Deep Learning ist ein vermutlich unverzichtbarer Begriff im Kontext generativer KI, denn damit wird ein wesentlicher Teilbereich der KI beschrieben: die Analyse riesiger Datenmengen durch künstliche neuronale Netze in mehreren Schichten zum Zwecke der Mustererkennung. Heute kennen wir zahlreiche weitere Wort-Kombinationen mit Deep: Deepfake, Deep Agent, Deep Research, Deep Reasoning etc. Nun dürfte Deepfake vor allem negativ konnotiert sein: Es handelt sich um einen Inhalt, der manipuliert oder frei erfunden ist, aber täuschend echt wirkt; die „Tiefe“ liegt in der Täuschung. Weitere sich vermehrende „Deep+X“-Wörter signalisieren eher etwas besonders Fortgeschrittenes, oft auch Positives: Deep Agent bezeichnet eine KI, die besonders komplexe Aufgaben selbständige erledigt, Deep Research klingt zumindest nach besonders gründlicher Recherche, Deep Reasoning hört sich nach besonders intensivem Denken an … Und Deep Learning?
„Begriff gekapert?“ weiterlesenKategorie: gefunden
Den Dingen auf den Grund gehen
Das Thema Demokratie bzw. Demokratiebildung steht seit 2025 an vielen Universitäten prominent auf der Agenda. Nicht alle Forderungen und Vorstellungen dazu finde ich überzeugend. Bisweilen habe ich den Eindruck, dass nach und nach ein wichtiges Thema gegen ein anderes ausgetauscht wird – z.B. Diversität gegen Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit gegen Demokratie etc. – und dann relativ umstandslos zur Aufgabe von Universitäten mutiert, wonach sich möglichst sofort Forschungsagenden und Curricula auszurichten haben. Ein Essay von Georg Mein, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Theorie sowie Direktor des University of Luxembourg Institute for Digital Ethics (ULIDE), behandelt den Zusammenhang zwischen Universität und Demokratie in einer, aus meiner Sicht, inspirierenden Weise . Der Titel des Buches lautet Das Prinzip Universität. Warum Demokratie Wissenschaft braucht.
„Den Dingen auf den Grund gehen“ weiterlesenSelbstentmächtigung
Einer KI geht es um nichts – so lautet der erste Teil des Titels eines Beitrags in der Zeitschrift für Kulturphilosophie von Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette – letztes Jahr erschienen*. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht, der über ResearchGate auch online frei zugänglich ist. Im Kern geht es – und das ist der zweite Teil des Titels – um Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.
* Fuchs, T., Jung, Matthias & Schlette, Magnus (2025). Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter. Zeitschrift für Kulturphilosophie, 1, 141-152.
„Selbstentmächtigung“ weiterlesenForschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?
Forscherinnen und Forscher wenden immer mehr Zeit auf, um Drittmittel zu akquirieren. Aber: Lohnt sich das? Überwiegt der Nutzen der Drittmittelförderung tatsächlich die individuellen und gesellschaftlichen Kosten, um diese im Wettbewerb mit anderen zu erlangen? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (Mai 2026) Christopher Degelmann (leider ist der Kommentar nicht online zugänglich). Er plädiert dafür, die Summe der Kosten, die indirekt durch das Stellen (und Begutachten) von Anträgen entsteht, gegen die Höhe der bewilligten Gelder (im Erfolgsfall) abzuwägen. Er kommt zu dem Schluss: „Berücksichtigt man allein die akademischen Gehaltsstrukturen, so entziehen zahlreiche Förderprogramme der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Ressourcen, als sie ihr zuführen“. Das ist ein gewichtiger Satz! Üblicherweise ist der Blick bei Drittmittelförderung auf die eingeworbenen Mittel gerichtet; die investierten Mittel bleiben dagegen im Verborgenen.
„Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?“ weiterlesenOft beschworen, wenig gelebt
Die Hochschuldidaktik ist notwendig eine allgemeine Didaktik, das heißt: Sie kann und darf sich nicht mit einer oder wenigen Disziplinen und deren Herausforderungen in der Hochschullehre befassen, sondern muss in der Lage sein, Lehrpersonen aus allen erdenklichen Fachwissenschaften mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Geht das überhaupt? Bis zu einem gewissen Grad schon – und hochschuldidaktische Einrichtungen tun ja auch genau das: Lehrpersonen aus allen Fakultäten und damit fachübergreifend Qualifizierungsangebote machen wie auch (vermehrt) Selbstlernmaterial zur Verfügung stellen. Das machen wir am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) so wie viele andere größere hochschuldidaktische Zentren wie zum Beispiel das an der Ruhr Universität Bochum.
„Oft beschworen, wenig gelebt“ weiterlesenSoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?
Wer sich ein wenig in der wissenschaftlichen Literatur zu Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) auskennt, ist vielleicht der Namen Janice Miller-Young bekannt: Sie ist unter anderem eine der Autorinnen des Buchs SoTL Research Methodologies. Entsprechend neugierig war ich auf einen aktuellen Beitrag von Miller-Young und anderen, der im Titel eine Exploration des Potenzials generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in SoTL-Arbeiten ankündigt: Miller-Young, J., Hays, L. & McCollum, B. (2026). Exploring genAI’s potential contributions as a partner in SoTL research: The practice model. Teaching & Learning Inquiry, 14, 1-19.
„SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?“ weiterlesenAugenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft
Der Soziologe Hartmut Rosa hat ein neues Buch geschrieben: „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums“ (erschienen im Suhrkamp Verlag). Inzwischen gibt es zahlreiche Rezensionen: von zustimmend bis zerreißend, wobei mir der zum Teil aggressive Stil mancher Kritiken besonders aufgefallen ist. Ich habe das Buch gelesen und kann mit dem Interpretationsangebot, das Rosa damit macht, viel anfangen.
„Augenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft“ weiterlesenKI-Tools ringen nicht miteinander
In letzter Zeit stoße ich auf immer mehr Artikel zum Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Peer-Review-Prozess: zum Beispiel Texte mit Studien, die belegen, dass inzwischen viele Personen, die als Reviewer tätig sind, auf KI zurückgreifen z.B. (hier), wie auch Texte, die sich kritisch mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Akhil Bhardwaj von der University of Bath hat kürzlich auf dem Portal Times Higher Education hier einen Beitrag zu diesem Thema verfasst, der die zentralen Probleme für mich klar auf den Punkt bringt. Welche Aussagen und Argumente haben mich besonders überzeugt? Ich greife einige heraus und versuche, diese (auf meine Weise) zusammenzufassen.
„KI-Tools ringen nicht miteinander“ weiterlesenVertrackte Probleme
Iosif Gidiotis hat in der Zeitschrift Futures, kürzlich einen Text mit dem Titel Speculative futures of artificial intelligence in education: A causal layered analysis of education fiction publiziert. Der Beitrag stellt eine Studie vor, in der untersucht wird, wie Akteure an schwedischen Hochschulen Zukunftsszenarien für Künstliche Intelligenz (KI) im Bildungsbereich entwerfen. Knapp 70 Lehrende, Studierende und Forschende haben hierzu über eine Web-Plattform kurze spekulative Zukunftsszenarien eingereicht. Ein Szenario war jeweils begrenzt auf 80 bis 150 Wörter und konnte in beliebiger Sprache eingegeben werden.
„Vertrackte Probleme“ weiterlesenAnachronistisch und illusorisch
Zum Jahresende erreichte mich die Frage eines Kollegen, was ich vom Plädoyer für eine Präsenzpflicht an Universitäten halte – bezugnehmend auf einen Artikel (hier) in der FAZ vom Herbst 2025 (ein Gastbeitrag von Tim Engartner und Julia Reuter von der Universität zu Köln). Eine zunächst einfach klingende, am Ende aber doch schwer zu beantwortende Frage.
„Anachronistisch und illusorisch“ weiterlesen