Mit Beginn des Jahres 2026 wollen wir am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) die Aktivitäten mit und für Absolventinnen und Absolventen unseres Masterstudiengangs Higher Education verstärken. Dazu haben wir bereits eine Übersicht auf die Webseite gestellt, die zeigt, was wir uns diesbezüglich alles vorgenommen haben. Eine der Maßnahmen ist ein jährliches Alumni-Weekend zu Beginn des Jahres: ein interaktives Online-Themenangebot am Wochenende für Alumni – wahlweise auch offen für Studierende des MHE. Das erste Alumni-Weekend hat nun am vergangenen Samstag stattgefunden.
Wenn man so eine neue Initiative startet, ist freilich erst mal unklar: Interessiert das überhaupt jemanden? Wird es gähnende Leere im ZOOM-Raum oder doch ausreichenden Zulauf geben? Ich konnte mir im Vorfeld alles vorstellen. Tatsächlich haben 20 Personen (mich nicht mit ein geschlossen) den Weg in das Online-Angebot gefunden: über die Hälfte Alumni des MHE, die andere (kleinere) Hälfte aktuell Studierende, davon einige, die bald fertig werden. Das Thema war KI in der Lehre, und es war Dominikus Herzberg, der sich bereit erklärt hatte, einen Impuls aus seiner Erfahrung beizusteuern. Unter dem Titel „KI in der Lehre: Was passiert da gerade im Hörsaal?“ hat er uns erzählt, was er als Informatikprofessor an einer HAW gerade erlebt. Im Vergleich zur Zeit vor KI sei doch einiges „signifikant anders“: Studierende stellen viele Fragen, die sie sonst an ihn oder an Tutorinnen und Tutoren gestellt haben, nun an die KI, nutzen diese für Erklärungen und für die Bearbeitung von Aufgaben. Die Folge – in Stichworten ausgedrückt: Verstummung, Vereinzelung, Cognitive Offloading, Deskilling. Das gelte vor allem für Studierende am Studienanfang. Studierende in höheren Semestern, die KI ganz offiziell verwenden, seien reflektierter, würden aber ihrerseits von Erfahrungen berichten, die sich für sie seltsam anfühlen: Das vormals Einheitliche in der Lernerfahrung fällt auseinander, das Gemeinschaftliche im Hörsaal schwindet, ein (unnötiges) Gefühl, zu schummeln, stellt sich ein. Dominikus berichtete weiter, wie er mit diesen Phänomenen umgeht: Er überzeugt Studierende in unteren Semestern, sich auf KI-freie Zonen einzulassen – eine Strategie, die aufzugehen scheint.
In der Gruppe, die sich zum Alumni-Weekend versammelt hat, sind viele verschiedene Disziplinen und Fächer vertreten -ein Spiegelbild der heterogen zusammengesetzten Studierendenschaft des MHE. Einige bestätigen rasch die Erfahrungen aus der Informatik, andere stellen fest, dass in ihrem Fach (z.B. soziale Arbeit) eher andere Probleme relevant sind. Unterschiedlich sind auch die berichteten Reaktionen (eigene oder beobachtete) aus verschiedenen Fächern auf die Tatsache, dass sich Studierende auf vielfältige Weise der verfügbaren KI-Systeme bedienen. Sukzessive werden weitere Erlebnisse mit KI in der Lehre ergänzt: So teilen etwa mehrere Anwesende die Erfahrung, dass Studierende, die aufgefordert sind, ihr eigenes Handeln etwa in Praktika oder Projekten zu reflektieren, eben diese Reflexionsarbeit an KI delegieren – eine geradezu absurd wirkende Entscheidung. Warum machen Studierende so etwas? Was steckt dahinter? Gründe, die sowohl in Studien als auch aus der Praxis bekannt sind: Studierende haben zu wenig Zeit für Reflexion, sie sehen keinen Gewinn für sich in dieser Aufgabe, sie wollen es einfach erledigt haben, weil es Pflicht ist.
Die Gründe hinter solchen Motiven wiederum, so stellten wir schnell fest, haben in diesem Beispiel (Reflexion) und vermutlich auch in anderen, nicht zwingend etwas mit KI zu tun: Es gelingt an der Hochschule offenbar immer weniger, Studierende von der Relevanz der Inhalte und Ziele eines Studiums zu überzeugen; es herrscht eine gewisse Unlust, gegen die wir an Hochschulen keine wirksamen Strategien parat haben; Bildung hat ihren Selbstzweck verloren, ist funktionsgebunden. Kurz: KI macht offenbar Dysfunktionalitäten sichtbar, die es schon lange vor der Veröffentlichung von ChatGPT gegeben hat.
Ich fand die Diskussion am samstäglichen Spätnachmittag anregend. Zudem habe ich mich gefreut, eine ganze Reihe von Absolventinnen und Absolventen des MHE mal wieder gesehen und gesprochen zu haben. Schön fand ich auch, dass sich einige aktuell (noch) Studierende ebenfalls angeschlossen und die Möglichkeit wahrgenommen haben, mitzubekommen, was Alumni des MHE so machen. Ich hoffe natürlich, dass alle Anwesenden etwas mitgenommen haben, vielleicht den einen oder anderen Kontakt wieder aufnehmen oder neu knüpfen.
Die nächste Möglichkeit eines Zusammentreffens – und zwar live und ohne Kamera – gibt es am MHE-Präsenz-Event am 19. Juni 2026 bzw. auch schon am Tag zuvor bei „Alumni-Theses“ in Hamburg.