Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Der Wille würde es auch tun

| 17 Kommentare

Ich gebe es zu, dass ich mit den zahlreichen unter dem „Konnektivismus“ firmierenden Verlautbarungen zum selbstorganisierten und vernetzten Lernen insbesondere aufgrund des damit verbundenen missionarischen Eifers (der immer gleichen Leute) skeptisch gegenüberstehe. Das gilt auch für die im Moment durch viele Blogs und Ankündigungen laufenden Massive Open Online Courses (MOOC). Nun habe ich endlich den im Oktober 2011 veröffentlichten,  recht sachlichen Überblick über dieses Format in einem e-teaching.org-Artikel von Stefanie Panke (hier) gelesen. Der Beitrag stellt insbesondere eine Beziehung zum Konzept der „Personal Learning Environments“ her und versucht, die an MOOCs gestellten Erwartungen auf diesem Wege ein wenig zu ordnen und stellenweise auch kritisch zu hinterfragen. Als Kennzeichen für MOOCS werden Aspekte genannt, die so neu nicht sind:

(a) Es werden mehr Inhalte angeboten, als verarbeitet werden: Nun, das ist in anderen Veranstaltungen durchaus auch der Fall, wenn man Reader und Literaturlisten, Links und andere Ressourcen zusammenstellt – mir kommt das jedenfalls eher üblich vor. (b) Lernende treffen eine individuelle Auswahl und konstruieren ihren eigenen „Informationsmix“: Im Kopf der Lernenden erfolgt genau das, so würde ich behaupten, ebenfalls in jeder Seminarveranstaltung, im besten Fall auch im Hinblick auf die persönliche Gestaltung der Veranstaltungsressourcen in analoger und digitaler Form. (c) Die Inhalte überträgt jeder entsprechend seiner Ziele in eigene bedeutsame Kontexte: Seit den 1990er Jahren gibt es verschiedene didaktische Modelle, die zum einen zielgruppenspezifische, Interesse weckende Anwendungskontexte anbieten, aber natürlich auch dazu anregen, eigene Betroffenheit herzustellen, indem man Bezüge zu persönlichen Zielen und Anwendungsfeldern sucht. DASS man das macht, ist also ein alter Hut, WIE man es erfolgreich machen kann, wäre da schon interessanter. (d) Lernende sollen ihren Standpunkt öffentlich vertreten: Das hat man in klassischen Veranstaltungen (auch technologiegestützten) meistens nicht und dürfte wohl als einzige wirkliche Besonderheit gelten – mit entsprechend Vorteilen und Nachteilen.

Eher befremdlich sind die deutschen Wort-Neukreationen auf der Seite 10 im Zusammenhang mit Problemen bzw. Herausforderungen in MOOCs: „Kuration“ und „Voliation“ sind jedenfalls keine Wörter, die im Duden auftauchen und auch nicht gerade verständnisfördernd sind – muss das sein? Warum nicht „Informationspflege“ – hätte wenigstens einen netten metaphorischen Beiklang. Und was soll „voliation“ sein? Ist vielleicht „Volition“ gemeint? …, wobei ich auch dieses (bei Psychologen durchaus gängige Wort) seltsam finde – der Wille würde es auch tun.

Am Ende des Beitrags wird unter anderem die fehlende Anbindung des MOOC-Konzepts an institutionalisierte Lehr-Lernformen mit Prüfungen kritisiert. Meine These ist, dass das nie zusammengehen wird: Prüfungen sind nicht dazu geeignet, dazu anzuregen, sich in ungewisse Lernprozesse zu begeben, dabei auch noch motiviert bei der Stange zu bleiben und sich an der Unabgeschlossenheit des gemeinsam konstruierten Wissens zu erfreuen. Das sind einfach zwei ganz verschiedene Modi und ich kann es keinem Studierenden verübeln, wenn er sich da lieber ganz traditionell auf die nächste Prüfung vorbereitet. Solange wir an Hochschulen prüfen wie bisher, bleiben bei MOOCs die Marketing-Effekte wohl größer als die Effekte auf das Studium.

