Gleich zweimal hintereinander habe ich nun Physiker als Partner im wissenschaftsdidaktischen Gespräch gehabt – dem Podcast im Rahmen des Professor:innen-Programms am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL): Ende April mit Prof. Jan Louis (hier) und kürzlich mit Prof. Henning Moritz aus dem Department für Physik der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) – einem erfolgreicher Forscher auf dem gefragten Gebiet der experimentellen Quantenphysik. Auch an diesem Beispiel kann man sehen, dass zeit- und energieaufwändige Forschung nicht zwangsläufig bedeuten muss, die Lehre zu vernachlässigen – im Gegenteil: Zwei Lehrpreise sprechen ebenso für sich wie das, was man im Podcast hier nachhören kann.
„Vorleben, selber machen, verstehen“ weiterlesenWo gibt es das sonst?
Mit dem Zeiterleben ist das so eine Sache: Während mir die circa zehn Jahre an der Universität Augsburg (meine erste Uni-Station) ziemlich lang vorkommen sind, habe ich (nach zwei kürzeren Stationen an kleineren Universitäten) an der Universität Hamburg ein Jahrzehnt schon letztes Jahr überschritten. Und bei unserem Masterstudiengang Higher Education (MHE) (berufsbegleitend und konsekutiv) am HUL haben wir nächstes Jahr das zehnjährige Jubiläum. Komplett online ist der Studiengang seit der COVID-19-Pandemie – ein Schritt, den wir bis heute nicht bereut haben. Dass der MHE, so wie er jetzt angeboten wird, gut ankommt und seine Ziele erreicht, hat uns auch die Akkreditierung 2025 bescheinigt (hier geht es zur Liste aller akkreditierten Studiengänge an der Universität Hamburg). Aber: Ist ein solcher Studiengang – klein, persönlich, personalaufwändig – nicht irgendwie Luxus? Braucht man eine wissenschaftliche Ausbildung – forschungsnah, theoriegeleitet, reflexiv –, um die Bildungspraxis an der Hochschule zu verbessern?
Meine Antwort auf beide Fragen lautet – natürlich – ja, und ich möchte dafür (mindestens) drei Gründe angeben und ein wenig erläutern.
„Wo gibt es das sonst?“ weiterlesenSelbstentmächtigung
Einer KI geht es um nichts – so lautet der erste Teil des Titels eines Beitrags in der Zeitschrift für Kulturphilosophie von Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette – letztes Jahr erschienen*. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht, der über ResearchGate auch online frei zugänglich ist. Im Kern geht es – und das ist der zweite Teil des Titels – um Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.
* Fuchs, T., Jung, Matthias & Schlette, Magnus (2025). Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter. Zeitschrift für Kulturphilosophie, 1, 141-152.
„Selbstentmächtigung“ weiterlesenForschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?
Forscherinnen und Forscher wenden immer mehr Zeit auf, um Drittmittel zu akquirieren. Aber: Lohnt sich das? Überwiegt der Nutzen der Drittmittelförderung tatsächlich die individuellen und gesellschaftlichen Kosten, um diese im Wettbewerb mit anderen zu erlangen? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (Mai 2026) Christopher Degelmann (leider ist der Kommentar nicht online zugänglich). Er plädiert dafür, die Summe der Kosten, die indirekt durch das Stellen (und Begutachten) von Anträgen entsteht, gegen die Höhe der bewilligten Gelder (im Erfolgsfall) abzuwägen. Er kommt zu dem Schluss: „Berücksichtigt man allein die akademischen Gehaltsstrukturen, so entziehen zahlreiche Förderprogramme der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Ressourcen, als sie ihr zuführen“. Das ist ein gewichtiger Satz! Üblicherweise ist der Blick bei Drittmittelförderung auf die eingeworbenen Mittel gerichtet; die investierten Mittel bleiben dagegen im Verborgenen.
„Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?“ weiterlesenStaying Experts
Nach einer zweimonatigen Pause gibt es nun den nächsten ProfCast Wissenschaftsdidaktik im Gespräch mit Jan Louis, bis vor kurzem Professor für Theoretische Physik an der Universität Hamburg. Am 21. April wurde ihm eine Wilhelm und Else Heraeus-Seniorprofessur verliehen: Zwei Projekte werden ihn im Rahmen dieser Professur vorrangig beschäftigen, nämlich die Gestaltung einer „School of Science“ in der Science City Hamburg Bahrenfeld und eine Reform des Lehramtsstudiengangs Physik an der Universität Hamburg. Über beide Themen haben wir in der aktuellen Podcast-Folge „Lehrkräfteausbildung – Möglichkeiten aus Sicht der Physik“ gesprochen.
