Informationskompetenz, Medienkompetenz, digitale Kompetenz oder noch was anderes?

Alexander Botte vom DIPF (die Abkürzung für Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung bzw. auf der neuen Web-Seite heißt es: Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation) hatte auf dem Internationalem Symposium für Informationswissenschaft (ISI) gestern zu einer Diskussion eingeladen mit dem Titel „Informationskompetenz früh und nachhaltig fördern“. Diskutiert haben Helga Hofmann von der Stadtbibliothek Frankfurt, die sich viel im Kontext Schulbibliotheken und Kooperationen mit Schülern kümmert (siehe z.B. hier), Benno Hohmann von der Universitätsbibliothek Heidelberg, der u.a. zahlreiche Online-Schulungen anbietet (siehe z.B. hier), Dr. Andreas Vogel vom BMBF, Prof. Christian Wolff von der Uni Regensburg und ich. Eingelassen habe ich mich auf die Diskussion (diese Diskussionen sind ja meist nicht so erhellend und ich meide sie daher eher), weil das DIPF immerhin ein neues Modul von Tech Pi und Mali Bu – nämlich zur Informationskompetenz – finanziert hat und es ja nun auch um dieses Thema gehen soll (wobei Tech Pi nur indirekt zur Sprache kam – schade eigentlich, denn ich finde, es ist gelungen: Man überzeuge sich selbst, nämlich hier). Der Diskussion zugrunde lag die Denkschrift der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis zur Förderung der Informationskompetenz im Bildungssektor. Welche Diskussionsergebnisse kann man festhalten?

Wir waren uns alle in einem Punkt recht einig: Wenn es um die Schule geht, dann setzt die Förderung von Informationskompetenz (im Sinne der oben genannten Denkschrift) vor allem entsprechende Kompetenzen bei den Lehrern voraus, und dafür sorgt man (in der Lehrerausbildung) bis dato zu wenig. Frau Hoffmann meinte, der Lehrer könne sich ja nicht um alles kümmern, daher wären ja auch die Partnerschaften mit Bibliotheken so wichtig. In diesem Punkt aber gab es heftigen Widerspruch, denn: Neben der Recherche von Fachinformation mit digitalen Werkzeugen gehören zur Informationskompetenz sehr grundlegende Dinge: unter anderem ein Informationsbedürfnis zu haben, zu erkennen und genau zu beschreiben (was voraussetzt, dass man Fragen hat) und dann die Informationsqualität auch zu beurteilen – und das sind genuine Bildungsaufgaben, die man nicht auslagern kann. Dennoch seien natürlich solche Kooperationen wünschenswert, nur eben nicht als Ersatz für Lehrerkompetenz und deren Engagement.

Herr Vogel plädierte konsequenterweise für eine Verbindung des Begriffs Informationskompetenz und Medienkompetenz. Da könnte man auch gleich die „digitale Kompetenz“ mit dazu nehmen, meine ich, um die es in der Diskussion auf dem D21-Kongress im November 2008 ging (ich habe hier davon berichtet). Es bringt einfach nicht viel, zig Kompetenzen zu postulieren, um auf diesem Wege jeden Fachverband zufriedenzustellen. Vielleicht sollten wir da sogar noch radikaler sein und einfach alle 10 Jahre besser klären, was wir von der Bildung erwarten, welche „Handlungskompetenz“ wir im Auge haben, zu der dann natürlich auch alle IuK-Technologien gehören.

