Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Im Rekordtempo

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An welche Risiken denkt man so, wenn man eineinhalb bis zwei Jahre an der Planung für die Ausrichtung einer Tagung arbeitet? Nun, man denkt an die Konkurrenz und daran, dass alle die Konkurrenz besser finden könnten, man denkt auch an Unwetter und blockierte Verkehrswege, an Streiks, an unangekündigte Bauarbeiten in reservierten Räumen – aber an Epidemien? Nein, daran hatten wir nicht gedacht. Nun ist eben dies eingetroffen und wie viele andere auch sehen wir uns nun vor der Herausforderung, für eine Präsenztagung eine digitale Alternative zu erarbeiten – und zwar im Rekordtempo.

Um welche Tagung geht es? Um die Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf), die 2020 unter dem Motto „Hochschullehre im Spannungsfeld zwischen individueller und institutioneller Verantwortung“ steht. Mit dieser Spezifizierung auf ein letztlich hochschuldidaktisches Thema im weitesten Sinne haben wir uns am HUL gut identifizieren können und daher die Ausrichtung der Tagung bereits 2018 zugesagt.

Zweieinhalb Wochen vor der Tagung kommt nun der aus meiner Sicht berechtigte und verantwortungsvolle Beschluss der Unileitung, aufgrund der Coronavirus-Epidemie bis auf Weiteres keine Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern mehr anzubieten. Kein Problem im Zuge der digitalen Transformation, die in den letzten Jahren in aller Munde ist? Na ja, es ist eine sehr große Herausforderung und flugs wird klar, wo es überall mangelt: an Infrastruktur, an personalen Ressourcen, auch an Erfahrung, an Rechtssicherheit etc. Wir wollen es trotzdem versuchen! Natürlich ist eine digitale Konferenz kein Ersatz für eine Präenztagung, die ihren eigenen Wert hat. Es ist eben eine Alternative – also ein ANDERER Weg, um bereits erarbeitete Inhalte verfügbar zu machen und zumindest eine rudimentäre Form der Interaktion anzubieten. Nicht jeder findet das auf Anhieb erstrebenswert – das ist in der kurzen Zeit seit unserer erforderlich gewordenen Entscheidung bereits klar geworden: Über Digitalisierung zu reden (wir haben das Thema ja auch im Programm), erscheint in jedem Fall einfacher als – ich sage mal – digital zu handeln.

Am Ende werden wir auf jeden Fall viel „Stoff“ zum Nachdenken über die digitale Transformation auf einem letztlich banalen Gebiet haben (denn Tagungen sind ja an sich keine so wahnsinnig komplexe Angelegenheit). Im Moment bleibt uns nichts anderes übrig, als aus der Not eine Tugend zu machen, auf flexible und experimentierfreudige Referentinnen und noch mehr interessierte digital zugeschaltete Teilnehmer zu setzen und natürlich auch darauf zu hoffen, dass wir bald wieder gute alte Präsenztagungen ausrichten und besuchen können.

Ein Kommentar

  1. Für die Organisator*innen ist der Wechsel von Präsenz zu Digital zwar ein enormer Aufwand und auch zeitlich eine Herausforderung. Ich habe da grossen Respekt vor eurer Aufgabe!
    Ich sehe aber auch Chancen, die aus der Situation erwachsen. Vom Darüberreden ins Handeln kommen ist die eine. Die andere besteht darin, dass die Onlineversion der Konferenz nun kostenlos und ortsunabhängig (keine CO2-lastigen-Reisen, keine Hotelkosten usw.). So kann die Partizipation erweitert werden.

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