Zurückhaltend – oder aus guten Gründen dagegen?

Dass die Folgen generativer KI für Studium und Lehre öffentlich diskutiert werden, ist wichtig. Hochschulen stehen vor Fragen, die Prüfungen, Lehrformate, didaktische Konzepte, Datenschutz, akademische Integrität und nicht zuletzt das Verständnis von Hochschulbildung selbst betreffen. Befragungen können dazu beitragen, diese Fragen sichtbar zu machen und einen Überblick darüber zu geben, wie Hochschulen mit ihnen umgehen. Das Hochschulforum Digitalisierung leistet mit seinen Monitoren seit Jahren einen Beitrag dazu. Gerade weil solche Studien den Diskurs mitprägen, lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie sie angelegt sind und was sie tatsächlich zeigen können.

Der HFD-Monitor 2026 „Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter“ (Budde, Sommer & Lüthi, 2026) will eine solche Bestandsaufnahme sein. Bei näherem Hinsehen bestätigt er aber eher die Agenda seiner Herausgeber (HFD/CHE). Meine Kritik richtet sich nicht primär auf einzelne Items der Befragung oder auf resultierende Zahlen, sondern auf die Anlage der Studie: auf ihre normativen Vorannahmen, die Engführung der Antwortmöglichkeiten, die flexible Auslegung methodischer Standards, die Typenbildung und die einseitige Interpretation. Seitenangaben beziehen sich auf den Bericht (PDF), Fragenummern auf den Fragebogen.

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Die Lösung für DBR-Kommunikation?

Wie kommuniziert man Design-Based Research (DBR)? Wer bereits mit DBR forschend tätig war oder ist, weiß um die Herausforderung, die vielfältigen Erkenntnisse, den Kontextbezug und die Besonderheiten dieser Form gestaltenden Forschens angemessen darzustellen, zu erklären und zu vermitteln. Vor diesem Hintergrund ist der Beitrag von Davis, Krist und Rees Lewis (2026) vielversprechend, die gerade in der Zeitschrift Educational Design Research unter folgendem Titel erschienen ist: Communicating Design-based Research: A Framework for Creating and Interpreting Educational Design Arguments.

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Epistemisches Deskilling

Was hat Phronesis mit KI zu tun? So einiges, wie man in einem neuen Text von Dirk Lindebaum und Co-Autoren nachlesen kann:

Lindebaum, D., Balasubramanian, N., Ashraf, M. & Haack.P. (in press). A process model of managerial phronesis in the age of generative AI. Academy of Management Review. Online hier zugänglich.

Lindebaums Forschungskontext ist das Management. Doch davon sollte man sich als Akteur im Kontext Hochschulbildung nicht abschrecken lassen, denn: Lindebaums Texte rund um KI kann man aus meiner Sicht auch dann mit Gewinn lesen, wenn es um Hochschule geht. Erstmals bin ich im Herbst 2023 auf ihn aufmerksam geworden, als er einen Beitrag zum Einfluss generativer KI auf menschliche Reflexivität und Verantwortung veröffentlicht hat (einen Blogbeitrag vom November 2023 findet sich hier). Ich möchte auf die Inhalte des aktuellen Textes (siehe oben) genauer eingehen und zeichne dazu ein wenig nach, wie ich mir den Text erschlossen habe.

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Begriff gekapert?

Deep Learning ist ein vermutlich unverzichtbarer Begriff im Kontext generativer KI, denn damit wird ein wesentlicher Teilbereich der KI beschrieben: die Analyse riesiger Datenmengen durch künstliche neuronale Netze in mehreren Schichten zum Zwecke der Mustererkennung. Heute kennen wir zahlreiche weitere Wort-Kombinationen mit Deep: Deepfake, Deep Agent, Deep Research, Deep Reasoning etc. Nun dürfte Deepfake vor allem negativ konnotiert sein: Es handelt sich um einen Inhalt, der manipuliert oder frei erfunden ist, aber täuschend echt wirkt; die „Tiefe“ liegt in der Täuschung. Weitere sich vermehrende „Deep+X“-Wörter signalisieren eher etwas besonders Fortgeschrittenes, oft auch Positives: Deep Agent bezeichnet eine KI, die besonders komplexe Aufgaben selbständige erledigt, Deep Research klingt zumindest nach besonders gründlicher Recherche, Deep Reasoning hört sich nach besonders intensivem Denken an … Und Deep Learning?