Ein interessanter Punkt in der Diskussion war aus meiner Sicht die Verbindung mit der Didaktik: Obschon speziell von Herrn Botte postuliert wurde, dass es ein Basismodell zur Informationskompetenz geben müsse, das über alle Fächer und Disziplinen hinweg gilt, sollte diese doch disziplin- und fachbezogen vermittelt werden. Wenn man sich darin einig ist, dann heißt das, dass man die Förderung von Informationskompetenz auch mit didaktischen Aufgaben verknüpfen muss. Insbesondere die erste „Stufe“ der Informationskompetenz, nämlich überhaupt Fragen zu haben und einen Informationsbedarf zu erkennen, kann ja wohl nur erreicht werden, wenn die Lernumgebungen Lernende genau dazu auch einladen bzw. veranlassen (Frank hat mir da für die Diskussion mit seinem Zuhörerbeitrag einen guten Anker geliefert). Ob und inwieweit die aktuelle Output-Orientierung in Schule und Hochschule für „eigene Fragen fördernde Lernumgebungen“ günstig oder hinderlich ist, darüber herrschte keine so rechte Einigkeit: Ich habe die Auffassung vertreten, dass die Output-Orientierung an sich eine tolle Sache ist, aber das Problem besteht darin, dass man diesen Output nun auch ständig erfassen muss. Dann sind wir wieder mal beim Assessment-Thema und bei dem Problem, dass Kompetenz auf einmal vor allem das ist, was man erfassen kann. Und genau das kann es ja wohl nicht sein.

Andere Zeitschriften, andere Sitten

Ende des Jahres 2008 hatte ich mich (siehe hier) davon überzeugen lassen, dass es sinnvoll ist, ein Themenheft zum Assessment für die Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE) herauszugeben. Es war schon ein bisschen eine Feuerwehraktion und ich bin sehr froh, dass es doch ausreichend Einreichungen (wenn auch nicht übermäßig viele) gegeben hat. Danke an alle, die sich da beteiligt haben! (Bei der Gelegenheit: Der Call für Abstracts zum E-Assessment bei der Zeitschrift für E-Learning läuft bis Ende Juni: siehe hier). Aber zurück zur ZFHE:

Hier stand ich ein bisschen auf der Leitung und habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, dass das Prozedere etwas anders abläuft. Die Redaktion der ZFHE hat mich da jetzt auf Nachfragen etwas genauer aufklärt: Die ZFHE versucht, so die Erklärung an mich, zwei tendenziell widersprüchliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen: nämlich das Konzept der „Ausgabe“ oder „Nummer“ einer Zeitschrift als abgeschlossenes Werk (wie bei reinen Papier-Formen) und die schnellst mögliche Publikation eines fertigen Beitrags (als Vorteil der Online-Publikation). Daher werde jeder Beitrag sofort online gestellt, sobald er den Review- und Produktionsprozess positiv durchlaufen hat. Eine konkrete Nummer werde dagegen erst dann fertiggestellt, wenn alle Einzelbeiträge online sind oder zumindest bekannt ist, welche (nach positivem Review und ggf. Überarbeitung) in diese aufgenommen werden. Jetzt habe ich es verstanden! Die Begründung ist nachvollziehbar. Wie es die Leser sehen, weiß ich nicht. An sich sage ich jetzt mal spontan, dass es da nichts dagegen einzuwenden gibt. Nun gut, also mit so etwas wie einem Editorial muss ich natürlich warten, bis alles da ist. Ich habe zwar alle eingereichten Beiträge gelesen, um mir ein Bild zu machen, die dann aber an je zwei Gutachter gegangen sind.

Es gilt also, noch ein bisschen zu warten. Ich freue mich aber ganz besonders, dass Silvia (mit der ich gerade an einem DFG-Antrag sitze) mit ihrem Beitrag bei den Reviewern ohne nennenswerte Beanstandungen erfolgreich UND schnell war und nun sogar den Beginn zur „Themenreihe (?) Assessment“ macht: Ihr Beitrag ist bereits online (hier).

