Bologna und die HRK – eine nicht immer ganz harmonische Verbindung, aber in der aktuellen Empfehlung Europäische Studienreform ist man trotz kritischer Hinweise um ein klares Ja zu Bologna und um Lob für das bisher Erreichte bemüht. So steht gleich im ersten Abschnitt „Die HRK unterstreicht, dass die deutschen Hochschulen seit Beginn des Bologna-Prozesses enorme Reformleistungen erbracht haben“. Trotzdem, so die Kritik, würden die bestehenden Spielräume zu wenig genutzt und Bürokratie und Detailsteuerung unnötig einengen. Mantra-artig wird die zu geringe Mobilität beklagt, was ich einerseits nachvollziehen kann; andererseits vermisse ich es, dass man sich auch um den Zweck von Mobilität etwas mehr Gedanken macht und darum, wie man Erfahrungen aus seinen „mobilen Phasen“ eigentlich sinnvoll in die Bildungsbiografie integrieren kann (und wie man das unterstützen müsste). Beklagt wird, dass immer noch die konsekutive Anordnung von Bachelor- und Masterprogrammen dominiert. Wundern sollte einen das allerdings nicht, nachdem fast überall dreijährige Bachelorprogramme aufgesetzt wurden – meist durchorganisiert und vollgestopft mit zusätzlichen Auslands- und Praxisanforderungen. Was ist das für ein Studium – zumal an Universitäten? Ich finde das nachvollziehbar, dass Studierend da im Anschluss den Master machen, sich vielleicht mal in etwas vertiefen wollen etc. Lehrende präferieren für ihre Lehrtätigkeit häufig auch den Master, wenn man sie wählen lässt … in der Hoffnung, sich dann mehr auf Wissenschaft in IHREM Sinne konzentrieren zu können. Ich kann es bis zu einem gewissen Grad gut verstehen.
Autor: Gabi Reinmann
Anti-MOOC als neuer pädagogischer Common Sense?
Welche Wellen – Euphorie und Untergangsstimmung im raschen Wechsel: Die Rede ist mal wieder von MOOCs, was leider inzwischen bei vielen reflexartig eine Gleichsetzung mit allen Formen des Einsatzes digitaler Medien in der Lehre auslöst. Und letzteres ist WIRKLICH ein Problem!
Inzwischen steht die Welle auf Kritik – Anti-MOOC statt MOOC: Dazu gibt es Lesenswertes, z.B. das von Rolf Schulmeister herausgegebene Buch „MOOCs: Offene Bildung oder Geschäftsmodell“, das erfreulicherweise hier offen (!) zugänglich ist. Ich habe erst den Einführungsbeitrag gelesen, aber den kann ich schon mal empfehlen. Und dann gibt es FAZ-Artikel wie diesen (hier), der ebenfalls durchaus berechtigte Kritik äußert, das aber zum einen – wie oben angedeutet – ziemlich undifferenziert mit allen anderen Formen mediengestützter Lehre vermengt und zum anderen auch in den größeren Kontext der Bürokratisierung einordnet:
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Pendelblick (11): Sich mit sich selbst beschäftigen
DAS Ereignis der gerade zu Ende gehenden Woche war der sogenannte Development Day an der Zeppelin Universität (ZU) zum Thema „Qualität in der Lehre in Zeiten der Digitalisierung“. Ich zitiere mal, wie die ZU selber dieses Format im Intranet beschreibt: „Einmal im Jahr beschäftigt sich die Zeppelin Universität ausschließlich mit sich selbst. Der Development Day ist die Arena für die ZU, ihre Entwicklungen und das Wachstum zu besprechen. In einer moderierten Open Space-Veranstaltung kommen alle Hochschul-Angelegenheiten zur Sprache, die als lobenswert und verbesserungsbedürftig empfunden werden. Noch während des D-Days werden Verantwortliche benannt (bzw. diese benennen sich selbst), die mit der Lösung eines Problems betraut werden. Ausgerichtet wird er von den Mitgliedern des Senats. Teilnehmen kann jeder, der der Hochschule angehört – Studierende, Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter.“
Die ZU geht aus meiner Sicht speziell mit ihren Studiengangstrukturen mutige Schritte in Richtung forschungsorientierte Lehre. Dennoch – wie sollte es anders sein – gibt es noch viel Gestaltungspotenzial speziell auf der didaktischen Mikroebene und beim Einsatz digitaler Medien. Die ZU versteht sich als Präsenz-Universität und hat dafür gute Gründe. Trotzdem (das kann man sich jetzt bei mir bzw. bei unserem Team wohl denken ;-)) sehe ich schon die Notwendigkeit, auch an einer Präsenz-Universität einen sinnvollen und das Lehren und Lernen förderlichen Einsatz digitaler Medien zu forcieren. Und genau deswegen gab es ja auch dazu einen Development Day.
