Neu erfinden oder fündig werden?

Kürzlich habe ich (hier) auf den „Bericht des Vorsitzenden des Wissenschaftsrats zu aktuellen Tendenzen im Wissenschaftssystem“ vom Oktober 2015 hingewiesen. Manfred Prenzel plädiert hier für „institutionelle Strategien zur Verbesserung der Lehre an Hochschulen“. Beim Lesen habe ich mir gedacht, dass ich das kenne – aus einer Schrift von Karl-Heinz Flechsig aus den 1970er Jahren, in denen vieles bereits vorgedacht und wieder verschüttgegangen zu sein scheint. Ich hatte dazu mal vor längerem für mich eine Zusammenfassung gemacht – und die habe ich wieder herausgekramt und ein wenig aktualisiert. Gerne stelle ich den Zwei-Seiter mit dem Motto online, dass man tatsächlich nicht immer wieder alles neu erfinden muss, sondern bisweilen auch in der Vergangenheit fündig wird, was sich weiterzuentwickeln lässt.

Man muss nicht alles neu erfinden

Was hat er gleich gesagt?

Ende November – das heißt in Hamburg: Zeit für die Campus Innovation, die vielen, die sich mit Lehrens, Lernens und Verwalten mit digitalen Medien beschäftigen, auch außerhalb Hamburgs ein Begriff sein dürfte. Letztes Jahr war ich als externe Rednerin geladen (siehe hier), heute durfte ich als „Interne“ einen Track im Rahmen des Konferenztags „Studium und Lehre“ moderieren. Morgen folgt der zweite Tage (siehe hier)

Nach diversen Grußworten wurde zu Beginn ein weit gereister Gast als erster Keynote-Sprecher begrüßt: Johannes Heinlein, Vizepräsident für strategische Partnerschaften und Mitglied des Vorstands, edX. Sein Thema: „Die Digitalisierung der Hochschulbildung – Globale Trends, Herausforderungen & Chancen (für das deutsche Hochschulsystem?)“.

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Die Schule als Modell!?

Neuerdings legen uns Artikel aus der Feder von Mitgliedern des Wissenschaftsrates insbesondere in der ZEIT dringend nahe, dass wir bei der Verbesserung der Hochschullehre von der Schule lernen sollten. Den Anfang machte Volker Meyer-Guckel bereits im April 2015 (hier) mit der Aufforderung, Verschulung nicht immer nur negativ zu sehen, sondern eher mal die Schule als Vorbild zu nehmen. So sollte man z.B. Lehrende auf ihre Aufgaben systematisch vorbereiten und regelmäßig fortbilden – wogegen wirklich gar nichts einzuwenden wäre, würde das nicht auch gepaart sein mit pauschalen Feststellungen über Unwille und Unfähigkeit von Hochschullehrenden, sich für die Lehre zu engagieren. Und nun Manfred Prenzel (hier): Von der Schule zu lernen, bedeutet für ihn, sich an gutem Unterricht in der Schule zu orientieren. Nun mag auch das in Grenzen eine Bereicherung sein, wenn man sich gelingendes Lehren und Lernen in verschiedenen Bildungskontexten also auch in Schulen, anschaut, um Impulse für die Hochschullehre zu gewinnen. Die Grenzen aber sind schnell erreicht, wenn man Ziele, Zielgruppen und Gegenstände der Schul- und Hochschulbildung miteinander vergleicht. Dass ausgerechnet der WISSENSCHAFTsrat so leichtfüßig über diese Unterschiede hinwegzugehen scheint, verwundert doch schon.

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Weil es schon so lange her ist …

… möchte ich noch einmal an den Call für das „Jahrbuch Allgemeine Didaktik“ erinnern, auf den ich vor über sieben Monaten (hier) aufmerksam gemacht hatte. Jetzt naht die Deadline. Wer also noch etwas zur Hochschuldidaktik unter dem Dach der Allgemeinen Didaktik beitragen möchte, muss sich jetzt langsam an die Arbeit machen :-).