Da brauchen wir (k)einen Mann

Bahnsteige sind geradezu ein Marktplatz für kleine, unscheinbare Ereignisse, die es manchmal (z.B. auch hier) vielleicht doch wert sind, erzählt zu werden.  So auch dieses:

Es zieht am Züricher Bahnsteig – vor allem wenn trotz Frühlingsanfang ein Schneesturm tobt, den man allenfalls im Januar erwarten würde. Da steht man nicht gerne herum, sondern sucht sich schnell seinen Platz im EC nach München. Ich auch. Ich steure die nächste Tür an, vor der eine alte Dame mit einem ziemlich großen Koffer steht und suchend um sich blickt. Sie wirkt ein wenig beunruhigt und will offenbar in den Zug mit ihrem Ungetüm. „Soll ich Ihnen mit dem Koffer helfen?“, frage ich sie. „Nein, da brauchen wir einen Mann!“ Ihre Antwort kommt schnell und bestimmt. „Ach was,“, ist meine spontane Reaktion, „… da brauchen wir keinen Mann!“ Ich stelle meine Tasche zur Seite und greife nach dem Koffer. Doch die alte Dame ist alles andere als überzeugt und geht dazwischen: „Der ist schwer. Da brauchen wir einen Mann!“ Sie ist nicht davon abzubringen. Aber so schnell lasse auch ich mich nicht überzeugen. „Wenn wir immer auf die Männer warten würden … so weit kommt es noch“. Nun bin ich schneller und packe den Koffer, bevor sie einschreiten kann. Der ist in der Tat ziemlich schwer. Die erste Grifftechnik versagt. Das geht aber natürlich jetzt gar nicht, nachdem ich den Mund so voll genommen habe. Das Ding muss in den Zug. Ich packe das Monstrum anders und hieve es über die steilen Stufen in den Waggon. Ich bin erleichtert, denn es wäre mir jetzt schon schwer gefallen, auf einen Mann zu warten. Die alte Dame ist auch erleichtert und schenkt mir ein Lächeln, das entweder Be- oder Verwunderung ausdrückt. „Danke – also da haben Sie mir jetzt wirklich sehr geholfen“. Sie steigt ein und ist sichtlich zufrieden. Womit, das weiß ich natürlich nicht: damit, dass der Koffer endlich drin ist, oder damit, dass wir keinen Mann gebraucht haben.

Aktualisierungen

Das doch recht komplexe und vor allem unübersichtliche Thema Wissensmanagement Novizen nahezubringen, ist nicht leicht. Ihnen als Einstieg eine geeignete Textgrundlage zu geben, die eine Orientierung ermöglicht, erst recht nicht – vor allem nicht, wenn man nicht verlangen oder erwarten kann, dass mal eben ein paar Bücher gelesen werden. Studierende sind klare Rechner geworden – jede Seite lesen und verstehen geht in den „Workload“ ein und fast jedes freiwillige „Add-on“ kann man sich an sich von vornherein sparen. Aus diesem Grund habe ich bereits vor einigen Jahren einen Studientext verfasst, der Basis eines Grundkurses ist. Das war 2004. Fünf Jahre später ist es dringend an der Zeit, diesen Studientext komplett zu erneuern und zu aktualisieren.

Ich hatte dafür ca. acht volle Tage eingeplant. Aber die haben leider nicht gereicht, denn es ist in weiten Teilen ein neuer Text entstanden: Es ist unglaublich, wie wenig ich guten Gewissens stehen lassen konnte, was mehrere Gründe hat: Es hat einerseits faktisch insbesondere über den Web 2.0-Boom viele Neuerungen, vor allem aber auch wieder viel neue Literatur gegeben. Andererseits haben sich aber auch meine Einschätzungen und Urteile ein wenig geändert und auch wenn ich einen sachlichen Überblick und Einstieg in das Wissensmanagement geben möchte, so sind doch mein Wissen und meine Überzeugungen lenkend für die Auswahl, Anordnung und Art der Darstellung. Aus diesem Grund war es in den letzten Tagen auch etwas ruhig in diesem Blog (und nicht nur da), weil ich diesen Studientext nun endlich zu Ende bringen muss. Anbei – wen es interessiert – das Inhaltsverzeichnis: Inhaltsverzeichnis WM-Studientext

Bis auf das letzte Kapitel, das wohl erst während des Semesters entstehen muss, ist das „Werk“ weitgehend fertig. Übersichtstabellen oder lernerleichternde Abbildungen fehlen allerdings auch noch – vielleicht werde ich die einfach zusammen mit den Studierenden erarbeiten. Mal sehen. Im Laufe des Sommers werde ich den Text öffentlich zugänglich machen, wobei mir neben einem Open Access auch eine günstige Book-on-Demand-Variante vorschwebt – immerhin ist es schöner, einen kleinen 120-Seiten Band ordentlich gebunden in der Hand zu halten als einen Zettel-Salat.

