Widerstand leisten

Schon lange hatte ich auf ein wissenschaftsdidaktisches Gespräch mit Judith Simon gehofft – noch kurz vor Weihnachten hat es dann geklappt. Die PodCast-Episode unter dem Titel Verführung zur Reibungslosigkeit? KI in der Hochschulbildung ist nun online. Das Gespräch widmet sich etwas breiter den Auswirkungen von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) auf Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft. Ähnlich wie Helga Nowtony (siehe dazu einen meiner letzten Blogbeiträge hier) setzt Judith unter anderem auf den Begriff der Reibungslosigkeit, um problematische Folgen des KI-Einsatzes auch an der Hochschule zu reflektieren: KI macht Interaktionen und Prozesse smart, einfach, schnell, effizient – ohne Reibung eben und mit dem Versprechen, Aufwand zu minimieren. Wer dazu auch an einem Vortrag Interesse hat, kann zum Beispiel hier reinhören (vom Juni 2025).

Die Folgen der ubiquitären und intensiven KI-Nutzung für die Hochschulbildung und den Wissenschaftsbetrieb sind nach Einschätzung von Judith Simon gravierend. Sie macht es – unter anderem – an einem anschaulichen Beispiel fest, nämlich an der eigenen Erfahrung als Herausgeberin und Gutachterin im Zeitschriftenwesen: Hier sei die Arbeitsbelastung extrem gestiegen; man müsse inzwischen viel Zeit aufwenden, um herauszufiltern, was offenbar mit KI geschrieben, aber schlecht kontrolliert wurde – „schlampige“ Arbeit also, die dazu führt, dass eine Herausgeberin mehr Energie ins Lesen stecken muss als die Autoren vermutlich ins Schreiben investieren müssen. Das sei zwar erklärbar, denn: Der Druck, immer mehr zu publizieren, wachse mit KI noch mehr als es schon der Fall war vor KI; und die Möglichkeiten, hier Widerstand zu leisten, sich also dieser Dynamik zu entziehen, sind ungleich verteilt. Doch darüber müsse man unbedingt sprechen und vor allem die, die es sich leisten könnten, Widerstand zu leisten, müssten dies an sich tun.

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