Michael Kerres hat auf einen sehr interessanten Kurzvortrag von Daniel Willingham, einem Psychologie Professor an der University of Virginia, aufmerksam gemacht, in dem dieser einiges zum Thema Lernstile/Lerntypen knapp und übersichtlich klar stellt. Er macht u.a. deutlich, dass Lehrende in der Regel Bedeutung vermitteln und nicht deren (variable) Erscheinung in visueller, auditiver oder kinästhetischer Form. Diese Klarstellung ist sehr gut, denn vor allem Lehrende können mit einfachen „Machting-Aussagen“ (Lerntyp-Darstellungsform) schnell in die Irre geführt werden (hier z.B.); vor allem im Wirtschaftsbereich scheint man sehr anfällig dafür zu sein. Für mich ist die Popularität solcher Theorien zum einen ein Zeichen dafür, dass viele Praktiker – verständlicherweise – nach rascher und simpler Orientierung in so komplexen Situationen, wie wir sie beim Lernen und Lehren haben, suchen. Mitunter ist es auch gerechtfertigt, vereinfachende Heuristiken heranzuziehen, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Zum anderen ist die Dominanz solcher Theorien aber auch Ausdruck einer Tendenz, Ereignisse zu erklären nach dem Motto: „Ich bin ein visueller Lerntyp, da ist klar, dass ich aus einer Vorlesung mit wenig Bildmaterial nichts mitnehme“. Sowohl Lernende als auch Lehrende machen es sich da wohl schon zu einfach!
Danke an Michael, denn neben dem Kurzvortrag hat er damit auch gleich auf Daniel Willingham aufmerksam gemcht, der auf seiner Seite eine ganze Reihe weiterer interessanter Videos und Texte anzubieten hat und dabei offenbar bevorzugt mit Mythen aufräumen will – wozu auch das sog. „brain-based learning“ bzw. die sich breit machende Neigung gehört, pädagogische Folgerungen direkt aus neurowissenschaftlichen Erkenntnissen abzuleiten, was wir ja auch beim Thema Computer und Kinder zur Genüge kennen (womit bitte sollte man denn sonst lernen als mit HIlfe seines Gehirns?). Gut so!! Ich werde mich auf dieser Seite mit Sicherheit noch sehr genau umsehen.
Das ist jetzt zehn Jahre her und umso befremdlicher erscheint es einem, dass man auch im Jahr 2008 den Nutzen und die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien in der Hochschule immer noch mühsam erklären muss – wie jetzt in der aktuellen Ausgabe von „
Am E-Learning Center der Universität Zürich ist im Sommer 2008 eine Podcast-Folge zum Thema „Informelles E-Learning an Hochschulen“ erstellt und nun zum Abschluss gebracht worden. Eine Übersicht der Beiträge wird jetzt in einem Podcast-Kompass (
Web 2.0-Anwendungen sind auch in der Wirtschaft auf dem Vormarsch – so jedenfalls legen es die Ergebnisse der zweiten-Umfrage von The McKinsey Quarterly, durchgeführt im Juni 2008 mit insgesamt 1.988 Führungskräften weltweit. Im Vergleich zur Vorjahresstudie (an der sich mehr Personen beteiligt haben), sind Zuwachsraten bei Investitionen in Web 2.0-Anwendungen zu verzeichnen – wobei es natürlich sein kann, dass sich Vertreter von Web 2.0-affinen Organisationen schlicht mehr an der Befragungen beteiligt haben. Überhaupt finden sich leider kaum methodische Hinweise z.B. zur Akquise der befragten Zielgruppe. Aus den Abbildungen zu Ergebnissen lassen sich aber immerhin die gestallten Fragen weitgehend erahnen. Interessant finde ich zum eine, dass Wissensmanagement zu den wichtigsten internen Funktionen gehört, wenn Web 2.0-Annendungen zum Einsatz kommen. Die häufig formulierte These, Web 2.0 hätte dem in die Jahre gekommenen Wissensmanagement wieder auf die Beine geholfen, scheint also durchaus auch empirischen Rückenwind zu erhalten. Zum anderen fiel mir der Befund auf, dass Organisationen, die sich mit ihrem Web 2.0-Einsatz zufrieden zeigen, mehr Veränderungen in Organisationsprozessen und -strukturen infolge von Web 2.0 wahrnehmen als Organisationen, die hier Enttäuschungen zu berichten haben. Dies deckt sich mit unseren (kleinen) Beobachtungen z.B. in sozialen Organisationen und Bildungsinstitutionen: Der Einsatz von Web 2.0-Anwendungen, so unsere Erfahrungen, verändern Auffassungen von Lehren und Lernen, vor allem auch von Rollen im Lehr-Lerngeschehen ebenso wie Abläufe und die dazu nötigen (auch zeitlichen) Strukturen.
Kürzlich hat der Wissenschaftsrat wieder mal ein „Konzept zur systematischen Verbesserung der Hochschullehre“ vorgelegt (online abrufbar 