„Staying Experts“ weiterlesenKein Exoten-Status mehr
Ein harter Kern aus unserem früheren wissenschaftlichen Netzwerk zu Design-Based-Research, gefördert von der DFG, ist noch übrig und trifft sich relativ regelmäßig (online) zum Austausch: So wie gestern am späten Nachmittag. Dazu kommen, und das ist erfreulich, eine ganze Reihe Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die selbst DBR-praktizieren; davon kennen wir einige schon länger, und es finden immer wieder auch neue Interessierte den Weg ins Netzwerk. Das motiviert, dranzubleiben.
„Kein Exoten-Status mehr“ weiterlesenOft beschworen, wenig gelebt
Die Hochschuldidaktik ist notwendig eine allgemeine Didaktik, das heißt: Sie kann und darf sich nicht mit einer oder wenigen Disziplinen und deren Herausforderungen in der Hochschullehre befassen, sondern muss in der Lage sein, Lehrpersonen aus allen erdenklichen Fachwissenschaften mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Geht das überhaupt? Bis zu einem gewissen Grad schon – und hochschuldidaktische Einrichtungen tun ja auch genau das: Lehrpersonen aus allen Fakultäten und damit fachübergreifend Qualifizierungsangebote machen wie auch (vermehrt) Selbstlernmaterial zur Verfügung stellen. Das machen wir am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) so wie viele andere größere hochschuldidaktische Zentren wie zum Beispiel das an der Ruhr Universität Bochum.
„Oft beschworen, wenig gelebt“ weiterlesenSoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?
Wer sich ein wenig in der wissenschaftlichen Literatur zu Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) auskennt, ist vielleicht der Namen Janice Miller-Young bekannt: Sie ist unter anderem eine der Autorinnen des Buchs SoTL Research Methodologies. Entsprechend neugierig war ich auf einen aktuellen Beitrag von Miller-Young und anderen, der im Titel eine Exploration des Potenzials generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in SoTL-Arbeiten ankündigt: Miller-Young, J., Hays, L. & McCollum, B. (2026). Exploring genAI’s potential contributions as a partner in SoTL research: The practice model. Teaching & Learning Inquiry, 14, 1-19.
„SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?“ weiterlesenAugenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft
Der Soziologe Hartmut Rosa hat ein neues Buch geschrieben: „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums“ (erschienen im Suhrkamp Verlag). Inzwischen gibt es zahlreiche Rezensionen: von zustimmend bis zerreißend, wobei mir der zum Teil aggressive Stil mancher Kritiken besonders aufgefallen ist. Ich habe das Buch gelesen und kann mit dem Interpretationsangebot, das Rosa damit macht, viel anfangen.
„Augenmaß, Fingerspitzengefühl, Urteilskraft“ weiterlesenUniversitäre Lehrkompetenz
Seit Juni 2025 haben wir auf der Webseite unserer Selbstlernmaterialien am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) Vorschläge, wie man in Auswahlprozessen von Personen, die auch Hochschullehre anbieten sollen, der didaktischen Eignung etwas näherkommen kann. Ich formuliere das bewusst so vorsichtig, weil ich denke, dass sich Lehrkompetenz nicht so ohne Weiteres erfassen lässt. Das Bedürfnis aber scheint vor allem bei Universitätsleitungen, Abteilungen für Personalentwicklung oder Qualitätsmanagement groß zu sein, akademische Kompetenzen generell möglichst genau zu bestimmen und zu bewerten, also zum Beispiel in Stufen einzuteilen. Politisch motivierte Qualifikationsrahmen ermutigen dazu, verbreiten entsprechende Kompetenzmodelle auch für den Hochschulsektor und erwecken so den Eindruck, als ließe sich die Kompetenz, über die Gestaltung von Lehre Bildung zu ermöglichen und zu fördern, sowohl in einzelne Elemente zergliedern als auch präzise messen.
„Universitäre Lehrkompetenz“ weiterlesen