Wie vermittelt man es am besten?

Lernumgebungen gestalten – das ist in unserem Studiengang (wenn auch nicht von vielen Studierenden – leider – sonderlich begehrt) ein wichtiges Themengebiet.  Es ist aber auch ein oft angefragtes Weiterbildungsthema und – natürlich – müsste es in der Lehrerbildung eine zentrale Rolle spielen (tut es jedoch bei weitem nicht überall und sicher nicht in dem Umfang, wie es nützlich wäre). Es ist aber alles andere als leicht, das dazu verfügbare wissenschaftliche Wissen zu vermitteln bzw. in einer Weise zugänglich zu machen, dass es auch verstanden und genutzt wird. Dazu habe ich mir in den letzten Wochen (wieder mal) so meine Gedanken gemacht. Das Ergebnis findet sich in diesem Dokument:

Gestaltung von Lernumgebungen Handlungsmodell

Innovative Publikationswege zur wissenschaftlichen Karriereentwicklung?

Ich habe Post bekommen, von der Projektkoordinatorin von UniMento. Ja, ich kann mich an Flyer erinnern und einige Pressemeldungen, aber ich musste dann doch einen Blick auf die Web-Seite werfen. Da heißt es: UniMento ist ein fakultätsübergreifendes Mentoring-Programm an der Universität Augsburg. Es handelt sich dabei um ein Teilprojekt des Gender Mainstreaming-Programms der Universität Augsburg. Ziel ist also der weibliche wissenschaftliche Nachwuchs. Aktuell – so das Schreiben an mich – umfasst das Programm 31 Teilnehmerinnen (Studentinnen, Doktorandinnen und Pos Docs). Typische Themen sind Karriereplanung, Auslandsaufenthalte und Vereinbarkeitsproblematik.

Am Rande bemerkt: Meine Haltung zu Frauenprogrammen ist verhalten. Es gibt viele plausible Pro-Argumente für diese Programme – ohne Zweifel. Und es ist schon viel erreicht worden und das ist auch auf das Engagement von Frauen (wie auch Männern) zurückzuführen, die auf diesem Sektor eine Menge auf die Beine gestellt haben. Es sind aber auch einige sehr seltsam Konstrukte entstanden und wenn es darauf ankommt, sind Benachteiligungen mitunter so subtil, dass (aus meiner Sicht) so mache Aktion oft eine Feigenblattfunktion übernimmt (nach dem Motto: „Was wollt ihr denn, wir machen doch schon so viel für die Frauen“). Gut, aber das ist ein anderes Thema. An sich geht es bei diesem Blog-Eintrag um etwas anderes. Also:

Warum hat man mich angeschrieben? Nicht wegen Karriereplanung (Gott sei Dank, denn: habe ich das wirklich geplant?), nicht wegen Auslandsaufenthalten (Gott sei Dank, denn ich war nicht im Ausland, was mich heute ohnehin diskreditieren würde), nicht wegen Vereinbarkeitsproblematik (Gott sei Dank, denn das habe ich zwar irgendwie hinbekommen, aber nicht so strahlend wie unsere Familienministerin). Vielmehr ist bei der Anfrage an mich das Thema „Planung und Realisierung wissenschaftlicher Publikationen“ auf der Agenda. Warum ich? Die Gründe gehen in Richtung „vielfältige Publikationserfahrungen“, aber auch „Nutzung innovativer Publikationswege“ und damit ist mein Blog gemeint. Gut – natürlich kann ich gerne etwas über meine Erfahrungen mitteilen bzw. diese mit anderen teilen. Was liegt näher, als dies in einem ersten Schritt über mein Blog zu tun? Das habe ich den auch der Projektkoordinatoren Anna Lödermann vorgeschlagen.

