Es ist bestimmt schon zehn Jahre her (und daher finde ich es leider auch nicht mehr), dass ich von Axel Hacke eine kleine Geschichte über seinen Sohn Luis (damals im Kindergartenalter) gelesen habe: Luis trödelt morgens, obwohl es eilt, und es entsteht ein Dialog zwischen Vater und Sohn. An einer Stelle erklärt Luis, was er sich für den heutigen Tag vornimmt: „Ich werde heute kein Bild malen“. Der Vorsatz ist also einer, etwas nicht zu tun – nicht in dem Sinne, etwas zu unterlassen, was man eh nicht tun sollte, sondern in dem Sinne, etwas bewusst nicht zu machen, was man erwartungsgemäß so tut.
Autor: Gabi Reinmann
Blogpause – wie jedes Jahr
Auch im August 2016 ist wieder Blogpause. Im September 2016 geht es weiter. Bis dahin allen noch schöne Tage!
Eine zu respektierende Entscheidung
Ich bin Psychologin – „von Haus aus“, wie man so schön sagt. 1990 habe ich mein Diplom gemacht. Und sogar meine Habilitation fand immerhin (2000) noch in der Psychologie statt. Aber von einer „theoretischen Psychologie“ hatte ich nie (bewusst) gehört. Psychologie war für mich immer eine „empirische Wissenschaft“. Und heute ist sie eine naturwissenschaftlich-empirische Wissenschaft, und den Dr. phil. (wie meiner noch lautet) gibt es vermutlich auch kaum noch irgendwo in der Psychologie. Und jetzt, 2016, lese ich dieses Buch von Uwe Laucken mit dem spröden Titel „Theoretische Psychologie“ – und von einem spröden Text kann nicht die Rede sein. 434 Seiten – unscheinbar gedruckt an der Universität Oldenburg, gebunden wie eine Dissertation, die vor allem dazu bestimmt ist, im Regal zu stehen. Wie schade! Denn dieses Buch hat mich beeindruckt; dieses Buch sollte genau nicht im Regal verstauben, sondern gelesen werden; dieses Buch hat mir „meine“ Psychologie wieder ein bisschen zurückgegeben.
Weg aus der schulpädagogischen Engführung
Vor einiger Zeit habe ich das Buch „Allgemeine Didaktik. Ein erziehungstheoretischer Umriss“ von Rotraud Coriand gelesen (Kohlhammer Verlag 2015). Von besonderem Interesse war für mich, wie die Autorin die Allgemeine Didaktik konzipiert und in den erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Gesamtzusammenhang einordnet, denn: Auch die Hochschuldidaktik ist in weiten Teilen eine allgemeine Didaktik; die Auseinandersetzung mit eben dieser scheint mir daher ganz besonderes wichtig zu sein.
In den Ring steigen
Üblicherweise bezeichnet man eine Vortragsreihe dann als Ringvorlesung, wenn sich verschiedene Dozenten ein Semester lang (in der Regel im wöchentlichen Rhythmus) einem Thema widmen. Im Rahmen des neuen Master of Higher Education nun bemühen wir den Begriff, obwohl wir ein wenig davon abweichen und erst einmal „nur“ zwei Vorträge pro Semester (zu Beginn und am Ende jedes Semesters) zum akademischen Lehren und Lernen (mit allen dazu passenden Aspekten bzw. Themen) anbieten. Den Auftakt macht Rolf Schulmeister, was mich ganz besonders freut, ist er doch der Urheber des deutschlandweit einzigen Masterstudiengangs zur Hochschuldidaktik. Am Donnerstag, den 6. Oktober 2016 um 18:00 Uhr s.t. (Schlüterstraße 51, 2. OG.) wird er über „Workload, Motivation und Studierverhalten im Bachelor. Eine empirische Annäherung“ sprechen (siehe auch hier). Für den zweiten Vortrag haben wir bereits von Peter Baumgartner eine Zusage, dass er mit „in den Ring“ hochschuldidaktischer Vorträge steigt.
