Stellen wir uns vor, ….

In der Hochschulbildungsforschung spielen philosophische Gedankenexperimente, so meine Beobachtung, keine oder eine allenfalls marginale Rolle. Nicht nur, aber unter anderem beim Thema KI in Studium und Lehre aber können diese aus meiner Sicht ein bemerkenswertes didaktisches und erkenntnisgenerierendes Potenzial entfalten. Ich beschäftige mich nun seit einiger Zeit mit gedankenexperimenteller Arbeit im Zusammenhang mit KI in der Hochschulbildung. Aktuell sind wieder zwei neue Texte verfügbar – eine methodologische Reflexion zu philosophischen Gedankenexperimenten als Impact Free-Artikel 71 (in der Annahme, dass das ohnehin keine Chance hat, in einer Zeitschrift angenommen zu werden) und ein neues Gedankenexperiment, das ich zusammen mit Alice Watanabe verfasst habe – und das gerade eben sogar in der Pädagogischen Rundschau erschienen ist. Hier die kleine Liste – chronologisch geordnet:

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Der stille Wandel im Beziehungsgefüge der akademischen Gemeinschaft

Ein Bericht zum Gedankenexperiment-Workshop „KI im akademischen Beziehungsgefüge – Rollenzuschreibungen & Implikationen“ auf dem University Future Festival 2026 des HFD
(Gabi Reinmann, Antje Michel & Nicolaus Wilder)

Wie verändert KI im Beziehungsgefüge der Hochschule Bildungsprozesse? Welche Rolle spielt dabei, wie wir über KI sprechen? Mit diesen Fragen haben wir uns in einem (zweistündigen) Online-Workshop im Rahmen des diesjährigen University:Future Festival am 24. Juni 2026 beschäftigt. Dieser Blog-Beitrag ist unser gemeinsamer Bericht. Mit diesem möchten wir einen Einblick in den Workshop geben, an dem ca. 25 Personen engagiert bis zum Schluss teilgenommen haben. Für die interessanten Beiträge aus den Gruppen und dem Plenum möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken. Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick über den einführenden Impuls und gehen – nach Absprache mit Personen, die teilgenommen haben – exemplarisch auf die Gruppenarbeit ein.

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Kapitulation oder Flucht nach vorn?

Der Einfluss von KI auf die Prüfungspraxis verursacht rechtliche, organisatorische, didaktische und fachliche Problem für alle Beteiligten. Aus der hochschuldidaktischen Beratung und aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen fallen mir aber auch ganz persönliche (psychische) Probleme bei Lehrpersonen auf, wie ich es im letzten Blogpost angedeutet habe: von Ratlosigkeit über Stresserleben bis zur Identitätskrise in der Rolle als Lehrperson an der Hochschule. Ich habe daraus fünf fiktionale Fallvignetten gemacht, die (vielleicht) zum Nachdenken und Diskutieren anregen können.

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Zwiespältige Situation

Es ist ein anachronistisches Nebeneinander: Einerseits wächst bei vielen Lehrpersonen die Ratlosigkeit bis hin zur Sinnkrise, wenn (was nicht immer, aber immer häufiger der Fall ist) zum Beispiel Studierende sorgfältig gestaltete Aufgaben nicht selbst bearbeiten, sondern an KI delegieren – und es macht sich das Gefühl breit, es seien keine langfristigen Lösungen in Sicht. Andererseits gibt es immer mehr Empfehlungen, Leitlinien, Task Forces, Netzwerke und Projekte, die sich mit KI in der Hochschulbildung beschäftigen. Fast schon wöchentlich trudeln auch bei mir Anfragen ein, ob ich zu KI in der Hochschulbildung nicht einen Vortrag oder Workshop anbieten oder mich an einer Diskussion beteiligen könnte – und das hat weniger mit mir als Person zu tun (diese Anfragen werden etliche andere auf diesem Feld Tätige bekommen), sondern damit, dass gerade ein hoher Aktivitätsgrad bei diesem Thema herrscht. Das ist auf der einen Seite gut so – wir müssen uns damit beschäftigen; auf der anderen Seite beobachte ich bei Lehrpersonen deutliche Grenzen der Belastbarkeit in einer Zeit, in der immer mehr gefordert wird, die von Meetings gepflastert ist und allerlei Events bereit hält ….

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Selbstentmächtigung

Einer KI geht es um nichts – so lautet der erste Teil des Titels eines Beitrags in der Zeitschrift für Kulturphilosophie von Thomas Fuchs, Matthias Jung und Magnus Schlette – letztes Jahr erschienen*. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag aufmerksam gemacht, der über ResearchGate auch online frei zugänglich ist. Im Kern geht es – und das ist der zweite Teil des Titels – um Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter.

* Fuchs, T., Jung, Matthias & Schlette, Magnus (2025). Einer KI geht es um nichts. Bildung und Verkörperung im digitalen Zeitalter. Zeitschrift für Kulturphilosophie, 1, 141-152.

