Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Nicht so oft so viel zu sagen

2011 habe ich mir eine gewisse Tagungsabstinenz verschrieben – und so war ich z.B. schon mal NICHT auf der Learntec, über die vor allem (mal wieder) Jochen Robes (hier) relativ ausführlich berichtet. Ich gehöre zwar ohnehin nicht zu denjenigen, die den Kalender sehr voll mit Tagungsterminen haben, aber bereits die, die da in der Regel drinstehen, bereiten mir zunehmend Kopfzerbrechen, weil ich das Gefühl habe, dass die Kommunikations- und Präsentationszeiten zahlreicher sind als die Denk-, Lese- und Produktionszeiten. Es ist ganz einfach: Ich hab gar nicht so oft so viel zu sagen – und schon gar nicht so oft was Neues.

Aber ich habe ein wenig verfolgt, was auf der Learntec so los war und bei mindestens zwei Ereignissen hatte ich auch ein persönliches Interesse:

Da ist zum einen das LT3-Lehrbuchprojekt von Martin Ebner und Sandra Schön, zu dem ich neben zahlreichen anderen Autoren auch einen Artikel beigesteuert habe. Nun ist es ja online, das Werk, und es ist schon mal (rein optisch) schön anzuschauen. Ob es auch schön zum Lesen ist, werde ich bei dieser Menge erst nach und nach feststellen können. Auf jeden Fall freue ich mich über so viele zahlreiche neue Online-Ressourcen für die Lehre, die ich mit Sicherheit gezielt nutzen werde. Dass Martin und Sandra dieses Projekt in diesem Tempo stemmen, hatte ich nicht recht glauben wollen, und bin eines Besseren belehrt worden. Herzlichen Glückwunsch dazu! Ein erster Blick in die Gesamtstruktur allerdings zerstreut meine Zweifel nicht, dass Bücher dieser Art für Novizen, die an der „Gesamtaufgabe Didaktik“ (versus nur ein spezieller Bereich) interessiert sind, schwer zu verarbeiten sind, weil eine Art Navigator fehlt, der einen durch die vielen Fragmente führt. Daher würde ich das Buch auch eher als Handbuch bezeichnen – trotz des Bemühens, einzelne Artikel mit Fragen und anderen Versuchen, das Selbstlernen zu erleichtern, anzureichern.

Zum anderen sind da auf der Learntec diverse Preisverleihungen gewesen wie z.B. der eureleA-Preis: Hier hat Frank und sein Team (und damit auch ein bisschen wir von der Uni, weil wir das Projekt wissenschaftlich begleiten) mit dem Projekt „edubreak-SportCampus: Web 2.0 gestütztes Lehr-Lernportal für die Traineraus- und Weiterbildung im organisierten Sport“ in der Kategorie „Beste Projektwirkung“ gewonnen (Franks Bericht dazu hier). Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil ich eben weiß, wie viel Know-how und Engagement seit Jahren in dieses und verwandte Projekte zum Einsatz interaktiver Videotechnologien speziell für die Förderung von Lehrkompetenz hinein investiert wird. Jochen Robes weist in seinem Blogbeitrag zur Learntec darauf hin, dass vor allem eines nach wie vor ganz schlecht in die Köpfe reingeht: Lern- und Bildungserfolg lässt sich nicht messen wie die Verkaufszahlen von Smartphones. Was sich nicht messen lässt, gilt schon mal von vornherein in unserer Gesellschaft als minderwertig (weshalb man ja mit Gewalt auch in Schulen und Hochschulen alles möglichst betriebswirtschaftlich erfassen will). Genau das ist denn auch die große Schwierigkeit von engagierten Projekten, die den individuellen Bildungserfolg und nicht Abruf- oder sonstige Zahlen im Blick haben. Umso wichtiger sind solche Anerkennungen über Preise – auch für den edubreak-SportCampus!

5 Kommentare

  1. Pingback: [l3t] Erste Reaktionen – e-Learning Blog

  2. Pingback: L3T – erste Reaktionen « Sandra Schön (aka Sandra Schaffert)

  3. Natürlich freut uns das Lob – den die Entstehung von L3T hat sicher Förderung verdient. Und, ja, auch beim eureleA treffen wir immer wieder mal die richtige Wahl…

    Zu ergänzen wäre noch: Das persönliche _Interesse_ wäre doch bei Ihnen bestimmt auch für die vielen Dinge dagewesen, an denen Sie nicht persönlich _beteiligt_ waren, oder ?

  4. Hallo Herr Henning,

    daher sprach ich ja auch von „persönlichem“ Interesse im Sinne von „hat mich persönlich auch in gewisser Weise betroffen“ ;-). Natürlich haben Konferenzen und Messen auch damit zu tun, dass man sich neue Eindrücke abholt, dass man das rezipiert, was andere produziert haben sozusagen; aber auch das kostet Zeit und die wird – so scheint es – im Verlauf des Lebens immer knapper. Und dann kommt es, dass man nur mehr dort ist, wo man selbst etwas beiträgt. Ob das gut ist? Wahrscheinlich nicht. Es ist auch eher beschreibend als bewertend gemeint. Ich hätte auf jeden Fall gerne mehr Zeit, nicht nur zu lesen, sondern auch zuzuhören, zu beobachten etc. Wenn man dann (was auch vorkommt) auf Tagungen/Konferenzen allerdings feststellt, dass (im Falle eher kleiner Communities) die anderen eigentlich auch nicht immer was Neues zu sagen haben, kann man sich in zeitweiser Tagungsabstinenz durchaus auch wieder bestätigt fühlen. 🙂

    Gabi Reinmann

  5. Pingback: konzeptblog » L3T - auf den zweiten Blick