Einen Vortrag habe ich abgelehnt, denn was sollte ich erzählen? Ich kann einer Nachwuchswissenschaftlerin nicht ernsthaft raten, so zu publizieren wir ich: Ich habe zu wenige Beiträge in Zeitschriften mit Peer-Review, dafür bin ich an der Herausgabe einer (noch jungen) Zeitschrift beteiligt, wo wir das etablieren wollen – und zwar für einen Themenbereich, in dem man es gerade schwer hat, in die bestehenden Zeitschriften zu kommen. Ich habe zu viele praktisch ausgerichtete Beiträge, weil mir daran liegt, dass das, was wir an der Hochschule machen, auch irgendeinen Effekt in der gesellschaftlichen Praxis hat. Und ob das immer schlau ist, wenn ich meine Position in meinem Blog zum Besten gebe? Nein, für eine strategische Karriereplanung kann man das sicher nicht empfehlen. Aber es gibt andere gute Gründe!

Ich freue mich daher auf Fragen der Teilnehmerinnen des Mentoring-Programm an der Universität Augsburg – und natürlich auch auf Fragen anderer (auch Männer dürfen fragen) in diesem Blog (bitte die Kommentarfunktion nutzen).

Expedition ohne uns

Ein Versuch war es Wert: Als Nachfolge-Projekt der erfolgreichen „Detektei Suni & Partner„, die leider nicht aufrecht erhalten werden kann (zu sehr hat es die „Macher“ in alle Windrichtungen zerstreut), haben wir (Sandra, Tamara, Frederic, Marianne, Simone und Christian, der noch nicht bei uns online ist) gegen Jahresende (2008) eine neue Idee kreiert, die man im weitesten Sinne als Wissenschaftskommunikation bezeichnen könnte: den KaffeePod.

Um was geht es?

Um es Studieninteressenten leichter zu machen und universitätsinteressierten Personen einen Einblick in die „Logik der Universität“ zu geben, wollen wir ab dem Sommersemester 2009 eine Hörspielserie zum Thema „Universität: ein unbekannter Ort?“ herstellen. Ziel ist es, am Beispiel „Augsburg“ in alltagsnaher Sprache zu erklären, wie eine Hochschule funktioniert und welche Ereignisse/Prozesse in ihr ablaufen. Ausgangspunkt des Hörspiels ist die Cafeteria der Universität Augsburg, da sie – wie in anderen Universitäten – der Ort für Austausch und Reflexion von Studierenden, Professoren und Nachwuchswissenschaftlern ist. Das Hörspiel soll kostenlos im Internet als Podcast zum Download angeboten werden. Vorteile dieser Form sind der zeit- und ortunabhängige Zugriff sowie die Verfügbarkeit auf mobilen Endgeräten oder MP3-Playern der Jugendlichen oder weiteren Interessierten (z.B. Eltern). Der zentrale Ort des Hörspiels (Cafeteria) und die digitale Form (Podcast) geben dem Projekt schließlich auch seinen Namen: KaffeePod.

Wir haben das Konzept anlässlich des Wissenschaftsjahres 2009, über das ich ja schon an anderer Stelle (nämlich hier) kurz berichtet hatte (weil ich von der ganzen Expedition nichts wusste ;-)), eingereicht und zwar auf diese Asschreibung hin. Vor kurzem kam dann die Rückmeldung: „Wir bedauern sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Projekt leider nicht prämiert wurde. Bitte verstehen Sie, dass dies nichts über die Güte Ihres Projektes aussagt, sondern lediglich darüber, in welchem Umfang es der Ausschreibungsintention entsprach“. Gut – nichts gewonnen (schade nur, dass man in den Minstrien nie Infos erhält, warum nicht), wir machen es aber trotzdem. Vielleicht gibt es ja Anregungen oder gar Kooperationspartner? Von daher stellen wir das eingereichte Konzept mal online. Die Grundidee steht ja bereits und im Sommer geht es los.  Also: Wen es interessiert – Bitteschön 🙂 kaffeepod Konzept