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Pendelblick (10): Ohne Jurist sagt man besser nichts
Das Thema, das mich die letzte Woche mental am meisten beansprucht hat, heißt: Prüfungen. Ich glaube ja, dass mich im letzten Jahr keiner so recht ernst genommen hat mit meinem Gedankenexperiment: „Was wäre, wenn es (an Universitäten) keine Prüfungen mit Rechtsfolgen mehr gäbe?“ Letzte Woche habe ich mir öfter gedacht: Schade, dass niemand so recht mitdenken wollte; schade, dass da die Hindernisse offenbar so groß waren/sind, mal gedanklich (!) mit diesem Szenario zu experimentieren.
Im Hinblick auf Prüfungen ist auch die Zeppelin Universität (ZU) keine Insel der Seligen – das wäre auch komisch. Das Thema war in mehrfacher Form Diskussionsstoff in einzelnen Sitzungen und Zusammentreffen. Dabei ist mir aufgefallen (und wieder eingefallen, denn darüber habe ich schön öfter nachgedacht), dass zwischen Lehrenden und Studierenden beim Thema Prüfungen generell (!) eine seltsame Sprachlosigkeit und verschlungene Erwartungserwartungen herrschen. Ich denke hier jetzt einfach mal laut darüber nach und bündele dabei meine bisherigen Erfahrungen aus drei Universitäten und meine Beobachtungen aus Gesprächen mit anderen Wissenschaftlern, aber auch mit Studierenden:
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Anspruchsvoll, authentisch, autonom, angemessen
Vor kurzem habe ich für das auf-Magazin der Zeppelin Universität (siehe hier), einen kurzen Beitrag geschrieben. Das nächste Heft soll unter dem Motto „Die Bildung der Bildung“ stehen. Ich gehe mal davon aus, dass der Artikel im Januar 2014 (so oder gekürzt – mal sehen) in diesem Heft erscheinen wird. Anbei schon mal ein Preprint. Und weil Blogs an der ZU jetzt nicht SO verbreitet sind, habe ich mal das Bloggen unter das Dach der Bildung gestellt.
Pendelblick (9): Aufräumen und nostalgische Gefühle
Die vergangene Woche hatte nostalgische Züge – auf dem Campus der Container Uni zwischen Baggern und aufgetürmten Erdhaufen eine kleine Gruppe ganz vertrauter Gesichter: die Doktoranden, die den Sprung mit mir an die Zeppelin Universität (ZU) gewagt haben. Zwei volle Tage – und in dieser Form erstmals im Block – haben wir unser Doktorandenkolloquium in fast voller Besetzung (nur eine Urlauberin war nicht dabei) abgehalten – und das sogar am Feiertag! Sechs Präsentationen des jeweils aktuellen Stands der Arbeiten, wie immer gut durch kurze Dokumente vorbereitet, haben wir ohne Zeitdruck angehört und besprochen. Neben diesen Präsentationen hatten die Doktoranden selbst für jeden Tag jeweils ein methodisches Thema vorbereitet:
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Pendelblick (8): Alles im Fluss
Das Pendel schlägt direkt vom siebten zum achten Blick 😉 … Zeitnot als Dauerproblem. Auch diese Woche gäbe es viel zu berichten, aber ich bleibe dabei, einen wöchentlichen Fokus zu setzen. Diese Woche liegt mein Fokus auf den „Programmdirektoren“ an der Zeppelin Universität (ZU), also bei denjenigen Mitarbeitern, die aus meiner Sicht besonders gut repräsentieren, was seit einiger Zeit als „Third Space“ an Hochschulen diskutiert wird – einem Schnittfeld aus akademischen und administrativen Aufgaben.