Autoethnografisch
An anderer Stelle (hier) habe ich bereits auf ein Thema verwiesen, das in der Methodologie der Bildungsforschung allenfalls am Rande mal thematisiert wird: die Autoethnografie. Inzwischen habe ich mich zusammen mit Tobias noch etwas näher mit diesem Ansatz beschäftigt. Als erstes „Produkt“ ist ein gemeinsamer Impact Free-Artikel (Impact Free 3) entstanden (alle bisherigen Texte unter dieser Rubrik siehe hier), der wiederum der Nukleus für einen (noch zu erarbeitenden) längeren Text mit Bezug zu Design-Based Research sein soll. Wir freuen uns über Kommentare!
Übrigens könnten sich auch Wissenschaftlerblogs als autoethnografisches Instrument eignen. Schade nur, dass dieses Genre nach einer Hochzeit Mitte 2000 doch wieder auf ein eher ernüchterndes Maß zurück gefallen ist.
Hauptsache kurze, knackige Begriffe
„Digitale Bildung gibt es nicht, genauso wenig wie es analoge Bildung gab oder gibt. Wenn schon, dann gibt es Bildung. Punkt.“ – so beginnt Joachim Wedekins aktueller Blog-Post. Auch wenn der Bildungsbegriff ein typisch deutscher sei und vielfältig interpretiert werde, beliebig (verwendbar) sei er dennoch nicht, macht Joachim klar, auch wenn er Verständnis für das Bedürfnis nach „kurzen, knackigen Begriffen oder Halbsätzen“ auf Tagungen und Kongressen signalisiert. Er liefert im Anschluss eine ansehnliche Liste mit Ankündigungen, die alle mit der „digitalen Bildung“ (vor allem im Kontext Schule) winken. Ich kann das Unbehagen verstehen und habe mich schon vor mehr als zwei Jahren (hier) anlässlich der Gründung des Hochschulforums Digitalisierung gefragt, warum ich mich mit dem Begriff der „Digitalisierung“ so schwer anfreunden kann (was allerdings nicht der Grund war, warum ich das Forum letztlich verlassen habe).
Vertane und genutzt Gelegenheiten
Der dritte Tag der Jahrestagung des Universitätskollegs (UK) (hier Eindrücke zu den ersten beiden Tagen) bot Raum für eine weitere externe Referentin, die im Kontext von Hochschulentwicklung ähnlich wie Dieter Eule sehr bekannt sein dürfte: Anke Haft von der Universität Oldenburg. Sie beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Frage der Nachhaltigkeit der Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre durch Projektförderungen wie dem Qualitätspakt Lehre (QPL) – eine enorm wichtige Frage, welche wohl all jene umtreibt, die durch den QPL Fördergelder erhalten.
Denn sie tun, was sie nicht gelernt haben
„Denn sie tun, was sie nicht gelernt haben“ – mit diesem provokanten Titel begann am Mittwoch Nachmittag die fünfte Jahrestagung des Universitätskollegs (das Programm findet sich hier) an der Uni Hamburg. Dieter Euler hielt den Eröffnungsvortrag und bot darin „strategische Überlegungen zur Entwicklung von Studium und Lehre in einer Organisation von ´Expertenlaien´“. Dass Hochschullehrer zwar so heißen, das Lehren aber nur nebenbei und in den seltensten Fällen systematisch lernen, ist ein Umstand, an den man sich gewöhnt hat, der aber mit großen Programmen wie dem Qualitätspakt Lehre (QPL) in den letzten Jahren intensiv diskutiert und bearbeitet wird. Und so war dieser Einstieg von einem Experten in Sachen (pädagogischer) Hochschulentwicklung ein höchst passender Start für die Jahrestagung des Universitätskollegs als einem der vielen QPL-Projekte in Deutschland.
Noch mehr vom Gleichen
Sind wir so schlecht, dass wir uns – durch unsere Kopie – selbst abschaffen wollen? Muss da, wo die natürliche Intelligenz nicht auf der Höhe ist, die künstliche ran? Diese Fragen treiben Wolf Lotter um – in einem Beitrag (hier) der aktuellen Ausgabe von brand eins, die sich der Digitalisierung widmet (auch Jochen Robes hat bereits darauf verwiesen). Der Autor aber ist skeptisch und mahnt eindringlich zu einer neuen Nüchternheit, zu Pragmatismus und Vernunft. Seine Argumente formt er vorrangig aus Ereignissen und Entwicklungen der Vergangenheit, der Geschichte des Computers und des Internets.