Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Pendelblick (11): Sich mit sich selbst beschäftigen

DAS Ereignis der gerade zu Ende gehenden Woche war der sogenannte Development Day an der Zeppelin Universität (ZU) zum Thema „Qualität in der Lehre in Zeiten der Digitalisierung“. Ich zitiere mal, wie die ZU selber dieses Format im Intranet beschreibt: „Einmal im Jahr beschäftigt sich die Zeppelin Universität ausschließlich mit sich selbst. Der Development Day ist die Arena für die ZU, ihre Entwicklungen und das Wachstum zu besprechen. In einer moderierten Open Space-Veranstaltung kommen alle Hochschul-Angelegenheiten zur Sprache, die als lobenswert und verbesserungsbedürftig empfunden werden. Noch während des D-Days werden Verantwortliche benannt (bzw. diese benennen sich selbst), die mit der Lösung eines Problems betraut werden. Ausgerichtet wird er von den Mitgliedern des Senats. Teilnehmen kann jeder, der der Hochschule angehört – Studierende, Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter.“

Die ZU geht aus meiner Sicht speziell mit ihren Studiengangstrukturen mutige Schritte in Richtung forschungsorientierte Lehre. Dennoch – wie sollte es anders sein – gibt es noch viel Gestaltungspotenzial speziell auf der didaktischen Mikroebene und beim Einsatz digitaler Medien. Die ZU versteht sich als Präsenz-Universität und hat dafür gute Gründe. Trotzdem (das kann man sich jetzt bei mir bzw. bei unserem Team wohl denken ;-)) sehe ich schon die Notwendigkeit, auch an einer Präsenz-Universität einen sinnvollen und das Lehren und Lernen förderlichen Einsatz digitaler Medien zu forcieren. Und genau deswegen gab es ja auch dazu einen Development Day.

In der Einführung zu dieser, knapp vier Stunden umfassenden, Veranstaltung habe ich deutlich gemacht, dass mir statt eines Development Days konkrete Projekte an sich lieber gewesen wären, denn: Grundsatzdebatten ohne eigene Erfahrungen sind halt einfach immer müßig, wenn auch bis zu einem gewissen Grad wahrscheinlich unumgänglich. Selber beschäftige ich mich ja nun schon seit mehr als 15 Jahren mit digitalen Medien in der Bildung. Trotzdem findet man mich nicht in Facebook und ich habe keinen Twitter-Account. Ich habe mich mit Blick auf meine Tätigkeit und meine Zwecke entschieden – nämlich GEGEN soziale Netzwerke und Kurznachrichten, aber FÜR einen eigenen Blog und eine ganze Reihe nützlicher Open Source-Werkzeuge. Es gibt analoge Felder, auf denen wir möglicherweise vergleichbare Entscheidungen treffen. Man denke nur an die Mobilität: Man entscheidet sich für das Flugzeug und gegen die Bahn oder umgekehrt, für das traditionelle oder das Elektro-Auto, für ein Rennrad, ein Mountain-Bike oder ein Pedelec usw. Aber man entscheidet sich in der Regel nicht für oder gegen Mobilität. Beim Einsatz digitaler Medien in der Lehre aber ist das mitunter anders: Da diskutiert man darüber, ob man für oder gegen die digitalen Medien zum Lehren und Lernen ist. Genau das aber ist unproduktiv – so, wie es auch unproduktiv wäre, sich für oder gegen Mobilität zu entscheiden.

Das Workshop-Angebot, das wir am Development-Day hatten, war vor diesem Hintergrund entsprechend praktisch ausgerichtet: Ein Workshop (moderiert von Sandra) beschäftigte sich mit Open Content und Open Educational Resources anhand von Beispielen. Ein weiterer Workshop – moderiert von Silvia (ja, wir hatten sie als Gast-Moderatorin dabei) – ging konkret der Frage nach, wie sich Feedbackprozesse mittels digitaler Medien verbessern lassen. Ein dritter Workshop fand zu verschiedenen mediendidaktischen Szenarien statt – moderiert von Christian – und hat spezielle Situationen aufgegriffen, in denen Studierende eben nicht präsent sein können: etwa wenn sie im Ausland sind oder Praktika machen. Tim Göbel hat einen Workshop moderiert, in dem ein Austausch über geplante „Instructional Videos“ für den Verwaltungsbereich im Zentrum stand. Und nochmal das Thema Video hat Frank in einem „Experimentierraum“ bearbeitet: Dort sind denn auch Videos entstanden – unter anderem vom Kanzler der ZU.

Schön war, dass alle Workshops studentische Co-Moderatoren hatten, die mit viel Engagement dabei waren und einen wertvollen Beitrag zum Gelingen geleistet haben. Mein eigener Workshop war der einzige, der von vornherein Raum für eine Grundsatzdebatte bot, wobei mir da nicht wohl dabei war – zu Recht, wie sich herausstellte. Interessant war er trotzdem, weil verschiedene Ansicht von Studierenden und Lehrenden zutage kamen. Für diesen Workshop hatte ich vorab unser neues Positionspapier verfügbar gemacht, das wir am Lehrstuhl für Hochschuldidaktik unserer wissenschaftlichen und praktischen Arbeit zugrunde legen wollen. Gerne stelle ich das hier auch noch einmal ein.

Positionspapier_DigEd_08_11_13_LSHochschuldidaktik

Die Teilnehmerzahl hielt sich in Grenzen. Dafür aber setzte sich die Teilnehmerschaft erfreulich bunt zusammen und es waren etliche Studierende dabei. Und diejenigen, die da waren, waren alle sehr „präsent“, haben viel diskutiert, mitgedacht und Ideen beigesteuert. Mit den Ergebnissen aus den Workshops werden wir in jedem Fall ganz konkret weiterarbeiten – und vor allem auch mit den Personen, die hier Interesse signalisiert haben. Die Nachbereitung erfolgt online natürlich digital (leider) auf einer internen Plattform ;-).

Was bedeute „Pendelblick“? Siehe hier

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