Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Biete Antrag – Suche Förderung

Es gibt auch im Wissenschaftsbetrieb viele Routinen und vermutlich auch so etwas wie implizite Standards: Wissenschaftliche Vorträge mögen in ihrer Dauer variieren – von 15 min bis endlos scheinend ;-)), aber im Schnitt dürfte das Übliche eine halbe Stunde sein. Artikel verfasst man (klar, abhängig vom Layout) auf 10 bis 15, im Schnitt wohl auf 12 Seiten, und auch für Projektanträge hat sich – wenn auch je nach Förderorganisation mit Abweichung – eine Länge von 10 bis 12 Seiten sozusagen eingespielt.

Über die Jahreswende habe ich daher mal einen Projektantrag ohne Ausschreibung ins Blaue im üblichen Format und in der üblichen Länge geschrieben, vielleicht sogar etwas knapper. Normerweise kann das Schreiben von Anträgen schon ermüdend sein – vor allem dann, wenn man infolge von Ausschreibungen die eigenen Ideen beschneiden oder modifizieren, weil passend machen muss. Einfach mal einen Antrag zu schreiben, bei dem man nur die selbst identifizierten Notwendigkeiten zum Maßstab macht, kann tatsächlich Spaß machen.

Prompt hat dann die Stiftung für Innovation in der Hochschullehre im Januar eine Ausschreibung lanciert, in welche die ins Blaue geschriebene Antragsidee sogar zu passen scheint. Aber: Obschon auch größere Projekte eingereicht werden können, ist die übliche Antragslänge von ca. 10 Seiten auf zwei geschrumpft. Zwei Seiten bieten natürlich kaum Raum für gute Begründungen, die mir aber durchaus wichtig scheinen, um sich ein Urteil über die Förderwürdigkeit bilden zu können. Nun, es ist nicht zu ändern, auch hier hat man sich dann wieder zu fügen.

Da man aber ohnehin damit rechnen muss, dass von zehn Antragsversuchen neun scheitern, habe ich mich entschlossen, die Beschreibung der Projektidee zur synchronen Gestaltung hybrider Lehre online zu stellen – als Impact Free-Beitrag. Bei der Gelegenheit habe ich mir dann im Geiste ausgemalt, wie es wäre, wenn man eine deutschlandweite „Biete Antrag – Suche Förderung“-Plattform hätte …

2 Kommentare

  1. Das gibt es schon und kursiert unter der Bezeichnung Crowdfunding. Nur die üblichen Geldgeber wollen sich damit nicht abfinden.

  2. Liebe Gabi, viel schwieriger fand ich in der Tat das Windhundverfahren – lange vor Ablauf der Antragsfrist war/ist es nicht mehr möglich, Anträge hochzuladen. Pech für alle Kolleg*innen, die z.B. auf ihre Hochschulleitungen warten mussten. Da wird die Qualität von Ideen und Anträgen nicht nur von der Idee und Gutachter*innen, sondern auch noch von der Schnelligkeit abhängig. Jetzt muss man vor Projektstart nicht nur die Ergebnisse schon kennen, sondern vorsorglich auch noch Anträge in der Schublade vorhalten. Schnelligkeit und Wissenschaft erscheint mir keine gute Kombination.