Ausdiskutiert wurde es nicht; befriedigende und vor allem lösungsorientierte Antworten konnten auch wir – die geladenen Gäste – nicht liefern. In einem Herausgeberband zu diesem Thema, den ich zusammen mit Joachim Kahlert mache, kommen vielleicht ein paar brauchbare Antworten heraus.

Selbst am Ende des Pfads?

Man könnte bei meinem Weblog meinen, dass ich auch schon am Ende des Pfades angelangt sei. Nein, bin ich (noch) nicht. Es hat Gründe, warum ich Zeitprobleme habe, die sich dann natürlich auch auf das Bloggen auswirken: Prüfungen, Berge von BA-Arbeiten und einige MA-Arbeiten, nach drei abgelehnten Projektvorhaben, Bemühungen um drei neue, Fertigstellung des Buches zum persönlichen Wissensmanagement (ja, das Ende naht tatsächlich), mühevolles „Einsammeln“ säumiger Beiträge für zwei Herausgeberbände und dann auch noch Semesterbeginn … und – die offizielle Gründung unseres Instituts für Medien und Bildungstechnologie. Bis wir aber mit unserem Portal bzw. dem ersten Entwurf fertig sind, wird es noch ein klein wenig dauern. Selbstverständlich weise ich gleich darauf hin, wenn es soweit ist.

Am Ende des Pfads

Peter Meurer hat zum 1. April seine Lernpfade geschlossen – traurig, aber wahr und es war ausdrücklich kein Aprilscherz. Mein Kommentar zur Schließung des Blogs kam reichlich spät, was zeigt, dass auch ich oft am Rotieren bin und der Blogosphäre aufgrund von Zeitmangel manchmal tagelang den Rücken kehren muss.

Auch an dieser Stelle daher nochmal 1. ein Dankeschön für die vielen Tipps zu interessanten Werkzeugen, und 2. für die Mithilfe an der Verbreitung auch von Inhalten, die aus Augsburg kommen/kamen. Verständnis aber habe ich natürlich auch: Wenn der Druck zu groß wird (dauernd was Interessantes posten zu „müssen“), ist der Schritt, damit Schluss zu machen, sicher die beste Strategie! Und wer weiß: Vielleicht sind das nur die Vorboten für ein allmähliches Abschwellen des großen Weblog-Hypes? 😉 Wer weiß …

Computistan und Pädagogien

Noch bis Juni stellt die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz nun auch die Vorträge der Tagung „Schule und Web 2.0“ als Video online zur Verfügung. Wer Beat Döbeli Honegger mal in Aktion erleben will, sollte sich daher seinen Vortrag noch bis Juni anschauen, abzurufen hier. Mir hat vor allem der narrative Einstieg (Computistan und Pädagogien) gefallen, weil er damit aus meiner Sicht vor allem die Lehrer im Publikum geschickt erreicht hat, weil er ihre pädagogische Arbeit damit gewürdigt, den bisweilen kursierenden Irr- und Unsinn mit der Technik implizit kritisiert und dann doch auch wieder die Chancen einer Verknüpfung von Pädagogik und Technik zur eigentlichen Botschaft gemacht hat. Mein Kompliment dafür hat Beat Döbeli auf jeden Fall.