„Glückwunsch! Sie sind in der Führungsetage der Hochschule oder der Fakultät angekommen und freuen sich auf die Arbeit. Sie haben einen Masterplan in der Tasche und müssen jetzt eigentlich nur noch die Professorenschaft überzeugen. Nur? Eine kurze Anleitung zum Umgang mit Profs“ – so beginnt ein Beitrag in der duz von Klaus Arnold – Kommunikationswissenschaftler an der Uni Trier. Es ist eine kleine Satire für „Präsidenten und Dekane“, aber wer es als Professor/in liest, wird schmunzeln und zugeben, den einen oder anderen Typus zu kennen … Was alle (Typen) nach Ansicht von Arnold eint, ist, dass sie – und das ist gut so, wie ich finde – ziemlich autonom sind: „An der Universität ist es ein bisschen so wie im Heiligen Römischen Reich. Der Kaiser ist schwach und muss mit zahlreichen Kurfürsten und kleinen Königen klarkommen“. Unter diesen kleinen Königen sind
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Auseinandersetzung statt Pseudoharmonie
Design-based Research – Educational Design Research – entwicklungsorientierte Bildungsforschung – gestaltungsorientierte Forschung … inzwischen sind nicht nur die Bezeichnungen vielfältig, sondern auch die Quellen werden vielfältiger, wenn es darum geht, im Kontext der bildungswissenschaftlichen Forschung dem Akt der Entwicklung (gemeint als Entwurf, Konstruktion, Gestaltung) einen geeigneten Platz im Prozess und in der Zielsetzung von Bildungsforschung zu geben. In dem Zusammenhang möchte ich auf drei solcher neueren Quellen hinweisen.
Kürzlich ist das Beiheft zu Design-based Research der Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik erschienen (Info hier) – herausgegeben von Dieter Euler und Peter Sloane. Das Heft ist aus meiner Sicht eine gelungen Mischung aus theoretischen Beiträgen und solchen, die Forschungsbeispiele liefern. Enttäuschend finde ich allein den Text von McKenney und Reeves, da dieser vorrangig eine Auskopplung aus ihrem Buch von 2012 ist und entsprechend kaum neue Inforationen anbietet.
Des Weiteren sind mir zwei kurze Einführungen in das Thema Design-Based Research aufgefallen – eine deutsch- und eine englischsprachige. Ich möchte darauf verweisen, weil solche Einführungen aus meiner Sicht ein Anzeichen dafür sind, dass man diesen Ansatz nun auch Nachwuchswissenschaftlern nahebringen bzw. diese dazu ermutigen will, bei eigenen Arbeiten auch Design-Based Research in Erwägung zu ziehen. Beide Texte sind online zugänglich.
Nicht zu Ende gedacht
Im Urlaub (viel zu kurz dieses Jahr und bereits gefühlte Monate zurückliegend) habe ich einen interessanten Artikel von Michael Potter gelesen:
Potter, M.K. (2013). Constructivism in the Shadow of a Dead God. International Journal for the Scholarship of Teaching and Learning, 7 (1), online hier zugänglich.
Es ist nicht ganz einfach, die Kernbotschaft dieses Beitrags zusammenzufassen, aber ich versuche es mal:
Bullshit
Leider habe ich das Problem, dass ich vieles von dem, was ich so lese, unglaublich schnell wieder vergesse. Immerhin erinnere ich mich manchmal dunkel daran, etwas gelesen zu haben, was im Moment für mich oder meine Arbeit bedeutsam sein könnte – aber dann muss ich es suchen und nachlesen. So ist es mir in der letzten Zeit ein paar Mal ergangen: Ich erinnerte mich an den amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt und an seine beiden Essays „Bullshit“ und „Über die Wahrheit“ – und lese nach. Mal ganz unabhängig von meinem persönlichen Anlass für diese Erinnerung bietet unsere Gesellschaft, so meine ich, für jeden Anker genug, um vielleicht mit den folgenden Zitaten etwas anfangen zu können bzw. seine eigenen Anschauungsbeispiele zu finden. Daher im Folgenden – unkommentiert – zwei längere Zitate aus den beiden Essays zum Nachdenken.
