Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Pendelblick (6): (K)ein Scherz

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Diese Woche stand komplett unter dem Zeichen „Management“ – auf allen Ebenen. Drei Tage hintereinander gab es Diskussionen, Aufgaben und Beschlüsse (a) im Präsidium, (b) im Führungskräftekreis und (c) im sog. Erweiterten Managementkreis. Und für alles gibt es Abkürzungen – logisch: P-Sitzung, FKK 😉 und EMK. Nun war für mich persönlich EIN Thema besonders relevant, weil es mich bereits vor ziemlicher langer Zeit auch in meiner Habilitationsschrift beschäftigt hat – jedenfalls in einer speziellen Ausprägung: nämlich der Begriff der Arbeit bzw. Wissensarbeit.

Hintergrund für die Beschäftigung mit dem Begriff der Arbeit waren in dieser Woche ganz konkret: gesetzliche Arbeitszeit- und Pausenregelungen sowie Regelungen für Telearbeit und mobile Arbeit. Jedenfalls sind das Regeln und Vorgaben, die man als Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer wahrscheinlich für einen Scherz hält und so gar nicht einordnen kann. Daran schließt sich DIE entscheidende Frage an: Was ist denn nun Arbeit? Natürlich gibt es auch an Universitäten relativ eindeutige Situationen, in denen man Arbeit von anderen Tätigkeiten abgrenzen kann. Gemeinhin nimmt man an, dass Arbeitstätigkeiten in der Verwaltung leichter zu definieren sind als im akademischen Bereich. Aber es gibt zunehmend Arbeitsfelder, die man hier gar nicht mehr so eindeutig zuordnen kann. Ich gehe mal davon aus, dass das insbesondere für den in letzter Zeit häufiger thematisierten „third space“ gilt (siehe z.B. hier): Wie also geht man da mit Arbeitszeiterfassung, Pausenregelungen und Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit um?

Vor einigen Jahren, ich glaube, es war in Brand Eins, habe ich von angeblich besonders innovativen Unternehmen gelesen, die ausschließlich ergebnisorientiert arbeiten – also der Gegenpol zur Arbeitszeiterfassung. Nach dem, was ich in dieser Woche so alles gehört habe, müssten besonders innovative Organisationen demnach ständig mit einem Fuß im Gefängnis stehen. Und die Zeppelin-Universität (ZU)? Der Wunsch ist sehr groß, möglichst mitarbeiterfreundlich zu sein und vor allem individualisiert vorzugehen, ohne aber etwas Ungesetzliches zu tun. Das ist, wir mir nun klar geworden ist, wirklich richtig schwierig. Aber eine wertvolle Entscheidung ist ja schon mal die, keine elektronischen Stempelkarten einzuführen, wie das die meisten Verwaltungsmitarbeiter an anderen Unis ertragen müssen. Einmal mehr denke ich mir: Ein Glück, dass wir so viele nützliche Gesetze haben, wie schade, dass sie unter bestimmten Bedingungen zu so einer entsetzlichen Starrheit führen können.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Blog-Diskussion zum Thema „Work-Life-Balance“ (leider weiß ich nicht mehr, wo das war): Angemerkt wurde da, dass der Begriff „Work-Life-Balance“ suggeriere, Arbeit stehe in einem Gegensatz zum Leben und müsse daher ausgeglichen werden. Das erscheint unlogisch, aber selbst wenn man jetzt semantisch nicht so kleinlich ist, dürfte es auch in anderer Hinsicht gerade bei Wissensarbeit zumindest schwierig sein, Arbeit von Nicht-Arbeit abzugrenzen: Wo z.B. macht man die Grenzen zwischen Lernen und Arbeiten? Und kann Lernen nicht eine Form von Persönlichkeitsentwicklung sein, von der man selber mehr profitiert als der Arbeitgeber? Wo aber schlägt es in Ausbeutung um? Natürlich gibt es da noch zahlreiche andere Fragen.

Wo immer das möglich und sinnvoll ist, würde ich in diesem Zusammenhang das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen maximal ausdehnen wollen. Das heißt z.B. speziell für Mitarbeiter im „third space“, dass man aus meiner Sicht selbst entscheiden sollte, ob die verwaltungstechnischen oder akademischen Tätigkeiten Vorrang haben und ob man sich daher wohler mit oder ohne Zeiterfassung fühlt. Gegenseitiges Vertrauen dürfte bei beiden Lösungen, aber wohl nochmal mehr bei der zweiten Lösung erforderlich sein. Überhaupt ist Vertrauen beim Thema Arbeitszeit wahrscheinlich in beide Richtungen ein Faktor, den man gar nicht wichtig genug einschätzen kann.

Was bedeute „Pendelblick“? Siehe hier

2 Kommentare

  1. Nein, aber das passt ja ebenso gut. Danke 🙂
    Gabi

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