Forschungsförderung: Mehr entzogen als zugeführt?

Forscherinnen und Forscher wenden immer mehr Zeit auf, um Drittmittel zu akquirieren. Aber: Lohnt sich das? Überwiegt der Nutzen der Drittmittelförderung tatsächlich die individuellen und gesellschaftlichen Kosten, um diese im Wettbewerb mit anderen zu erlangen? Diese Frage stellt sich in der aktuellen Ausgabe von Forschung & Lehre (Mai 2026) Christopher Degelmann (leider ist der Kommentar nicht online zugänglich). Er plädiert dafür, die Summe der Kosten, die indirekt durch das Stellen (und Begutachten) von Anträgen entsteht, gegen die Höhe der bewilligten Gelder (im Erfolgsfall) abzuwägen. Er kommt zu dem Schluss: „Berücksichtigt man allein die akademischen Gehaltsstrukturen, so entziehen zahlreiche Förderprogramme der wissenschaftlichen Gemeinschaft mehr Ressourcen, als sie ihr zuführen“. Das ist ein gewichtiger Satz! Üblicherweise ist der Blick bei Drittmittelförderung auf die eingeworbenen Mittel gerichtet; die investierten Mittel bleiben dagegen im Verborgenen.

Degelmanns Vorschläge, wie man diesem Problem beikommen könnte, richten sich zunächst auf eine Strategie, welche die Logik dieses Spiels konsequent fortsetzt: Man müsste (und dafür gibt es offenbar schon ein Werkzeug) den erwarteten Nutzen eines geplanten Antrags abschätzen und mit den Kosten der Beantragung quasi verrechnen, bevor man sich entscheidet, einen Antrag zu stellen. Eine Lösung dieses Problems sehe ich darin allerdings ganz und gar nicht. Unverständlich ist mir auch der Lösungsansatz „Förderlotterie“. Eher schon geht der Vorschlag in Richtung einer grundsätzlichen Bearbeitung des Problems, die wettbewerbliche Verteilung von Ressourcen zu reduzieren und stattdessen eine bessere Grundfinanzierung bereitzustellen. Degelmanns Diagnose, dass die Forschungsförderung den Hochschulen mehr Ressourcen entzieht als zuführt, dürfte jedenfalls ein gutes Argument für den letztgenannten Ansatz sein, denn: Dieses Argument ist immerhin anschlussfähig an das ökonomisierte Denken an unseren Hochschulen und sollte von daher eigentlich auf Resonanz stoßen.

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