Den Anforderungen an eine Professur nicht gewachsen
„Forschendes Lernen im Studium“ – das Buch mit diesem Obertitel, herausgegeben von Ludwig Huber, Julia Hellmer und Friederike Schneider, ist bereits fünf Jahre alt (erschienen 2009 im UniversitätsVerlagWebler Bielefeld). Ich hatte mich damals sehr gefreut, einen Beitrag beisteuern zu dürfen, nämlich den Text „Wie praktisch ist die Universität? Vom situierten zum Forschenden Lernen mit digitalen Medien“. Nun habe ich das Buch wieder mal in der Hand gehabt und nochmal den Beitrag von Stefan Kühl gelesen. Der Titel lautet: „Forschendes Lernen und Wissenschaftsbetrieb. Zur Erfahrung mit einem soziologischen Lehrforschungsprojekt“ (S. 99-113). Ich möchte auf diesen noch einmal aufmerksam machen, weil er aus meiner Sicht sehr gut auf ein paar grundlegende Probleme aufmerksam macht, die aufwändige didaktische Szenarien in der Hochschullehre mit sich bringen – und dazu zählt auch das forschende Lernen im Sinne der Integration von Forschungsprojekten in die Lehre.
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Irgendwer muss die Kosten tragen
In der Zeitschrift „Wirtschaft & Beruf“ hat Jochen Robes einen Beitrag mit dem Titel „Massive Open Online Courses (MOOCs): Zum Stand der Dinge“ (hier online abzurufen) verfasst. Darin skizziert er unter anderem die Entwicklung bei Udacity und beschreibt, dass und warum das neue Geschäftsmodell vorsieht, doch nur noch Materialien, also Videos und Quizzes, frei (und damit einer „Masse“ „online“) zugänglich zu machen. Echte Kurserfahrung, persönliche Betreuung und Zertifizierung dagegen kosten nun etwas. Verwunderlich ist das sicher nicht! Ich habe mich beim Lesen des Artikels daran erinnert, dass ich Anfang 2012 auf der Veranstaltung „Studium 2020“ in Berlin die Frage aufgegriffen habe: „Studierende betreuen: Wie angemessen sind die Erwartungen an digitale Medien“? Vortragsfolien und Text sind hier online.
Meine Erkenntnis damals war: Das Potenzial digitaler Medien ist riesig, wenn es darum geht, Inhalte aufzubereiten und zu distribuieren (Vermittlungsaspekt), es ist vielfältig, aber nur eingeschränkt „massentauglich“, wenn es um die Gestaltung von Aufgaben geht (Aktivierungsaspekt) und es ist anders gelagert und in Bezug auf Effizienz rasch erschöpft, wenn es um die Betreuung von Studierenden in ihrem Lernprozess geht. Das war noch VOR dem großen MOOC-Hype (jedenfalls in Deutschland). Vielleicht hätte mich Herr Thrun mal fragen sollen 😉 Aber im Ernst: Es ist ja genau genommen völlig klar, dass eine enge Begleitung von Lernenden enorm viele Ressourcen erfordert und dass die dabei entstehenden Kosten irgendwer tragen muss. Eine ganz andere Frage ist, was mit Inhalten passiert, die bereits – insbesondere an staatlichen Universitäten – bezahlt worden sind und durch Öffnung einen potenziellen Beitrag zur Bildung interessierter Bürger leisten.
Sich selbst beforschen
Ich muss zugeben, dass mir bisher die „Gesellschaft für Hochschulforschung“ nicht sonderlich präsent war. Nun hat mich Sandra auf eine „Bestandsaufnahme der hochschulforschenden Einrichtungen“, verfasst von Martin Winter und René Krempkow, aufmerksam gemacht – erfreulicherweise online zugänglich hier (erschienen bereits im Dezember 2013). Das Dokument hat mich vor allem vor dem Hintergrund der Frage interessiert, wie Hochschuldidaktik und Hochschulforschung zueinander stehen. Die knapp 90 Seiten sind in jedem Fall für all diejenigen lesenswert, die sich hin und wieder fragen, warum es eigentlich so schwer ist, Hochschuldidaktik auch als ein Fach und einen Zweig der Forschung und nicht nur als Service zu verstehen und in welche große Disziplin die Hochschuldidaktik unter dieser Perspektive eigentlich gehört. Meine eigene Auffassung ist die, dass die Hochschuldidaktik zur Erziehungswissenschaft gehört, wobei mir persönlich lieber wäre, am würde angesichts der Schwierigkeit des Erziehungsbegriffs eher von Bildungswissenschaft sprechen – auch wenn das andere Probleme mit sich bringt. Zusammen mit einigen Kollegen/innen arbeiten wir gerade daran, Argumente zu sammeln, um die Relevanz der Hochschuldidaktik als eigenständiges Theorie-, Empirie- und Praxisfeld in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) aufzuzeigen. Aber zurück zur besagten Bestandsaufnahme.