CfP_Jahrbuch allgemeine Didaktik_2016_final

Wissenschaftliche Leitung: Alles klar?

Der Qualitätspakt Lehre (siehe hier) geht Ende 2016/Anfang 2017 in die zweite Förderrunde bis 2020. Wer dabei ist, steht inzwischen fest: Auch die Universität Hamburg darf sich über eine weitere Förderung des Universitätskollegs freuen. Diese Nachricht kam pünktlich kurz vor der vierten Jahrestagung des UK (siehe hier).

Seit Oktober 2015 nun habe ich die „wissenschaftliche Leitung“ des Universitätskollegs inne. Aktuell befinden wir uns noch in der ersten Förderrunde; in gut einem Jahr startet dann die zweite.

Das Universitätskolleg ist komplex. Es bildet, so die Selbstbeschreibung, „den konzeptionellen, institutionellen und operativen Rahmen für Initiativen, die die zentrale Bildungspassage zwischen Schule oder Beruf und Universität gestalten und die Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Studium betreffen“. In der zweiten Förderphase nun soll dies erweitert werden auf andere Phasen des Studiums. Beibehalten wird, dass das Universitätskolleg sowohl fakultätsspezifische als auch fakultätsübergreifende Projekte und Aktivitäten bündelt, mit dem Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität (untergliedert in mehrere Teams, zu denen eines für Studium und Lehre gehört) zusammenarbeitet und zudem mit unserem Zentrum (das HUL) Kooperationen hat.

Nun schwirrt mir vor lauter Leitung schon der Kopf: Während weitgehend klar ist, was es bedeutet, ein Zentrum zu leiten (was NICHT heißt, dass das einfach ist), und einigermaßen klar sein dürfte, was es heißt, ein Team zu leiten (wie im KNU), frage ich mich, wem eigentlich so richtig klar ist, was genau eine „wissenschaftliche Leitung“ großer Vorhaben (wie das UK) macht und verantwortet.

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Noch etwas dünn

Wie wird aus Design-Based Research (DBR) Design-Based Implementation Research (DBIR)? Ich habe die vierte Jahrestagung des Universitätskollegs an der Uni Hamburg dazu genutzt, mir selber diese Frage zu stellen und nach ersten Klärungen zu suchen. Die Literaturlage zu dieser Abwandlung von DBR ist aus meiner Sicht noch etwas dünn (doch vielleicht habe ich auch noch nicht den richtigen Überblick), aber ich denke, man kann DBIR im Blick behalten, insbesondere als Möglichkeit einer Modellversuchsforschung im Hochschulbereich. Gerne stelle ich daher meine wirklich allerersten Überlegungen in Form des Vortragsmanuskripts aus der UK-Tagung online.

Vortrag_UK_DBIR_Nov2015

Mehr davon!

In der aktuellen Ausgabe der Psychologischen Rundschau (Psychologische Rundschau, 66 (4), siehe hier) findet sich eine interessante Diskussion zu Fehlauffassungen im Bereich Lehren und Lernen mit Anwendungsbeispielen in der Hochschullehre. Alexander Renkl liefert dazu den Impuls mit einem Beitrag, der den Titel trägt: „Drei Dogmen guten Lernens und Lehrens: Warum sie falsch sind (Renkl, 2015, 211 – 220). Ich kopiere hier mal das Abstract rein, weil es die Inhalte gut auf den Punkt bringt:

