Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Interaktive Video-Kommentierung: genutzt und vermisst

| 2 Kommentare

Drei Dissertationen laufen derzeit bei uns am HUL innerhalb des DBR-Projekts SCoRe. Gestern haben wir ein synchrones Doktorandenkolloquium mit allen drei Doktoransen und Gästen abgehalten – natürlich kombiniert mit vorab zur Verfügung gestellter Videos, in denen die Drei den Stand ihrer Arbeiten in rund 20 Minuten präsentiert haben. Und nicht nur das: Die Videos wurde fünf Tage vor dem synchronen zweistündigen Termin verfügbar gemacht und im Vorfeld bereits umfänglich kommentiert und re-kommentiert. Möglich ist das mit einem interaktiven Videoplayer, den wir im Rahmen unseres SCoRe-Projekts verwenden können. Ich schätze diese Möglichkeit der Diskussion direkt am bzw. im Video sehr, die wir leider in der Lehre nicht nutzen können, weil ein solches Werkzeug unseren universitären Lernplattformen (wir nutzen OpenOLAT) nicht verfügbar ist.

Drei Dinge fand ich an unserem gestrigen Doktorandenkolloquium bemerkenswert: Zum einen war es ein großer Vorteil, dass allen Beteiligten das Projekt SCoRe bekannt war – ein sehr vielschichtiges Projekt, dessen Erklärung gegenüber Dritten immer schon viel Zeit in Anspruch nimmt, die wir uns in diesem Kreis sparen konnten – da blieb dann ausreichend Raum für die speziellen Inhalte der Doktoranden. Zum anderen konnten wir die beiden Stunden tatsächlich effektiv nutzen, weil alle Beteiligten sich die Zeit genommen hatten, die Videos genau anzusehen und auch zu kommentieren, und so in asynchroner Form bereits wichtige Punkte in den drei Präsentationen herausgearbeitet worden waren. Hier könnte man nochmal darüber nachdem, ob man diesen Prozess ein wenig steuern sollte oder eben genau nicht – da bin ich mir noch nicht ganz schlüssig. Schließlich kann man von der synchronen Sitzung sagen, dass eine solche mit der asynchronen Vorarbeit definitiv anders verläuft als ohne Vorab-Diskussion am/im Video. Zu wenig Gedanken hatte ich mir Vorfeld dazu gemacht, wie ich die jeweils 30 Minuten für jeden Doktoranden anleite: Wie nutzt man diese Zeit nun genau auf der Basis der teils noch offenen, teils schon beantworteten Fragen, der lose stehenden Kommentare und Kommentar-Stränge …? Ich denke, ein gutes künftiges Verfahren könnte darin bestehen, dass jede Referentin einen kurzen Überblick über die Diskussion zu ihrer Präsentation gibt – als Auftakt für die Besprechung dessen, was seitens der Referentin und der Diskutanten noch offen geblieben oder an Gedanken neu hinzugekommen ist. Das hieße aber dann doch für den asynchronen Teil, dass man z.B. eine Deadline definiert, bis wann kommentiert wird, damit Referenten noch eine Chance zur Zusammenfassung vor dem Videokonferenztermin haben.

Wenn man mal in dieser Form mit der video-integrierten (Re-)Kommentierung vorab bereitgestellter Präsentationen ein paar Mal gearbeitet hat (wir tun das ja schon länger – neben den offiziell verfügbaren Systemen und Werkzeugen an den verschiedenen Universitäten, an denen ich bisher war), dann vermisst man das sehr, wenn genau das nicht möglich (oder nur umständlich auf anderen Wegen realisierbar) ist. In der aktuellen Pandemie und Dauer-Online-Lehre wird das natürlich besonders deutlich … Ich gebe die Hoffnung trotzdem nicht auf, dass wir das irgendwann mal offiziell im normalen Lehrbetrieb nutzen können (ohne immer gleich zu hören, dass alles abzulehnen ist, was nicht Open Source ist – nicht jede Programmierung findet eben durch staatlich finanzierte Mitarbeiter statt, und ohne Einkauf von Software funktioniert meines Wissens sowieso keine Hochschule).

2 Kommentare

  1. Die großen LMS sind vor 10 oder 15 Jahren irgendwie stehen geblieben. OLAT ist da besonders schlimm, weil keine große Community dahinter steht. Für Videoannotationen fehlt bislang ein Datenstandard, so dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und keine Kompatibilität besteht.

  2. Sehe es bzgl. ungenutztem Potential der großen LMS im Bereich Social Video recht ähnlich, wie @Niels_Seidel. Umso mehr freut es mich, dass uns die ETH bei der Entwicklung des IVS Plugins für Moodle unterstützt hat (siehe https://www.eduhub.ch/export/sites/default/files/Interactive-Videos-IVS-ETH-2020.pdf + https://github.com/Ghostthinker/moodle-mod_ivs).

    Bzgl. Datenstandard bin ich etwas zurückhaltend. Auf der einen Seite existiert mit SMIL ein bereits geschaffener Standard (siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Synchronized_Multimedia_Integration_Language) auf der anderen Seite ist das Teilen von Videoinhalten oftmals eher eine Frage der Kultur als der Technik. Bisher unterstützt die IVS noch keinen Export der annotierten Videos als SMIL. Diese Möglichkeit wäre jedoch technisch relativ einfach machbar, wurde jedoch bisher noch nicht an uns herangetragen.

    Ich bin gespannt was passiert und davon überzeugt, dass wir mit Social Video etwas dazu beisteuern können 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.