Arbeitsmarktpolitische Problemgruppen durch Hochschulbildung?
„Studium nach Bologna: Praxisbezüge stärken?!“ so lautet der Titel eines Buches von W. Schubarth, K. Speck, A. Seidel, C. Gottmann, C. Kamm & M. Krohn, 2012 erschienen. Ich bin also schon zwei Jahre „zu spät“ dran, aber, wie ich jetzt auch noch einmal in diesem Bch gelernt habe: Die Themen Praxis und Praxisbezug im Studium sind ohnehin ein Klassiker – also kein neues Bologna-Phänomen, sondern eine „alte Debatte“ (S. 24). Die meisten Beiträge des Bandes – so ist es der Einleitung zu entnehmen – entstammen aus der Abschlusstagung des Projekts ProPrax an der Universität Potsdam. Der Band vereint Texte mit empirischem Gehalt zu Praxisphasen im Studium mit Texten, die Praxisphasen aus der Perspektive verschiedener Akteure beleuchten, und Texten, die Entwicklungsperspektiven für Hochschulen aufzeigen, wenn es um die „Praxis“ im Studium geht.
Das Thema ist nicht nur aktuell, sondern höchst relevant: Studierende in fast allen Studiengängen scheinen mit dem Praxisbezug nicht ausreichend oder gar nicht zufrieden zu sein. Gleichzeitig hat wohl jeder Hochschullehrer bereits die Erfahrung gemacht, dass das, was Studierende (wie auch die Kollegen) unter Praxis und Praxisbezug im Studium verstehen, höchst unterschiedlich ist. Mehrere im Buch zitierte Studien liefern die empirische Belege für diesen Eindruck: Praxis und Praxisbezug sind mehrdimensionale Phänomene.
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Aufgeklärte Fremdbestimmung auf Zeit
François Bry hat einen interessanten Blog-Beitrag (hier) zum Thema „Verschulung“ an der Universität geschrieben. Grundlage ist keine eigene Erfahrung, sondern ein Buch von Dan Ariely, in dem er über ein Experiment in der Hochschullehre berichtet. Verglichen hat Ariely die Effekte von drei Bedingungen für Abgabefristen von drei schriftlichen Ausarbeitungen: (a) eine Einreichungsfrist (vom Dozenten festgelegt) für alle drei Leistungen am Ende des Semesters, (b) eine von Studierenden selbst festgelegt Einreichungsfrist für alle drei Leistungen, (c) vom Dozenten festgelegte verteilte Fristen für die drei Leistungen über das Semester. Das Ergebnis?
Ich hab keine Ahnung, machs aber trotzdem
Wer kennt das nicht: Man schreibt einen Artikel (oder auch einen Antrag) und bekommt ein Feedback von zwei oder gar drei Gutachter/innen und fühlt sich nach dem Lesen der Gutachten missverstanden, falsch beurteilt, unnötig in eine bestimmte Richtung abgestempelt etc. Gut, manchmal ist es „nur“ der normale Ärger, den fast jeden befällt, wenn Kritik zu heftig oder umfangreich ausfällt. Manchmal zeigt einem der zweite Blick am nächsten Tag, dass Kritikpunkte gerechtfertigt sind, dass der Beitrag noch nicht „reif“ war oder dass es keine Passung gab zwischen den wissenschaftlichen Auffassungen des Autors und des Gutachters. Manchmal ist man aber einfach nur fassungslos (und darüber habe ich in diesem Blog auch schon öfter relativ ehrlich berichtet): Genau so ist es gerade Peter Baumgartner ergangen, der hier ausführlich über seine Erfahrungen bei der Begutachtung eines Textes zum Musteransatz in der Didaktik im Kontext der Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) berichtet. Grund für den Ärger ist, dass das „Peer Review“ (double blind) keine Peers zusammenbringt, sondern dass Gutachter in die Lage kommen (bzw. sich bringen lassen), zu sagen: „Ich hab keine Ahnung, machs aber trotzdem“.