17 Kommentare

  1. Offenes Lernen ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, aber es betrifft wohl nur eine kleine Gruppe an Lernenden, die überhaupt mit der Offenheit umgehen kann. Insofern beißt sich die Katze hier in den Schwanz: Auf der einen Seite braucht man Angebote wie MOOCs, um überhaupt neue Lehr-Lernformate – auch online – kennenzulernen; auf der anderen Seite mangelt es zumindest bei Studierenden an Fähigkeiten im Umgang mit solchen MOOCs. Insofern kann ich die Hoffnung auf strukturelle Anbindung an Lehre durchaus verstehen, allerdings weniger auf Ebene der Prüfungen als hinsichtlich der Entwicklung von Fähigkeiten in der Selbstorganisation. Diese sind ja grundlegend für den Umgang mit Offenheit, egal ob in der Präsenzlehre oder online.
    Liebe Grüße,
    Sandra

  2. Da stimme ich zu, dass wir Experimente in der Lehre brauchen und grundsätzlich sollte man da alles ausprobieren können und dürfen, was sich mit Blick auf die Ziele der eigenen Lehre begründen und vertreten lässt. Da würde man mich mit meiner anklingenden Kritik auch missverstehen, wenn man da eine Ablehnung z.B. von MOOCs als „Lernexperiment“ herauslesen würde. Nur sehe ich NICHT, dass und aus welchen Gründen man hier von DER Zukunft des Lernens (noch dazu von einer neuen) sprechen sollte, wie das halt bei den entsprechenden Vertretern aus dieser Richtung gerne propagiert wird. Aus wissenschaftlicher Sicht plädiere ich da für eine etwas nüchternere Betrachtung, weswegen ich ja auch den Artikel zum Lesen empfohlen habe, weil er in diese Richtung geht. 🙂
    Gabi

  3. Ich denke, dass der Begriff „neue Lernform“ für MOOCs nicht wirklich passend ist. Eher ist es ein neuer(?) Zugang zu Lehrveranstaltungen und und ein neues(?) Selbstverständnis einer Lernenden-Community, wobei ich auch hier hinter das neu bewusst ein Fragezeichen setze: Es ist ja auch nicht neu zu fordern, dass jeder Zugang zur Lehre hat, und an den Türen von Vorlesungssäälen findet auch keine Eintrittskontrolle statt. Von Bäcker bis Banker kann sich jeder in eine Vorlesung setzten, nur zur Zertifizierung ist eine Einschreibung nötig. Auch die Zusammenarbeit und Vernetzung der Lernenden wird von jeher angestrebt.
    Neu ist vielleicht das Bewerben einer solchen Veranstaltung und das damit aufkommende Gemeinschaftsgefühl, dass einem schnell vorgaukelt, das Lernen in dieser Form wäre besonders effektiv – nach meinen Erfahrungen im Opco11 ist es das nicht. Mir waren viele Themen nicht neu (was ich den Veranstaltern nicht anlasten will), aber hier unterscheidet sich meiner Meinung nach ein Open Course nicht von normalen Lehrveranstaltungen: Unbekannte Themen + interessante Aufbereitung + verstärkte Reflexion durch Austausch = Lernerfolg. „Einfache“ Gleichung, die der Opco11 für viele erfüllt hat.
    Und dennoch finde ich, dass MOOCs eine gute Sache sind, da sie vielen einen einfachen Zugang zu den behandelten Themen bietet. Und da ist mir dann auch egal, ob die Methoden neu sind oder nicht, wenn sie nur funktionieren.
    Ich sehe aber ebenso derzeit keinen revolutionären Ansatz für Universitäten darin, da hier weiterhin das Gelernte überprüft werden muss, um es zu zertifizieren. Ich finde leider nich mehr den Link, aber ich meine gelesen zu haben, dass ein MOOC demnächst mit Badges experimentieren will. (Falls hier jemand weiß, welcher das war: bitte posten!) Bin gespannt, ob die über „Bienchen im Muttiheft“ hinausgehen.

