Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Umschreiben, bis es passt

Unter „Online first“ ist nun seit kurzem mein Beitrag zu Design-Based Research-Standards im EDeR Journal hier veröffentlicht worden. Das Thema ist mir wichtig insbesondere im Kontext der Lehre zu Design-Based Research (DBR) inklusive DBR-Qualifikationsarbeiten. Der Text war von Anfang an als Einladung zur Diskussion gedacht. Umso mehr freut es mich, dass tatsächlich auch (mindestens) drei Diskussionsartikel zu diesem Text angekündigt sind, die hoffentlich bald erscheinen.

Als wir EDeR gegründet haben, hatte ich die Hoffnung, dass wir ein wenig weg kommen von den traditionellen Peer Reviews und stattdessen neue Wege gehen (siehe dazu auch hier). Dahinter steht ein Anliegen, das mich nach wie vor bewegt: Ich stelle immer wieder fest (natürlich kann man da unterschiedlicher Meinung sein), dass manche Gutachter zwei Dinge schlecht auseinanderhalten: Kritik an, ich sage mal, handwerklichen Fehlern, Aufdecken von nicht schlüssigen Argumentationen und Fehlern sowie Hinweise auf Verständnisschwierigkeiten einerseits und Kritik an Inhalten, Auswahl von Konstrukten, methodischen Entscheidungen etc. andererseits. Nicht selten habe ich schon Gutachten gelesen (zu eigenen Texten, aber auch im Rahmen von Peer Reviews, bei denen ich selber Gutachterin war), in denen das Zweitgenannte dominant wird.

Was aber ergibt das für einen Sinn? Soll man einen Text dann so lange umschreiben, bis er in den „Frame“ des Gutachters passt? Natürlich sind andere wissenschaftliche Meinungen interessant und auch diese Art von Kritik (im Sinne von: „Ich sehe das anders …“) ist wichtig und legitim: Das aber müsste als zweite (oder dritte) Meinung öffentlich sein und darf – so meine Auffassung – nicht zum Selektionskriterium werden. Die Idee bei EDeR war, genau dafür einen Raum zu geben, indem man (auch als Gutachter) einen Diskussionsartikel beisteuern kann. Im Sinne eines Triple Peer Review war also gedacht, dass eine Mentorin dabei hilft, handwerkliche Fehler schon vor der Einreichung möglichst klein zu halten, ein „klassischer“ Peer Reviewer dann nochmal prüft, ob der Beitrag ins Journal passt und inhaltlich in Ordnung ist, und Peers, die beim Gutachten oder Lesen nach dem Veröffentlichen inhaltliche Einwände haben oder andere Ansichten vertreten, dies dann öffentlich in einem Diskussionsartikel ausformulieren.

Leider wird das bisher kaum genutzt. Es scheint überaus schwer, festgetretene Pfade zu verlassen: Mal wird ins Feld geführt, dass man das blinde Doppel-Peer-Review halt zwingend brauche (weil es nun mal schon immer so ist), mal wird gesagt, dass die Idee hinter dem Triple Peer Review zu kompliziert sei und keiner es verstehe, mal spür ich einfach nur Widerwille, sich auf etwas anderes einzulassen. Jetzt, zum Thema DBR-Standards, wird es mal praktiziert und darüber freue ich mich sehr – und bin gespannt auf den weiteren Prozess.

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