Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Neue Inhaltlichkeit

Zufällig bin ich auf die Zeitschrift erwachsenenbildung.at gestoßen. Die Ausgabe 20 vom Oktober 2013 trägt den Titel „Didaktik im Spiegel. Das Ringen um den Kern der Professionalität“, wobei die Professionalität der Erwachsenenbildner gemeint ist.

Die Beiträge von Martin Lehner und Stephan Frank thematisieren die Vernachlässigung des Inhalts in der Didaktik der vergangenen Jahrzehnte – eine Beobachtung, auf die ich erst kürzlich im Zuge der Erarbeitung einer Veranstaltung zur Curriculumentwicklung (hier) aufmerksam gemacht habe.

Martin Lehner kritisiert die rhetorische Polarität von alter Vermittlungskultur und neuer Selbstlernkultur und führt aus, dass und warum das in der Praxis letztlich auf wenig Verständnis trifft. Er plädiert für eine „neue Inhaltlichkeit“ und sieht darin eine Möglichkeit, an Traditionen und Schwerpunkte der Erwachsenenbildung anzuknüpfen.

Stephen Frank fällt ebenfalls auf, dass sich die didaktische Fachliteratur in der Erwachsenenbildung auffällig zurückhält und sich vor allem gegenüber Inhaltsfragen äußerst indifferent verhält. Die Lernenden sollen eigenen Interessen folgen, eigene Wege finden und selbst bestimmen, was und wie sie lernen. Darin sieht der Autor aber keine Lösung: Er schlägt vor, Konzepte zur Kompetenzentwicklung mit solchen zur Persönlichkeitsbildung zu verbinden und dabei bildungstheoretische Reflexionen zum Inhalt wieder in Modelle des Lehrens und Lernens zu integrieren.

Ich denke, dass diese Diskussion aus der Erwachsenenbildung auch für die Hochschuldidaktik relevant ist. Ganz besonders relevant erscheint sie mir für das Thema „Digitalisierung“ in der Hochschulbildung (siehe z.B. hier), mit der mitunter die Illusion genährt wird, es würde alles besser und vor allem gerechter werden, wenn man nur mehr auf das Selbstlernen mit selbstbestimmten Zielen unter Nutzung von Open Educational Resources setzen würde.

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