  4. Hmmh, ich tue mich mit den „Kennzeichen“ für MOOCs etwas schwer, die hier im Zentrum Deiner Bewertung stehen. Das betrifft natürlich auch den zugrunde liegenden Wikipedia-Eintrag und auch die diesem folgende Zusammenfassung durch Stefanie Panke.
    Auf den Seiten des PLENK2010, dem MOOC, auf den sich auch Stefanie Panke bezieht, heißt es beispielsweise: „PLENK2010 is an unusual course. It does not consist of a body of content you are supposed to remember. Rather, the learning in the course results from the activities you undertake, and will be different for each person.“
    (http://connect.downes.ca/how.htm)
    Und weiter: „This type of course is called a ‘connectivist‘ course and is based on four major types of activity: …“ Und dann folgen die Prinzipien, auf die sich Wikipedia, Panke und Reinmann 😉 beziehen. Man kann es also durchaus als verschiedene Aktivitätsstufen lesen, auf denen sich ein Lerner im Rahmen eines MOOCs bewegen kann, aber keineswegs bewegen muss. Die Idee eines MOOC jedoch einzig an diesem Aspekt festzumachen, ist zumindest stark verkürzt. By the way, was für eine absurde Idee sollte es auch sein, prinzipiell „mehr Inhalte anzubieten, als verarbeitet werden (können)“, wie hier im ersten Aspekt wiedergegeben wird? Davon ist in den „Ursprungstexten“ nicht die Rede.
    Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das Lernformat „MOOC“ – als offener Kurs, dezentral organisiert, vernetzt, mit neuen Aufgaben und Spielräumen für Lernende und Gastgeber – neu und spannend ist. Die Tatsache, dass sich im Rahmen eines solchen Szenarios bestimmte pädagogische Muster (wieder)entdecken lassen, ist nur natürlich. Alles andere wäre, um es vorsichtig zu sagen, auch eine Überraschung. Nur frage ich mich immer wieder, worauf sich die Wertung „alter Hut“ genau bezieht? Das Lernformat „MOOC“ war vor 10 Jahren noch nicht möglich, und zwar nicht nur technisch …
    Und um nicht daran erinnert zu werden, dass auch der Beamer einmal neu war, versuche ich es einmal anders herum: Ist es nicht viel interessanter zu schauen, wie wir uns mit den neuen Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, auf ganz andere Weise mit uns und unserer Umwelt auseinandersetzen können? In diese Reihe von Möglichkeiten gehören für mich MOOCs.
    Ich will nicht beurteilen, ob es sich bei MOOCs um einen „revolutionären Ansatz für Universitäten“ handelt, wie Anja Lorenz überlegt. Und ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass MOOCs für jeden Lerner oder für jedes Thema die richtige Antwort sind. Eher das Gegenteil. Aber ich kann heute als Lehrender/ Studierender mit „zwei Klicks“ die Welt in meinen Seminarraum holen. Oder mit zwei Klicks mit meinen Studierenden an einem MOOC teilnehmen. Sind denn das keine Optionen?
    Gruß, Jochen

  5. Vorsicht Ironie (und nichts für Ungut): ja, die Idee, mehr Information anzubieten als ein Mensch verarbeiten kann ist absurd, genauso wie die Idee, authentische Kontexte in die Lehre einzubauen; ich kann mir auch keinen Kontext vorstellen, in dem die Fähigkeit zum Umgang mit Offenheit (Kommentar weiter oben) und Überfülle eine wichtige Kompetenz sein könnte; ach ja, dieses Internet vielleicht, da bin ich mir nicht sicher, ob das eine wichtige Rolle spielt 😉
    Gruß, Karsten

  6. Hallo Jochen,
    richtig – mein Beitrag ist ein Beitrag der Kategorie „Fundgrube“ und bezieht sich daher zunächst einmal ausschließlich auf den genannten Artikel und dessen Aussagen. Mein Beitrag ist also NICHT als einer zu sehen, der sich direkt auf MOOCs bezieht, sondern nur vermittelt über einen Text, den ich hier gewissermaßen besprochen habe.
    Gerne mache ich meine Überlegungen bzw. deren Stellenwert nochmal deutlicher: Meine Einschätzung bezieht sich erstes auf die Aussagen im Text; innerhalb dieser Aussagen bezieht sich mein Urteil dann tatsächlich auf die genannten „Merkmale“ wie auch „Herausforderungen“ (ohne dass ich bei einer Artikel-Besprechung dann im Einzelnen nachprüfe, ob man sich bei diesen Aussagen auch auf die wichtigsten relevanten Quellen bezogen hat). Und genau die sind für mich relativ typisch (daher nicht neu) für alle Versuche, Lernende über ein Angebot an Ressourcen, aktivierende Aufgaben und Anreize, die eigene Betroffenheit zu erhöhen, beim Erwerb von Wissen zu unterstützen. Als wirklich neu empfinde ich den Öffentlichkeitsaspekt. Für institutionalisiertes Lernen (und darauf habe ich mich ebenfalls primär bezogen) neu und eben schwierig ist die Tatsache, dass infolge der hohen Teilnehmerzahl allenfalls Peer-Feedback oder anderen Formen der Peer-Begleitung möglich sind (was die genannten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Prüfungen hervorruft). Dem Konnektivismus kann ich nach meinen Recherchen (das geht jetzt über den Artikel hinaus) keinen paradigmatischen Status zuerkennen (siehe: http://lernen-unibw.de/sites/default/files/studientext_dd_april11.pdf Punkt 5.1.5). Zudem habe im Kommentar 2 darauf hingewiesen, dass ich einen experimentellen Umgang mit Formaten wie MOOCs und anderen Formaten für sinnvoll halte (bin also ganz deiner Meinung, dass das eine Option ist bzw. sein sollte).
    Wir brauchen eine Vielzahl an Formaten und je nach Kontext muss es auch ein bildungswissenschaftliches Ziel sein, die Bedingungen für erfolgreiche Nutzungsformen zu erforschen – und das setzt ein reales Experimentieren voraus. Das Dumme ist ja immer nur (und die Kritik daran hat sich in meinen Blog-Post etwas reingemischt), dass es leider weit verbreitet ist, ein neues oder teilweise neues Format unkritisch zu preisen oder gar Dualismen aufzubauen und dann vermeintlich „gute“ gegen vermeintlich „schlechte“ Formen des Lehrens und Lernens gegeneinander auszuspielen (das gilt für E-Learning 2.0, für Micro-Blogging und eben auch für MOOCs). Optionen setzen Alternativen voraus und das verträgt sich nicht mit Heilslehren, die sich halt gerade auch im Technologiebereich rasch verbreiten (aber nicht zwingend verbreiten müssen).
    Gabi

