Selbstentmächtigung

Einer KI geht es um nichts – so lautet der erste Teil des Titels eines Beitrags in der Zeitschrift für Kulturphilosophie von Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette – letztes Jahr erschienen*. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht, der über ResearchGate auch online frei zugänglich ist. Im Kern geht es – und das ist der zweite Teil des Titels – um Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.

* Fuchs, T., Jung, Matthias & Schlette, Magnus (2025). Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter. Zeitschrift für Kulturphilosophie, 1, 141-152.

„Selbstentmächtigung“ weiterlesen

Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?

Forscherinnen und Forscher wenden immer mehr Zeit auf, um Drittmittel zu akquirieren. Aber: Lohnt sich das? Überwiegt der Nutzen der Drittmittelförderung tatsächlich die individuellen und gesellschaftlichen Kosten, um diese im Wettbewerb mit anderen zu erlangen? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (Mai 2026) Christopher Degelmann (leider ist der Kommentar nicht online zugänglich). Er plädiert dafür, die Summe der Kosten, die indirekt durch das Stellen (und Begutachten) von Anträgen entsteht, gegen die Höhe der bewilligten Gelder (im Erfolgsfall) abzuwägen. Er kommt zu dem Schluss: „Berücksichtigt man allein die akademischen Gehaltsstrukturen, so entziehen zahlreiche Förderprogramme der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Ressourcen, als sie ihr zuführen“. Das ist ein gewichtiger Satz! Üblicherweise ist der Blick bei Drittmittelförderung auf die eingeworbenen Mittel gerichtet; die investierten Mittel bleiben dagegen im Verborgenen.

„Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?“ weiterlesen

Oft beschworen, wenig gelebt

Die Hochschuldidaktik ist notwendig eine allgemeine Didaktik, das heißt: Sie kann und darf sich nicht mit einer oder wenigen Disziplinen und deren Herausforderungen in der Hochschullehre befassen, sondern muss in der Lage sein, Lehrpersonen aus allen erdenklichen Fachwissenschaften mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Geht das überhaupt? Bis zu einem gewissen Grad schon – und hochschuldidaktische Einrichtungen tun ja auch genau das: Lehrpersonen aus allen Fakultäten und damit fachübergreifend Qualifizierungsangebote machen wie auch (vermehrt) Selbstlernmaterial zur Verfügung stellen. Das machen wir am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) so wie viele andere größere hochschuldidaktische Zentren wie zum Beispiel das an der Ruhr Universität Bochum.

„Oft beschworen, wenig gelebt“ weiterlesen

SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?

Wer sich ein wenig in der wissenschaftlichen Literatur zu Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) auskennt, ist vielleicht der Namen Janice Miller-Young bekannt: Sie ist unter anderem eine der Autorinnen des Buchs SoTL Research Methodologies. Entsprechend neugierig war ich auf einen aktuellen Beitrag von Miller-Young und anderen, der im Titel eine Exploration des Potenzials generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in SoTL-Arbeiten ankündigt: Miller-Young, J., Hays, L. & McCollum, B. (2026). Exploring genAI’s potential contributions as a partner in SoTL research: The practice model. Teaching & Learning Inquiry, 14, 1-19.

„SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?“ weiterlesen

Augenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft

Der Soziologe Hartmut Rosa hat ein neues Buch geschrieben: „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums“ (erschienen im Suhrkamp Verlag). Inzwischen gibt es zahlreiche Rezensionen: von zustimmend bis zerreißend, wobei mir der zum Teil aggressive Stil mancher Kritiken besonders aufgefallen ist. Ich habe das Buch gelesen und kann mit dem Interpretationsangebot, das Rosa damit macht, viel anfangen.

„Augenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft“ weiterlesen

KI-Tools ringen nicht miteinander

In letzter Zeit stoße ich auf immer mehr Artikel zum Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Peer-Review-Prozess: zum Beispiel Texte mit Studien, die belegen, dass inzwischen viele Personen, die als Reviewer tätig sind, auf KI zurückgreifen z.B. (hier), wie auch Texte, die sich kritisch mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Akhil Bhardwaj von der University of Bath hat kürzlich auf dem Portal Times Higher Education hier einen Beitrag zu diesem Thema verfasst, der die zentralen Probleme für mich klar auf den Punkt bringt. Welche Aussagen und Argumente haben mich besonders überzeugt? Ich greife einige heraus und versuche, diese (auf meine Weise) zusammenzufassen.

„KI-Tools ringen nicht miteinander“ weiterlesen

Vertrackte Probleme

Iosif Gidiotis hat in der Zeitschrift Futures, kürzlich einen Text mit dem Titel Speculative futures of artificial intelligence in education: A causal layered analysis of education fiction publiziert. Der Beitrag stellt eine Studie vor, in der untersucht wird, wie Akteure an schwedischen Hochschulen Zukunftsszenarien für Künstliche Intelligenz (KI) im Bildungsbereich entwerfen. Knapp 70 Lehrende, Studierende und Forschende haben hierzu über eine Web-Plattform kurze spekulative Zukunftsszenarien eingereicht. Ein Szenario war jeweils begrenzt auf 80 bis 150 Wörter und konnte in beliebiger Sprache eingegeben werden.

„Vertrackte Probleme“ weiterlesen

Anachronistisch und illusorisch

Zum Jahresende erreichte mich die Frage eines Kollegen, was ich vom Plädoyer für eine Präsenzpflicht an Universitäten halte – bezugnehmend auf einen Artikel (hier) in der FAZ vom Herbst 2025 (ein Gastbeitrag von Tim Engartner und Julia Reuter von der Universität zu Köln). Eine zunächst einfach klingende, am Ende aber doch schwer zu beantwortende Frage.

„Anachronistisch und illusorisch“ weiterlesen

Maschinen lesen Menschen

Wenn es um generative Künstliche Intelligenz (KI) im Studium geht, steht das akademische Schreiben in der Regel im Mittelpunkt des Interesses. Weit weniger Aufmerksamkeit erfährt dagegen das Lesen, obschon auch dieses von KI auf vielfältige Weise beeinflusst wird. Ein inzwischen wohl allseits bekannter Effekt der Verfügbarkeit von KI dürfte das Abkürzen sein: Indem KI auf Knopfdruck Zusammenfassungen von Texten liefern kann, lassen sich – scheinbar – Lesezeiten beliebig verkürzen. Aber der Einfluss geht tiefer. Der Akt des Lesens selbst unterliegt einem Wandel, was zwar immer schon, also seit Beginn des Lesens in der Menschheitsgeschichte, zu beobachten ist, mit KI aber doch (auch hier) eine ganz eigene Qualität hat. In einem lesenswerten Text beschäftigt sich Birte Platow in der Ausgabe 5 von 2025 der Pädagogischen Rundschau mit diesem Thema und beleuchtet Unterschiede (und Gemeinsamkeiten) menschlichen und maschinellen Lesens sowie deren wechselseitige Beeinflussung. Der Beitrag: Platwo, B. (2025). Über künstliches Lesen, Lesekunst und die Kunst des Lesens. Pädagogische Rundschau, 5, 505-515. ist online zugänglich.

„Maschinen lesen Menschen“ weiterlesen

Déjà-vu: Innovation ohne Forschung?

„Die DFG ermöglicht die Nutzung von KI in der Begutachtung. Die Bundesregierung plant indes kein Nachfolgeprogramm für ´KI in der Hochschulbildung´“ – heißt es bei Forschung und Lehre in einem Artikel (hier), der bereits kurz vor Weihnachten erschienen ist.

„Déjà-vu: Innovation ohne Forschung?“ weiterlesen