Alles andere als ein Schnellschuss

Die Nachricht über das neue Empfehlungspapier vom Wissenschaftsrat für die Hochschulbildung in Zeiten generativer KI wandert nun schon die ganze Woche durchs Netz. Autor des Textes mit dem Leitgedanken der intellektuellen Souveränität ist der Wissenschaftsrat; dahinter steht, wie das üblich ist, eine circa eineinhalb-jährige Befassung mit dem Thema in einer Arbeitsgruppe, an der ich mitwirken durfte. Diese AG (bestehend aus 15 Personen) war heterogen zusammengesetzt. Ich denke, das hat sich auch in den Empfehlungen niedergeschlagen, die alles andere als ein Schnellschuss sind; vielmehr wurde um diese gerungen, und das zu Recht bei einem Thema wie KI, das die Hochschulen in Forschung, Lehre und Studium seit einigen Jahren massiv beeinflusst und herausfordert.

Die Zusammensetzung der Gruppe und der auf viele Monate gestreckte komplexe Aushandlungsprozess bedingen, dass die Empfehlungen einige Kompromisse enthalten, die je nach Perspektive wohl an verschiedenen Stellen ausgemacht werden. Ich denke, das ist angemessen so: Meine eigenen Beobachtungen und Arbeiten zu KI an der Hochschule einschließlich der Einsichten, die ich aus Gesprächen, Veranstaltungen und Lektüre zahlreicher Beiträge ziehen kann, sind dergestalt, dass es mir notwendig erscheint, die existierende Diversität in Empfehlungen aufzunehmen, die von einer weithin respektierten Institution ausgesprochen und verantwortet werden. Und doch – was ich persönlich für ausgesprochen wichtig halte – gibt es eine gemeinsame Referenz: nämlich den Leitgedanken der intellektuellen Souveränität. Dahinter steht ein humanistisches Menschenbild, wie es schon der Deutsche Ethikrat 2023 in seinem Papier zu KI deutlich gemacht hat (siehe dazu auch hier). Man mag das als wenig originell empfinden; ich begrüße es als verlässliche Referenz für all die unsichereren Entscheidungen, die in den vielfältigen Spannungsfeldern an Hochschulen zu treffen sind, die ebenfalls in den Empfehlungen erläutert werden.

Ich hoffe, dass das Papier viele Leserinnen und Leser findet – in der vollständigen Fassung und nicht nur die Kurzfassung, denn: Am Ende sind es auch die vielen kleinen Details in den Begründungen und Erörterungen, die helfen können, sich über KI in der Hochschulbildung zu verständigen und damit die Basis für konkretes Handeln zu schaffen.

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