Vom Pre-Print zum Already-Read

Ja, so kann es manchmal gehen: Ein vorschnell ins Netz gestellter als Preprint bezeichneter Artikel kommt erst gar nicht in den offiziellen Druck – wie bei meinem Beitrag „Selbstorganisation auf dem Prüfstand: Das Web 2.0 und seine Grenzen(losigkeit)“. Der Grund: Der Artikel ist zu lang für den Herausgeberband von Ben Bachmair. Ich müsste ihn um ein Drittel kürzen. Wie das gekommen ist? Nun, in den Autoreninformationen war zunächst die Rede von 5000 Wörtern (und da befinde ich mich zumindest in etwa). Dass in einer zweiten Info dann plötzlich Zeichenangaben standen, die wesentlich niedriger ausfielen, ist mir durch die Lappen gegangen. Und nun fehlt mir zum einen die Zeit für eine solche gravierende Kürzung (ich müsste die gesamte Argumentationsstruktur ändern, denn man kann ja nicht einfach einen Teil quasi „abschneiden“).  Zum anderen ist der Text bereits ziemlich verdichtet und (im Vergleich zum Vortrag im Juni 08 in Salzburg) auch erweitert. Mit anderen Worten: Ich will den Beitrag auch nicht kürzen, weshalb ich ihn zurückgezogen habe.

Na ja, vielleicht wird er ja trotzdem gelesen, denn erfahrunsgemäß sind die online verfügbaren Artikel in der offiziellen Bewertung eines Wissenschaftlers zwar quasi wertlos (allein die Bezeichnung „graue Literatur“ sagt ja schon alles ;-)), werden aber viel gelesen. Nun ist der Beitrag also kein „pre-print“ mehr (ich habe das Dokument bereits umbenannt – hier), aber vielleicht schon ein „alreday-read“. Auch gut …

Hast du gewonnen?

„Hast du gewonnen?“, fragte mich mein damals sieben Jahre alter Sohn als ich 2001 von meinem Bewerbungsvortrag an der Universität Augsburg nach Hause kam. „Keine Ahnung …“ – wie ein Sieger habe ich mich jedenfalls nicht gefühlt – wer tut das schon nach diesem Prozedere? Und lange bleibt man dann im Ungewissen, wer auf dem Treppchen steht. Das lief auf der diesjährigen Learntec denn doch eindeutiger ab: Da haben wir tatsächlich was gewonnen, nämlich den Deutschen E-Learning-Innovations- und Nachwuchs-Award (D-ELINA) 2009. Den Preis gab es für unser „Begleitstudium Problemlösekompetenz„. Die Auszeichnung wird vom Deutschen Netzwerk für E-Learning-Akteure (D-ELAN) vergeben. Es werden – wie es heißt – erfolgreiche und innovative Projekte, die digitale Medien und neue Technologien nutzen, ausgezeichnet. Die Jury des Wettbewerbs begründet die Auszeichnung des Projekts mit der Nutzung der „vielfältigen Möglichkeiten digitaler Medien für kreative Lernszenarien.“

