KI-Mogelei und eine (schon umgesetzte) Klarstellung

Letzte Woche hat mich ein Redakteur im Zuge einer Berichterstattung auf hessenschau.de zum unerlaubten KI-Einsatz bei Prüfungsleistungen kontaktiert. Anlass ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel, in dem die Bewertung zweier Prüfungsleistungen als „nicht bestanden“ wegen Täuschung durch KI bestätigt wurde. Der Beitrag ist jetzt hier online verfügbar. Mein Interview hatte ich – wie ich es vorsichtshalber immer mache – schriftlich gegeben. Tatsächlich war denn auch zunächst eine Aussage gegen Ende des Beitrags leider aus dem Zusammenhang gerissen: Mir war wichtig deutlich zu machen, dass es bei diesem Thema verschiedene Standpunkte gibt, und diese beispielsweise fachspezifisch ihre Berechtigung haben können. Zunächst las es sich so, als sei ich der Ansicht, man müsse gar nicht mehr ohne KI schreiben können. Nur zur Klarstellung ;-): Ich meine sehr wohl, dass man noch ohne KI schreiben können sollte. Kaum war der Blogbeitrag online, wurde das auch im Bericht auf hessenschau.de korrigiert. Danke! 🙂 Dennoch, wie gehabt, meine Antworten auf die gestellten Fragen (wie schon hier oder hier).

Schützen sich die Hochschulen genügend vor KI-Mogelei in Abschlussarbeiten?

Muss sich eine Hochschule vor Mogelei schützen wie vor einem Hackerangriff? Die Frage klingt danach; sie stellt Studierende implizit unter Generalverdacht und macht sie zum Gegner der Hochschule wie feindlich gesinnte Hacker. Davon halte ich nicht viel. Im Übrigen ist Mogelei kein neues Phänomen, und wie damit zu verfahren ist, steht in jeder Prüfungsordnung.

Müssen sich Abschlussarbeiten in Zeiten von KI ändern?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal für alle Studiengänge beantworten. Entscheidend ist, was Studierende in einer Abschlussarbeit zeigen soll: Das dürfte in der Physik, Informatik oder Medizin etwas anderes sein als in der Soziologie, Literaturwissenschaft oder Lehrerbildung. Anpassungsvorschläge, die bereits gemacht werden, variieren entsprechend, und das ist sinnvoll so. Zudem findet KI heute als Inhalt Eingang in viele Curricula und auch darauf muss man reagieren. Schließlich ist die Prüfungskultur an deutschen Hochschulen insgesamt verbesserungsbedürftig – unabhängig von KI. Es sagt etwas über Hochschulen aus, wenn allein Mogelei zum Anlass wird, darüber nachzudenken.

Woran erkennen Sie KI-Mogelei?

Es gibt keine verlässlichen Möglichkeiten zu identifizieren, ob ein Text KI-generiert ist, mit KI-Unterstützung verfasst oder von einem Menschen allein geschrieben wurde. Allenfalls, wenn eine Person keine Ahnung vom behandelten Thema hat und zugleich wenig kompetent im Umgang mit KI-Systemen ist, lässt sich ein KI-Output also solcher in der Regel gut erkennen. Zudem mag es fachwissenschaftlich unterschiedliche Marker für den KI-Einsatz geben. Aber darüber hinaus wird es schwierig.

Ab wann fängt der Einsatz von KI bei Ihnen an zur Mogelei zu werden?

Es ist schlecht, wenn jede Lehrperson diese Frage individuell beantwortet. Aber genau das ist vermutlich Teil des Problems. Viele Studierende sind selbst verunsichert, was unter KI-Mogelei fällt: schon die KI-Antwort, die einem die Google-Suche ungefragt als erstes serviert, die Arbeit mit KI-Zusammenfassungen längerer Texte oder die Übernahme einer KI-produzierten Idee für die Gliederung? Vielerorts ist die Nutzung für bestimmte Tätigkeiten im Prozess des Recherchierens, Strukturierens, Ideen-Findens, Korrigierens, Übersetzens etc. auch schon erlaubt und muss „nur“ dokumentiert werden. Ob diese Dokumentation dann dem entspricht, wie tatsächlich gearbeitet wurde, bleibt offen. Wie das zu bewerten ist, darüber herrscht auch an Hochschulen keineswegs Einigkeit: Wenn Mensch und Maschine in der Arbeitswelt ohnehin zu „Teams“ verschmelzen – wozu dann noch einen Text ohne KI schreiben (lernen)? Daher sind die einen für die Abschaffung der Abschlussarbeit, während andere das vehement ablehnen – und beide Seiten können ihre Gründe anführen.

Haben Sie auch schon Studierende wegen KI-Mogelei durch eine Abschlussarbeit fallen lassen?

Nein, aber in unserem Studiengang (Master Higher Education) ist sind die Themen KI, Lehren und Lernen Teil des Curriculums und daher ein häufiger Diskussionsgegenstand. Zudem ist unser Studiengang klein und wir kennen unsere Studierenden persönlich. Allein schon diese beiden Punkte verändern die Situation mit KI im Kontext der Hochschullehre fundamental. Ich sage es mal so: KI macht im Brennglas deutlich, wo unsere eigentlichen Probleme liegen, nämlich in Massenstudiengängen, Anonymität, einem Mangel an sozialem Austausch generell und über KI speziell sowie darin, dass Sinn und Zweck einer akademischen Bildung verloren zu gehen scheinen.

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