  7. Hallo Gabi,
    ja, meine Rückmeldung schießt sicher über die von Dir geleistete Textbesprechung hinaus; aber die „Kennzeichen“ eines MOOC lasen sich so „komisch“, dass ich schnell noch einmal die Spur zurück verfolgt habe.
    Ansonsten: d’accord.
    Gruß, Jochen

  8. Hallo!
    Ganz kurz zwei Rueckmeldungen zum kreativen Wortschatz des Textes sowie eine sachliche Anmerkung:
    1. „Voalition“ Gemeint ist hier natuerlich Volition. Es liegt ein Tippfehler vor, der sich im Publikationsprozess eingeschlichen hat. Ich werde mal schauen, dass das korrigiert wird.
    2. „Kuration“: An diesem Ausdruck haenge ich, weil mir Begriff und Konzept im Kontext des MOOC begegnet sind und ich den Ausdruck sehr passend finde. Aehnlich wie ein Kurator in einem Museum, der entscheidet, welche Stuecke wie archiviert werden und wie aus einer Sammlung eine thematische Ausstellung wird, gilt es auch in Lehrveranstaltungen fuer die Produkte der Lehrens und Lernens Sorge zu tragen – gemeint ist hier nicht die Benotung, sondern die Dinge, die Dozenten und Studenten „mitnehmen“ – gelungende Arbeiten, Ideen, Sammlungen. Ich habe beispielsweise, wie vermutlich viele andere auch, ueber Jahre einige Unterlagen aus meinem Philosophiestudium aufgehoben – um dann letztlich doch einen verstaubten Ordner mit mittlerweile vergilbtem Text und kryptischen Mitschriften dem Altpapier zu uebergeben.
    Das ist vielleicht ein unnoetiger Anspruch an Dauerhaftigkeit, aber ich finde den Gedanken der Kuration, besonders innerhalb meiner eigenen persoenlichen Lernumgebung, durchaus eine spannende Herausforderung.
    3. „Ueberangebot als Methode“, das einen persoenlichen Informationsfilter als noetige Kurleistung der Teilnehmer begreift, ist ein aus meiner Sicht wesentlicher Zug von MOOCs – und keineswegs ein Produkt meiner Erfindung, sondern ein Disiderat aus der Kursbeschreibung (http://ple.elg.ca/plenk2010/?page_id=2).
    Die vier Aspekte „Aggregate, Remix, Repurpose und Feed Forward“, die ich in meinem Artikel aufgreife, werden auf der Kursbeschreibungsseite als zentral herausgestellt.
    Unter „Aggregate“ heisst es:
    „We will give you access to a wide variety of things to read, watch or play with. … You are NOT expected to read and watch everything. Even we, the facilitators, cannot do that. Instead, what you should do is PICK AND CHOOSE content that looks interesting to you and is appropriate for you. If it looks too complicated, don’t read it. If it looks boring, move on to the next item.“
    Das klingt dann doch etwas anders als in einer „normalen“ Lehrveranstaltung. Da habe ich als Lehrende zumindest den Anspruch des Ueberblicks und die Selektivitaet wird ueblicherweise ebenfalls von Dozentenseite gelenkt oder begleitet.
    Viele Gruesse,
    Stefanie

