In einem Zeitungsinterview prophezeit der Rechtswissenschaftler Richard Susskind (hier), „dass den Menschen immer weniger Dinge bleiben, die ihnen Maschinen nicht abnehmen können“. Es werde künftig nur mehr sehr wenige Berufe geben, „für die Menschen besser qualifiziert sind als Maschinen“. Und „wenn fast alles, was wir können, auch von einer Maschine erledigt werden kann“, stelle sich die Frage: „Wieso sind wir hier?“
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Training oder Entlastung? Wie KI die Expertenlandschaft spaltet
Welchen Einfluss werden Chatbots wie ChatGPT und Künstliche Intelligenz (KI) auf Hochschulbildung und Universität haben? Was soll/muss noch erlernt werden und was nicht? In der Mai-Ausgabe von Forschung & Lehre finden sich zwei Einschätzungen, die – trotz einiger weniger gemeinsamer Einschätzungen – verschiedener nicht sein könnten und damit, so meine Beobachtung, ganz gut den Rahmen abstecken, innerhalb dessen das Themas KI an Universitäten derzeit diskutiert wird.
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Hochschulbildung? Fehlanzeige!
„Was sind Bildungswissenschaften? Systematik vielfältiger Auffassungen in der wissenschaftlichen Literatur“ – so der Titel eines aktuellen Beitrags von Felix Schreiber und Colin Cramer in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft – online hier abrufbar. Viele, die in irgendeiner Weise bildungswissenschaftlich tätig ist, werden hier vermutlich aufhorchen und sich neugierig an die Lektüre machen, denn: In der Tat ist es ausgesprochen schwer bis unmöglich zu erklären, was denn Bildungswissenschaft (Singular) ist bzw. was Bildungswissenschaften (Plural) sind.
Kein schlechter Ratschlag
ChatGPT and Artificial Intelligence in higher education: Quick start guide ist ein kürzlich online erschienenes Dokument der UNESCO zu ChatGPT. Das Dokument versteht sich – wie der Titel schon verrät – als Schnelleinführung in die Nutzung von ChatGPT in der Hochschulbildung.
KI-freie Zonen
Sandra Hofhues hat mich auf einen interessanten Blogbeitrag (hier) von Thomas Alkemeyer hingewiesen, welcher der Frage nachgeht, ob ChatGPT zu einer „De-Singularisierung der akademischen Eliten“ führt. Die Kernbotschaft des Textes kommt aus meiner Sicht im folgenden Satz gut zum Ausdruck: „Den Vertreter:innen der akademischen Klasse, die sich allzu gern als Singularitäten performieren und imaginieren, sollte es jedenfalls zu denken geben, wenn ihre ‚kognitive‘ Arbeit leichter von Maschinen erbracht werden kann als die ‚praktische‘ Arbeit von Handarbeiter:innen“.
Trias aus Vernunft, Freiheit und Verantwortung
Der Deutsche Ethikrat hat eine Stellungnahme mit dem Titel „Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz“ verfasst. Das seit dem 20. März 2023 online verfügbare Dokument wird noch als „Vorabfassung“ bezeichnet. Das Werk ist fast 300 Seiten lang – allein die „Zusammenfassung“ erstreckt sich über 50 Seiten. Leider sind Wissenschaft und Hochschulbildung in der Stellungnahme nicht berücksichtigt. Doch selbst dann, wenn man beim Thema KI nach Orientierung oder Antworten speziell für den Bereich der Hochschulbildung bzw. Hochschuldidaktik sucht (was hier ausgespart ist), lohnt es sich, mindestens einzelne Kapitel, so meine Einschätzung, in der Gänze zu lesen.
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Massentauglich werdende KI
Die Aufregung, so meine Wahrnehmung, nimmt spürbar zu, was den neuen ChatGPT betrifft – jedenfalls in meinem eigenen (universitären) Umfeld. Kaum eine Gremien- oder andere Sitzung bzw. Besprechung vergeht, ohne dass es die Frage gestellt wird, wie man sich in Lehre und bei der Gestaltung von Prüfungen nun verhalten soll.
ChatGPT – Wettrüsten oder Wertewandel?
Eigentlich wollte ich schon den ganzen Dezember mal etwas posten zur, von vielen als Zeitenwende empfundenen, Entwicklung des Chatbots ChatGPT, denn natürlich: Wenn man sich mit Hochschul- und Wissenschaftsdidaktik beschäftigt, kann man sich nicht nicht damit beschäftigen. Ich glaube, ich habe es im zu Ende gehenden Jahr ein wenig weggeschoben – in der „unangenehmen“ (noch keine Antwort parat habenden) Ahnung, dass es etwas sehr Grundsätzliches ist, was in der alltagstauglich gewordenen KI gerade vor sich geht. Der aktuelle Beitrag von Doris Weßels in Forschung und Lehre mit dem Titel ChatGPT – ein Meilenstein der KI-Entwicklung war ein wichtiger Wink für mich: Sich zu diesem Thema jetzt nicht verhalten, geht (jetzt) nicht mehr.
Lektüretipp statt Weihnachtsrezept
Weihnachtsrezepte habe ich keine anzubieten, aber einen Lektüretipp für die Vorweihnachtszeit: Pischetola, M., Kilberg Møller. J. & Malmborg, L. (2002). Enhancing teacher collaboration in higher education: the potential of activity-oriented design for professional development. Education and Information Technologies. Online hier abrufbar.
Versäumnisse der Hochschuldidaktik beim disziplinären Wissen
Studierendenzentrierung und Constructive Alignment gelten in der heutigen Hochschuldidaktik als zentrale und wegweisende Konstrukte. Diese Konstrukte sind fachübergreifend und werden entsprechend in allen Disziplinen empfohlen; hochschuldidaktische Qualifizierungsangebote setzen entsprechend viel und gerne auf sie. Seit langem bezweifle ich, dass das in dieser weitgehenden Ausschließlichkeit eine sinnvolle Strategie ist. Mit diesem Zweifel bin ich nicht allein. Ein aktueller Beitrag von Esther E. van Dijk, Johan Geertsema, Marieke F. van der Schaaf, Jan van Tartwijk un Manon Kluijtmans in der Zeitschrift Higher Education von 2022 erachtete es ebenfalls ein Versäumnis, die Bedeutung des fachwissenschaftlichen Wissens in der Hochschullehre infolge überfachlicher Konstrukte in den Hintergrund gedrängt zu haben. Unter dem Titel „Connecting academics’ disciplinary knowledge to their professional development as university teachers: a conceptual analysis of teacher expertise and teacher knowledge” bezeichnen sie das disziplinäre Wissen als Herzstück akademischer Arbeit und fragen danach, in welchem Verhältnis das fachwissenschaftliche Wissen zur akademischen Entwicklung von Lehrpersonen an forschungsintensiven Universitäten steht.
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