„Es werden Fehlannahmen (Dogmen) über Fragen des Lernens und Lehrens in Schule und Hochschule diskutiert, die in öffentlichen, aber auch in fachlichen Diskussionen immer wieder zum Vorschein kommen. Das Konstruktivismus- und Aktivitätsdogma besteht darin, Lernarrangements ungerechtfertigter Weise in solche einzuteilen, die entweder passives oder aber konstruktives und aktives Lernen fördern. Das Dogma des guten Unterrichts spiegelt sich in der Annahme wider, dass es DEN guten Unterricht gibt. Das Strukturreformdogma manifestiert sich darin, dass bei Bemühungen um die Verbesserung von Bildungsqualität weniger das eigentlich ausschlaggebende Lehr-Lern-Geschehen im Unterricht als vielmehr Schul- oder Hochschulstrukturen fokussiert werden. Die Relevanz der Identifizierung dieser drei Dogmen wird exemplarisch an vier (immer wieder einmal) aktuellen Themen der Hochschullehre aufgezeigt: Vorlesung als veraltete Lehr-Lern-Methode? Problembasiertes Lernen als Qualitätsmerkmal von Hochschullehre? Evaluation von Lehrveranstaltungen durch Studierende? Reform der Lehramtsausbildung zur Verbesserung des Schulunterrichts?“

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Wohltuende Erinnerung

Morgen findet bereits zum dritten Mal unser Forschungskolloquium zur Hochschuldidaktik statt, über das ich an anderer Stelle (hier) im Sommer schon mal kurz berichtet hatte. Inzwischen haben wir zum Kolloquium auch einen Blog, auf dem man Abstracts zu den Beiträgen findet, die behandelt werden, aber auch Referentensteckbriefe (die nach den Sitzungen eingestellt werden) und Infos zu Konzept und Terminen. Ich bin froh, dass wir mit dem Kolloquium trotz der ewigen Zeitnot im September gestartet sind. Neben den vielen verwaltungstechnischen und sonstigen Terminen mit weitgehend organisatorischen Inhalten erinnern mich solche Veranstaltungen wohltuend daran, dass ich als Professorin an einer Universität tätig bin ;-).

Mundtot

Fünf ganze Tage ohne Blog – und das unfreiwillig – also quasi mundtot. Es gab Server-Probleme, die leider zu einem längeren Ausfall geführt haben. Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise, dass mein Blog nicht (mehr) verfügbar ist. Früher abstellen ließ sich das leider trotzdem nicht. Aber jetzt läuft wieder alles. Mir hat dieser Ausfall mal wieder gezeigt: Ich möchte auf das Bloggen nicht mehr verzichten und kann mich auch nach nunmehr fast zehn Jahren (Beginn war Februar 2006) nicht in die allgemeine Klage  einreihen, dass man als Wissenschaftler keine Zeit dafür habe. Ich nehme sie mir einfach :-).

Ein aufmerksamer, mitdenkender, nachbohrender und kritisch konfrontierender Zuhörer

„Sehen Sie, ich bin ja mein akademisches Leben lang nur ein kleiner C2-Professor gewesen, ohne besondere Ausstattung, ohne eigene Assistenten, aber mit einem enormen Zulauf von Studenten, […]. Und es gab auch einen Kollegen, der auf eine schmunzelnde Weise hat durchblicken lassen, dass er das, was ich da tat, nicht wirklich für Wissenschaft hielt.“ (S. 46 f.). Das ist eine Selbstbeschreibung des Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun in einem Buch, das bereits letztes Jahr erschienen ist.

Pörksen, B. & Schulz von Thun, F. (2014). Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Heidelberg: Carl-Auer.

Schulz von Thun – wer kennt den Kommunikationspsychologen nicht. Mindestens sein „Vier-Ohren-Modell“ ist ja so bekannt wie das Es-Ich-Überich von Freud. Nun hat Schulz von Thun aber keinen neuen Beststeller geschrieben. Vielmehr ist Bernhard Pörksen auf die Idee gekommen, ein – ich nenne es mal – Dialogbuch über ihn und sein Werk zu verfassen. Das Buch ist das Kondensat vieler Gespräche (Pörksen beziffert die Mitschriften auf 600 Seiten) über große und kleinere Fragen. Die rahmende Idee lässt sich vielleicht am besten mit dem Satz umreißen, von dem Pörksen glaubt, dass er das Werk von Friedemann Schulz von Thun auf den Punkt bringt: „Die Qualität der Kommunikation bestimmt die Qualität unseres Lebens“.

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