Programmdirektoren sind an der ZU promovierte Mitarbeiter, die sich um die Gestaltung und Koordination der Studienprogramme (Bachelor und Master) kümmern. Das tun sie zusammen mit den Wissenschaftlern aus den Programmen, wobei es nun seit kurzem auch „Akademische Programmleiter“ gibt, die als Sprecher der Wissenschaftler pro Programm fungieren. An anderen Universitäten setzt man ebenfalls zunehmend Koordinatoren ein, um die oft komplexen logistischen Herausforderungen insbesondere der Umsetzung von (miteinander verzahnten) Studienprogrammen zu meistern: Räume, Zeiten, Lehrbeauftrage, Verteilung von Lehrdeputaten der Profs und wissenschaftlichen Mitarbeitern etc. – das verursacht großen Aufwand, erfordert eine exakte Planung und verringert fast notgedrungen (manchmal zum Leidwesen der Studierenden) die Flexibilität, die man früher hatte, verhindert aber auch das Chaos, das früher ebenfalls an der Tagesordnung war.
Pendelblick (7): Häfler und Zugezogene
So recht will es noch nicht aufhören mit den vielen Sitzungen und Gesprächen und Treffen, aber so ist das halt am Anfang. Immerhin gab es in der nun zu Ende gehenden Woche einige Termine auch mit Studierenden – teils wegen akuter Problemlösungen, teils aber auch zum gegenseitigen Austausch und das hat die Woche doch erheblich aufgehellt. Ein besonderer Termin war der „Student Initiative Day“ – zwei intensiv gefüllte Stunden mit der Präsentation von aktuellen studentischen Initiativen und deren Stand und Planungen. Eine kleine Übersicht aller Initiativen (wie auch Gründungen) findet man auf der ZU-Web-Seite hier. Die Projekte, die am vergangenen Dienstag auf der Agenda standen waren: StudentLounge, Hochschulsport, Karriere|Frauen, Rework, Welle 20 und Gemeinsam Wohnen.
Anfängervortrag
Was für ein Wort: „Antrittsvorlesung“. Antreten? Das vermutet man doch jetzt wohl nur bei der Bundeswehr, oder? Okay, gut: Ein Amt antreten … Ich finde es trotzdem keine schöne Bezeichnung. Vielleicht wäre „Begrüßungsvorlesung“ besser oder noch schöner: „Anfänger-Vorlesung“. Allerdings stimmt Vorlesung ja auch nicht: Es ist EIN Vortrag – also ein Anfängervortrag?
Wie auch immer: Bislang habe ich es erfolgreich geschafft, diesem fehlbezeichneten Ritual aus dem Weg zu gehen. An der Zeppelin Universität (ZU) ist mir das leider nicht gelungen. Gelungen ist zumindest, dass ich selbst nicht auch noch Werbung dafür gemacht habe. Aber es gibt ja wieder ein Redemanuskript, und das kann man bei der dunkler werdenden Jahreszeit gemütlich selber lesen. Ich freue mich jedenfalls, wenn das ein paar meiner Blog-Leser tun.
Pendelblick (6): (K)ein Scherz
Diese Woche stand komplett unter dem Zeichen „Management“ – auf allen Ebenen. Drei Tage hintereinander gab es Diskussionen, Aufgaben und Beschlüsse (a) im Präsidium, (b) im Führungskräftekreis und (c) im sog. Erweiterten Managementkreis. Und für alles gibt es Abkürzungen – logisch: P-Sitzung, FKK 😉 und EMK. Nun war für mich persönlich EIN Thema besonders relevant, weil es mich bereits vor ziemlicher langer Zeit auch in meiner Habilitationsschrift beschäftigt hat – jedenfalls in einer speziellen Ausprägung: nämlich der Begriff der Arbeit bzw. Wissensarbeit.