Na, das ist doch was: Vor allem kann man jetzt auch mal zeigen, dass es sich lohnt, über längere Zeit an einer Sache zu bleiben. 2004 war die Situation in unserem Studiengang so, dass wir immer weniger Freiwillige für Projekte gefunden haben, die nicht zwingend in die Lehre eingebunden waren. Es entstand die auch jetzt noch gültige Kernidee des Begleitstudiums mit dem Fokus auf Problemlösen (in Form von drei Bausteine: praktisches, soziales und wissenschaftliches Problemlösen) sowie der Gedanke, einen Teil des geleisteten Engagements als „Workload“ im Fachstudium anzuerkennen. Es war dann ab 2007 eine extrem große Hilfe, dass wir über DFG-Gelder im Rahmen eines größeren Projekts der Universität Augsburg (ITS) eine halbe Stelle mit der Weiterentwicklung betrauen konnten. Und auf dieser Stelle hat Tom Sporer zusammen mit einer ganzen Reihe studentischer Mitarbeiter sehr gute Arbeit geleistet: Insbesondere haben wir Erfahrungen aus Knowledgebay mit unseren Begleitstudiumerfahrungen quasi zusammengelegt, den Portfolio-Gedanken ausgebaut und die explizite Förderung von Praxisgemeinschaften vorangetrieben.

Inzwischen haben wir eine gute Dokumentation des Begleitstudiums: das kann sich also jeder selbst anschauen (hier auch der Hinweis auf bereits vorhandene Publikationen). Ja – gut Ding will eben Weile haben … auch in einer schnelllebigen Zeit wie der unsrigen ;-).

Nachtrag: Noch ein Linktipp (hier) – vergessen – Danke für den Hinweis, Tom 😉

Holländische Wohnzimmer

Gestern hatten wir Jan Schmidt (mit dt) bei uns in Augsburg zu Gast:  Vor unseren wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeitern am Institut, Doktoranden und auch einer ganzen Reihe von Studierenden hat er einen Vortrag zum Thema „Persönliche Öffentlichkeiten im Web 2.0“ gehalten und dabei – so der Untertitel des Vortrags – „Merkmale und Konsequenzen des onlinegestützten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements“ erläutert.  Der Begriff der „persönlichen Öffentlichkeit“ wurde allem voran über die Merkmale und Prozesse bei der Nutzung von Social Networks verdeutlicht, wobei ein interessanter Hinweis darin bestand, dass man – wie im „echten Leben“ – in verschiedenen virtuellen Netzwerken natürlich auch verschiedene Rolle (Identitäten?) haben kann. Blogs, so eine der Botschaften, scheinen ihre Multifunktionalitäten langsam zu verlieren: die Netzwerkbildung verschiebt sich auf Xing, StudiVZ oder Lokalisten; das Micro-Blogging findet auf Twitter statt – es bleibt der längere, reflektierte Beitrag auf dem Blog? Das sind natürlich nur Thesen, aber mir leuchten diese durchaus ein.

Am Ende seine Vortrags brachte Jan Schmidt eine interessante Analogie – nämlich die von holländische Wohnzimmern, deren Fenster traditionell keine Vorhänge haben: Ein Foto zeigte nun ein Haus, das kompletten Einblick in die Wohnzimmer ließ – nicht nur über ein kleines Fenster (ohne Vorhänge), sondern über eine große Glasfront. Der Holländer – so Jan Schmidt – bliebe nun aber auf der Straße nicht stehen und schaue den anderen unverhohlen ins private Zimmer, denn das mache man einfach nicht. Was damit schön deutlich wird: Es gehören immer zwei zum viel diskutierten „Entblößungsproblem“: der, der zeigt, und der, der sucht und schaut. Wir haben, weil es ein schöner Einstieg in die Diskussion war, natürlich erst einmal durchaus kontrovers diskutiert, inwiefern dieser Vergleich passend, aber eben auch schief ist (was ja das Geniale an einer guten Analogie ist, dass man mit ihr arbeitet und eben Parallelen UND Unterschiede sucht). Beispiel: Spricht es gegen den Bewerber, wenn er neben einem sachlichen Profil in Xing auch in StudiVZ ein Profil mit vielleicht nicht immer ganz glücklichen Schnappschüssen für sein informelles Netzwerk hat, oder spricht es eher gegen den Personaler, der in Communities, die nicht für ihn bestimmt sind, nach zusätzlichen Informationen sucht?

Ich sage danke an Jan Schmidt und die interessierten Zuhörer und Diskutanten für den anregenden Nachmittag (PS: Wir haben zuhause auch keine Vorhänge).