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Den Dingen auf den Grund gehen

Das Thema Demokratie bzw. Demokratiebildung steht seit 2025 an vielen Universitäten prominent auf der Agenda. Nicht alle Forderungen und Vorstellungen dazu finde ich überzeugend. Bisweilen habe ich den Eindruck, dass nach und nach ein wichtiges Thema gegen ein anderes ausgetauscht wird – z.B. Diversität gegen Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit gegen Demokratie etc. – und dann relativ umstandslos zur Aufgabe von Universitäten mutiert, wonach sich möglichst sofort Forschungsagenden und Curricula auszurichten haben. Ein Essay von Georg Mein, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Theorie sowie Direktor des University of Luxembourg Institute for Digital Ethics (ULIDE), behandelt den Zusammenhang zwischen Universität und Demokratie in einer, aus meiner Sicht, inspirierenden Weise . Der Titel des Buches lautet Das Prinzip Universität. Warum Demokratie Wissenschaft braucht.

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Selbstentmächtigung

Einer KI geht es um nichts – so lautet der erste Teil des Titels eines Beitrags in der Zeitschrift für Kulturphilosophie von Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette – letztes Jahr erschienen*. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht, der über ResearchGate auch online frei zugänglich ist. Im Kern geht es – und das ist der zweite Teil des Titels – um Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.

* Fuchs, T., Jung, Matthias & Schlette, Magnus (2025). Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter. Zeitschrift für Kulturphilosophie, 1, 141-152.

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Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?

Forscherinnen und Forscher wenden immer mehr Zeit auf, um Drittmittel zu akquirieren. Aber: Lohnt sich das? Überwiegt der Nutzen der Drittmittelförderung tatsächlich die individuellen und gesellschaftlichen Kosten, um diese im Wettbewerb mit anderen zu erlangen? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (Mai 2026) Christopher Degelmann (leider ist der Kommentar nicht online zugänglich). Er plädiert dafür, die Summe der Kosten, die indirekt durch das Stellen (und Begutachten) von Anträgen entsteht, gegen die Höhe der bewilligten Gelder (im Erfolgsfall) abzuwägen. Er kommt zu dem Schluss: „Berücksichtigt man allein die akademischen Gehaltsstrukturen, so entziehen zahlreiche Förderprogramme der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Ressourcen, als sie ihr zuführen“. Das ist ein gewichtiger Satz! Üblicherweise ist der Blick bei Drittmittelförderung auf die eingeworbenen Mittel gerichtet; die investierten Mittel bleiben dagegen im Verborgenen.

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Oft beschworen, wenig gelebt

Die Hochschuldidaktik ist notwendig eine allgemeine Didaktik, das heißt: Sie kann und darf sich nicht mit einer oder wenigen Disziplinen und deren Herausforderungen in der Hochschullehre befassen, sondern muss in der Lage sein, Lehrpersonen aus allen erdenklichen Fachwissenschaften mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Geht das überhaupt? Bis zu einem gewissen Grad schon – und hochschuldidaktische Einrichtungen tun ja auch genau das: Lehrpersonen aus allen Fakultäten und damit fachübergreifend Qualifizierungsangebote machen wie auch (vermehrt) Selbstlernmaterial zur Verfügung stellen. Das machen wir am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) so wie viele andere größere hochschuldidaktische Zentren wie zum Beispiel das an der Ruhr Universität Bochum.

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SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?

Wer sich ein wenig in der wissenschaftlichen Literatur zu Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) auskennt, ist vielleicht der Namen Janice Miller-Young bekannt: Sie ist unter anderem eine der Autorinnen des Buchs SoTL Research Methodologies. Entsprechend neugierig war ich auf einen aktuellen Beitrag von Miller-Young und anderen, der im Titel eine Exploration des Potenzials generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in SoTL-Arbeiten ankündigt: Miller-Young, J., Hays, L. & McCollum, B. (2026). Exploring genAI’s potential contributions as a partner in SoTL research: The practice model. Teaching & Learning Inquiry, 14, 1-19.

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Augenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft

Der Soziologe Hartmut Rosa hat ein neues Buch geschrieben: „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums“ (erschienen im Suhrkamp Verlag). Inzwischen gibt es zahlreiche Rezensionen: von zustimmend bis zerreißend, wobei mir der zum Teil aggressive Stil mancher Kritiken besonders aufgefallen ist. Ich habe das Buch gelesen und kann mit dem Interpretationsangebot, das Rosa damit macht, viel anfangen.

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