Déjà-vu: Innovation ohne Forschung?

„Die DFG ermöglicht die Nutzung von KI in der Begutachtung. Die Bundesregierung plant indes kein Nachfolgeprogramm für ´KI in der Hochschulbildung´“ – heißt es bei Forschung und Lehre in einem Artikel (hier), der bereits kurz vor Weihnachten erschienen ist.

Der Beitrag berichtet zunächst über den Beschluss der DFG, dass nun nicht nur bei der Antragstellung, sondern künftig auch bei der Begutachtung unter bestimmten Voraussetzungen Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen kann – man darf auf diese Voraussetzungen gespannt sein. Angesichts der Allgegenwärtigkeit von KI in der Wissenschaft scheint der Schritt logisch; einige würden wohl sagen: er ist zwangsläufig. Ich persönlich bin nicht überzeugt, dass wir uns und der Wissenschaft mit diesem Schritt einen Gefallen tun, zumal (aus meiner Sicht) eine dauerhafte und systematische Folgenabschätzung solcher Schritte nach wie vor fehlt – was auch mit dem nächsten Punkt des Beitrags zu tun hat: mit dem Auslaufen der Bund-Länder-Initiative „KI in der Hochschulbildung“.

Dazu wird im Text eine Aussage der Bundesregierung referiert, der zufolge es nun Aufgabe der Länder sei, die Ergebnisse der geförderten Projekte des zu Ende gehenden Forschungsprogramms in die Praxis zu tragen. Zudem wird auf die „sonstigen KI-Fördermaßnahmen“ verwiesen: Genannt werden hier unter anderem das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) sowie die Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL). Bei der STiL, so der Text, gäbe es unterschiedliche Ausschreibungen zur Stärkung von Studium und Lehre. Nun sei aber doch die Frage gestellt: Das soll der Ersatz für die bisherige BMBF-Forschungsförderung zu KI in der Hochschulbildung sein? Es scheint sich immer noch nicht herumgesprochen zu haben, dass die STiL keine Forschung fördert – und das HDF ja wohl auch nicht.

Ich habe ein Déjà-vu: Es ist es mehr als 20 Jahre her, dass ich einen meiner ersten Artikel zu Design-Based Research (DBR) veröffentlicht und unter den Titel gesetzt habe: Innovation ohne Forschung? (siehe hier). Leider nämlich stellt sich diese Frage immer noch oder schon wieder und ganz besonders: Speziell KI in der Hochschulbildung wirft beständig neue Fragen auf, verlangt nach multiplen Erkenntniszugängen (siehe dazu den letzten Blogpost hier) und schreit geradezu nach einer ernsthaften KI-Folgenabschätzung – ein wirklich „guter“ Zeitpunkt für den Beschluss, eben solche Forschung nicht mehr zu fördern, sondern nur mehr praktisch ausgerichtete Entwicklungen, Tagungen und andere Initiativen. Diese mögen ja wichtig sein, aber: Sollen sie ernsthaft die Forschung ersetzen oder setzt man (wieder) auf Innovation ohne Forschung?

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