Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Alles gut mit Gutachten?

Einen Monat lang konnte man nun im GMW-Blog Kommentare zum Thema Peer Review bzw. Begutachtungsverfahren in der GMW (Jahrestagung bzw. Tagungsband) machen – nämlich hier. Gut – ich war mit meinem Kommentar auch spät dran. Aber dass es am Ende nur vier Personen gab, die etwas dazu zu sagen haben/hatten, ist vielleicht doch etwas wenig. Gibt es keinen Verbesserungsbedarf bzw. wird keiner gesehen? Oder war das nur zu versteckt und viele haben die Möglichkeit, ihre Meinung und ihre Vorschläge zu diesem Thema kundzutun, nicht bemerkt?

2010 hatte ich mit Silvia und Christian zusammen das Thema Peer Review bereits als Beitrag eingereicht (hier). Die Resonanz war auch damals eher verhalten. Da das gegenseitige Feedback zwischen Wissenschaftlern eine zentrale Säule des Wissenschaftsbetriebs ist und infolge von Evaluationen verschiedenster Art zudem über „Karrieren“ entscheiden kann, wundert es mich doch sehr, dass dieses Thema in Diskussionen so wenig aufgegriffen wird. Peer Reviews sind aus meiner Sicht einerseits so etwas wie eine besondere Art der Kommunikation und Vermittlung von Kritik und Begründung und damit ein ganz wichtiger Schritt in Erkenntnisprozessen. Andererseits haben Peer Reviews die Funktion von „Qualitätshütern“, sind mitunter eine Art Sozialisationsinstanz (manchmal hat man auch den Eindruck: Erziehungsinstanz) in einer wissenschaftlichen Community. Mit diesen zentralen Aufgaben sollte doch das Peer Review selbst Gegenstand der kritischen Reflexion sein und bleiben. Es darf sich meiner Meinung nach durchaus auch verändern, weiterentwickeln – und zwar mit Blick auf das Ziel, die jeweilige „Sache“ weiterzubringen, um die es geht.

Wo also bleiben all die (kritischen und kreativen) Stimmen?

 

5 Kommentare

  1. Hallo Gabi,

    danke für Deinen Beitrag, ich bin auch einigermaßen erstaunt über die Zurückhaltung bei den Kommentaren. Umgekehrt aber auch wieder nicht, denn im Grunde spiegelt das Kommentar-Verhalten den Stand der Kommentarkultur in Blogs wieder … davon hatten wir es ja schon des Öfteren. Grundsätzlich meine ich, ist der Schritt der öffentlichen Diskussion über Review-Verfahren wichtig. Dass Gutachten – aus Autoren- und Reviewerperspektive! – nämlich ein Thema sind, merkt man immer wieder auf den Flurgesprächen oder beim Kaffee. Insofern frage ich mich mehr, warum die Chance zur Teilhabe nun nicht genutzt wird und würde mich freuen, wenn mancher diesen Post noch zum Anlass für einen Kommentar sieht.

    Liebe Grüße,

    Sandra

  2. Liebe Gabi,

    hier noch ein Link (http://www.academics.de/blog/index.php/aktuelle-themen/die-gutachter-the-good-the-bad-and-the-ugly/) zu einer Diskussion, den ich noch auf Wiedervorlage gelegt hatte. Im Grunde laufen für mich viele Diskussionen auf Fragen der Anonymität bzw. der Transparenz hinaus.

    Warum die Einreichenden (oft natürlich nur scheinbar) zunächst(!) anonym sein sollen kann ich noch verstehen. Man möchte eine möglichst vorurteilsarme Begutachtung erreichen, denn schließlich ist ja meist eine Auswahl aus Einreichungen zu treffen und der Gutachter ist in einer Machtposition ggü. dem Begutachteten. Auch mit gutem Willen ist es manchmal als Gutachter nicht einfach, sich von Verzerrungen (biases) frei zu machen, wenn man erst Informationen über den Autor/die Autoren hat.

    Warum jedoch der Gutachter anonym sein soll/muss (Schiedsrichter sind es ja auch nicht 😉 erschließt sich mir nicht. Gerne würde ich dafür Gründe hören/lesen/diskutieren. Bei mancher Beurteilung würde vermutlich allein das Bewusstsein über dessen Zugänglichkeit zu Qualitätsverbesserungen führen. Was man da so wiederum als Autor erlebt … Als Gutachter ist für mich selbstverständlich, zu meiner Beurteilung im Rahmen eines sachlichen, wissenschaftlichen Diskurses zu stehen.
    Gruß,
    karsten

  3. Gut ich bin viel pragmatischer warum kaum Kommentare gekommen sind – ich selbst hab es eigentlich eher zufällig auf Facebook entdeckt.

    Ansonsten hab ich keinen Hinweis bekommen – immerhin war ich Konferenzteilnehmer dieses Jahr und man hätte sich die Mühe machen können, mich auch per E-Mail zu kontaktieren.

    Also gehe ich davon aus, dass wirklich nur wenig gewusst haben, dass Sie um Meinung gefragt werden und wenn man dann die 5% aktiven DiskutantInnen nimmt, sind ja 4 Kommentare schon fast erstaunlich 🙂

    Ich habe auch auf der Konferenz mehrmals die Kritik angebracht, dass man besser kommunzieren sollte ….

  4. Na ja, wenn JETZT noch Kommentare kommen, werden die bestimmt noch berücksichtigt 🙂
    Gabi

  5. Pingback: e-Denkarium » Blog Archiv » Keinen interessiert es