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SoTL und KI – eine neue „Partnerschaft“?

Wer sich ein wenig in der wissenschaftlichen Literatur zu Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) auskennt, ist vielleicht der Namen Janice Miller-Young bekannt: Sie ist unter anderem eine der Autorinnen des Buchs SoTL Research Methodologies. Entsprechend neugierig war ich auf einen aktuellen Beitrag von Miller-Young und anderen, der im Titel eine Exploration des Potenzials generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in SoTL-Arbeiten ankündigt: Miller-Young, J., Hays, L. & McCollum, B. (2026). Exploring genAI’s potential contributions as a partner in SoTL research: The practice model. Teaching & Learning Inquiry, 14, 1-19.

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KI-Tools ringen nicht miteinander

In letzter Zeit stoße ich auf immer mehr Artikel zum Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Peer-Review-Prozess: zum Beispiel Texte mit Studien, die belegen, dass inzwischen viele Personen, die als Reviewer tätig sind, auf KI zurückgreifen z.B. (hier), wie auch Texte, die sich kritisch mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Akhil Bhardwaj von der University of Bath hat kürzlich auf dem Portal Times Higher Education hier einen Beitrag zu diesem Thema verfasst, der die zentralen Probleme für mich klar auf den Punkt bringt. Welche Aussagen und Argumente haben mich besonders überzeugt? Ich greife einige heraus und versuche, diese (auf meine Weise) zusammenzufassen.

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KI-Mogelei und eine (schon umgesetzte) Klarstellung

Letzte Woche hat mich ein Redakteur im Zuge einer Berichterstattung auf hessenschau.de zum unerlaubten KI-Einsatz bei Prüfungsleistungen kontaktiert. Anlass ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel, in dem die Bewertung zweier Prüfungsleistungen als „nicht bestanden“ wegen Täuschung durch KI bestätigt wurde. Der Beitrag ist jetzt hier online verfügbar. Mein Interview hatte ich – wie ich es vorsichtshalber immer mache – schriftlich gegeben. Tatsächlich war denn auch zunächst eine Aussage gegen Ende des Beitrags leider aus dem Zusammenhang gerissen: Mir war wichtig deutlich zu machen, dass es bei diesem Thema verschiedene Standpunkte gibt, und diese beispielsweise fachspezifisch ihre Berechtigung haben können. Zunächst las es sich so, als sei ich der Ansicht, man müsse gar nicht mehr ohne KI schreiben können. Nur zur Klarstellung ;-): Ich meine sehr wohl, dass man noch ohne KI schreiben können sollte. Kaum war der Blogbeitrag online, wurde das auch im Bericht auf hessenschau.de korrigiert. Danke! 🙂 Dennoch, wie gehabt, meine Antworten auf die gestellten Fragen (wie schon hier oder hier).

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Vertrackte Probleme

Iosif Gidiotis hat in der Zeitschrift Futures, kürzlich einen Text mit dem Titel Speculative futures of artificial intelligence in education: A causal layered analysis of education fiction publiziert. Der Beitrag stellt eine Studie vor, in der untersucht wird, wie Akteure an schwedischen Hochschulen Zukunftsszenarien für Künstliche Intelligenz (KI) im Bildungsbereich entwerfen. Knapp 70 Lehrende, Studierende und Forschende haben hierzu über eine Web-Plattform kurze spekulative Zukunftsszenarien eingereicht. Ein Szenario war jeweils begrenzt auf 80 bis 150 Wörter und konnte in beliebiger Sprache eingegeben werden.

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Maschinen lesen Menschen

Wenn es um generative Künstliche Intelligenz (KI) im Studium geht, steht das akademische Schreiben in der Regel im Mittelpunkt des Interesses. Weit weniger Aufmerksamkeit erfährt dagegen das Lesen, obschon auch dieses von KI auf vielfältige Weise beeinflusst wird. Ein inzwischen wohl allseits bekannter Effekt der Verfügbarkeit von KI dürfte das Abkürzen sein: Indem KI auf Knopfdruck Zusammenfassungen von Texten liefern kann, lassen sich – scheinbar – Lesezeiten beliebig verkürzen. Aber der Einfluss geht tiefer. Der Akt des Lesens selbst unterliegt einem Wandel, was zwar immer schon, also seit Beginn des Lesens in der Menschheitsgeschichte, zu beobachten ist, mit KI aber doch (auch hier) eine ganz eigene Qualität hat. In einem lesenswerten Text beschäftigt sich Birte Platow in der Ausgabe 5 von 2025 der Pädagogischen Rundschau mit diesem Thema und beleuchtet Unterschiede (und Gemeinsamkeiten) menschlichen und maschinellen Lesens sowie deren wechselseitige Beeinflussung. Der Beitrag: Platwo, B. (2025). Über künstliches Lesen, Lesekunst und die Kunst des Lesens. Pädagogische Rundschau, 5, 505-515. ist online zugänglich.

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