  9. Pingback: Merkmale eines MOOCs | Lernspielwiese

  10. Spannende Diskussion hier, aber m.E. zu stark auf institutionalisiertes Lernen bezogen. Für mich liegen die Vorteile eines offenen und verbundenen (connected) Lernens im Bereich des informellen Lernens, vor allem in der Weiterbildung. Wenn ich mich z.B. als Lehrer über Tendenzen im Bereich technology enhanced learning informieren will, ist das Angebot eines offenen Kurses über den Horizon Report vorzüglich. Ich kann dort Informationen abrufen als Anfänger/Lurker, kann als Fortgeschrittener an Diskussionen aktiv teilnehmen oder als Experte auch mal an das Mikrofon gehen. Ich kann lesend und/oder schreibend an Argumentationsprozessen teilnehmen/mitwirken. Ich lerne interessante Leute kennen, denen ich später bei twitter oder facebook oder google+ folgen kann. Mein Ziel ist es auch nicht, ein Zertifikat zu erwerben, ich möchte nur offen lernen, eben in der Web-Form, wie D. Weinberger sagen würde. Die offene Form muss auch kein neues Paradigma sein, aber sie ist ein spannendes Experiment, wie Volkmar Langer zum Connectivism sagt: ein Modell. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass Volkmar oder andere ernsthafte Diskutanten den Eindruck erweckt haben, „Heilslehren“ zu verbreiten. 🙂

  11. Hallo zusammen,
    da sieht man es mal wieder: Kaum lässt man ein paar provokativere Sätze einfließen, schon wird kommentiert 😉 Gut so!
    @Stefanie Panke: Da es so viel Wortneuschöpfungen gibt, war ich mir am Ende gar nicht mehr sicher, ob es vielleicht jemanden gibt, der tatsächlich eine „Voliation“ erfunden hat 🙂
    Die „Heilslehrer“ gibt es zwar übrigens überall, aber in Bezug auf Web 2.0 fallen mir da vor allem die englischsprachigen auf. Namen zu nennen, liegt mir aber fern …
    Wiederholen möchte ich mich jetzt nicht, was Experimente und institutionalisiertes Lernen betrifft – das steht ja schon in den Re-Kommentaren.
    Gabi

  12. Bzgl. Konnektivismus (Connectivism): auch ich kann am Konnektivismus keinen „paradigmatischen Mehrwert“ erkennen (der Abschnitt im Skript ist übrigens 4.1.5, S.103). Was mich aber richtig ärgert, ist, dass manche Protagonisten die Notwendigkeit ihrer(!) neuen Theorie aus einer (leicht belegbaren) Fehlinterpretation „des“ (ja, ich weiß, auch das ist problematisch) Konstruktivismus ableiten. Argumentiert man dann mit Autoren, wird man schon mal gefragt nach seinem Glauben(!) gefragt. Das passt nun allzu gut zur Metapher der „Heilslehrer“. Siehe bei Bedarf meinen Kommentar hier: http://halfanhour.blogspot.com/2007/02/what-connectivism-is.html?showComment=1331054410081#c3867782771893742261
    Mögliche Ursache sind auch problematische Übersetzungen („die“ Activity Theorie leidet an einer ähnlichen Problematik). Würde mann aber mal ein ganzes Kapitel lesen, oder gar eine Monographie, bevor einen neuer „Ismus“ ausgerufen wird, wären solche fundamentalen Missverständnisse zu vermeiden.

  13. Die Frage nach dem … Mehrwert in solchen Diskussionen empfinde ich immer als Versuch, etwas Neues, das man noch nicht einschätzen kann oder nicht ausprobieren möchte, abzublocken. Die MOOC-Bewegung fängt doch gerade erst an bzw. kommt doch gerade erst in Fahrt. Ich jedenfalls freue mich schon auf opco12, und Pierre Lévy (Tweet von heute) und andere freuen sich über den Aufschwung in Amerika: http://spotlight.macfound.org/blog/entry/the-history-and-future-of-moocs-and-the-new-open-education-week/ .

  14. Nachtrag:
    George Siemens: I’m generally pretty reluctant to compare MOOCs with what went before, and I’m generally pretty reluctant to suggest how MOOCs improve on the previous model, because what we’re trying to do with MOOCs is really something very different from what was attempted before. The best practices that previously existed, insofar as they were best practices at all, were best practices for doing something else.
    MOOCs don’t change the nature of the game; they’re playing a different game entirely.
    http://www.elearnspace.org/blog/2012/03/05/moocs-for-the-win/

  15. Mir ging es um die theoretische Fundierung des Konnektivismus. Keinesfalls habe ich etwas gegen Neues im Allgemeinen oder MOOC-Bewegungen im Besonderen.

  16. Pingback: The philosophy of MOOCs « Jenny Connected

  17. Das wäre auch ein Totschlag-Argument gegen Kritik im Prozess, wenn man kritischen Einschätzungen pauschal eine Blockadepolitik unterstellt. Ich denke, das ist hier nicht im Vordergrund!
    Gabi

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