Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

11. Februar 2017
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Wo sind die Aeblis und Klafkis?

Es ist jetzt schon wieder mindestens fünf Jahre her, dass ich mit Heinz Mandl intensiver über die Zukunft der Hochschuldidaktik gesprochen habe. Ich kann mich erinnern, dass ich damals sagte, die Hochschuldidaktik brauche einen Hans Aebli und einen Wolfgang Klafki – beides Wissenschaftler, die sich fast ausschließlich der Schule gewidmet hatten. Nachdem ich mich nun doch schon einige Jahre (zunächst an der Zeppelin Universität und seit Juni 2015 an der Universität Hamburg) gezielt und ausschließlich mit der Hochschuldidaktik beschäftigen darf, kann ich meine damalige Vermutung nur bekräftigen: Die Hochschuldidaktik bräuchte einen Aebli und einen Klafki. Es ist klar, dass das nach einer Erläuterung verlangt ;-).

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9. Februar 2017
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Endlich!

Endlich ist es soweit! Die erste Ausgabe des Journals EDeR (Educational Design Research) ist online. Ja, doch ein Editorial wird es auch noch geben, aber da es aus diversen Gründen zahlreiche kleine Verzögerungen gab, sollte EDeR nun online gehen (mehr zum verlegerischen und technischen Hintergrund berichtet Sebastian hier). EDeR publiziert theoretische, empirische und konzeptionelle Beiträge zu Design-Based Research in verschiedenen Bildungskontexten (Schule, Hochschule, Weiterbildung, Berufsbildung) in deutscher und englischer Sprache. Die erste Ausgabe ist – ohne dass das direkt intendiert war – vollständig in englischer Sprache. Bald folgen die ersten Diskussionsartikel zu den Beiträgen (zu den Beitragsarten siehe hier) – und potenzielle Autoren, die Interesse an einem solchen Artikel haben, sind herzlichen eingeladen, einen solchen einzureichen.

EDeR arbeitet mit einem Triple Peer Review-Verfahren (siehe hier). Wie wir darauf gekommen sind, kann man nachzulesen, nämlich hier (deutsch) oder hier (englisch). Danke an der Stelle an alle Beteiligten (Herausgeber, Autoren, Mentoren, Evaluatoren, Diskutanten) und ganz besonders an die Arbeit von Sebastian!

7. Februar 2017
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Das Verfahren beschleunigen

Was in Deutschland zur Akkreditierung gesagt, gedacht und gemacht wird, ist mehr als widersprüchlich. Mal ist es Pflicht, mal verfassungswidrig, mal versucht man sich an Reformen einer Praxis, die Universitäten zu einem „Qualitätssiegel“ zwingen, dessen Qualität immer wieder Gegenstand der Kritik ist. Vor einigen Jahren habe ich hier  auf einen Text des Aktionsrats Bildung hingewiesen, der sich (also lange vor dem besagten Gerichtsurteil) mit dem Akkreditierungswesen aus meiner Sicht fundiert beschäftigt hat. Die Universität Hamburg hat sich in den letzten Jahren gegenüber Akkreditierungen zurückhaltend gezeigt. Ob die Studiengänge deswegen schlechter sind als an anderen Universitäten, mag man doch bezweifeln. Nun aber moniert der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen an die Universität Hamburg (hier auch ein Blog-Beitrag dazu – aber in Bezug auf andere Aspekte) genau diese Zurückhaltung, was natürlich die Presse gerne (z.B. hier) aufgreift und der Universität ein „Hinterherhinken“ attestiert. Der Präsident kontert (ich zitiere den NDR): „“Es gibt überhaupt keinen Grund, für irgendwelche Formen von Ängsten und es ist verantwortungslos, das zu schüren“, sagte Lenzen.“ Sehe ich auch so. Trotzdem endet der Beitrag mit dem Hinweis, Ende des Monats wollten sich Vertreter von Universität, Wissenschaftsrat und Wissenschaftsbehörde treffen, um darüber zu beraten, „wie das Verfahren beschleunigt werden kann.“ Sollen jetzt im Eilverfahren alle Studiengänge akkreditiert werden? Vielleicht sollte man beim Treffen das schon genannte Gutachten zur Qualitätssicherung an Hochschulen verteilen – und möglichst auch lesen.

5. Februar 2017
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Akademischer Kapitalismus

Ein aktueller Artikel in der Zeitschrift Higher Education Research & Development (Vol. 36, Issue 1) von Kirsten Sadler, Mark Selkrig und Catherine Manathunga (Victoria University in Melbourne) beschäftigt sich mit „arts-informed“-Ansätzen in der qualitativen Sozialforschung. Unter dem Titel „Teaching is … opening up spaces to explore academic work in fluid and volatile times“ beschreibt der Beitrag ein Verfahren zur Exploration von individuellen Auffassungen zu Lehre und Lehren, das Elemente der Kunst mit partizipatorischen Elementen verknüpft (die Zusammenfassung gibt es hier online, den Rest via Uni-Bibliothek).

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1. Februar 2017
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Randständigkeit mit Wertschätzung

Über „Scholarship of Teaching and Learning“ (SoTL) ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden – vor allem im englischsprachigen Bereich. Einen guten Überblick in deutscher Sprache gibt Ludwig Huber (Überblick siehe hier). SoTL hat mehrere eigene Publikationsorgane, unter anderem das International Journal of Scholarship of Teaching and Learning. In der Ausgabe vom Juli 2016 schreiben Karen Manarin und Earle Abrahamson über „Troublesome knowledge of SoTL“ und weisen unter diesem Titel – gestützt auf empirischen Daten – auf die Widersprüchlichkeiten und Spannungsverhältnisse hin, mit denen Fachwissenschaftler konfrontiert sind, wenn sie sich forschend mit ihrer Lehre beschäftigen. An Hochschulen gibt es konkurrierende Werte, die Forschung, Lehre und Verwaltung/Management betreffen: So bekennt man sich etwa zu Persönlichkeitsbildung und fordert Tiefenlernen, aber am Ende zählen Absolventenzahlen oder Evaluationsergebnisse – um nur ein Beispiel zu nennen. Dies, so die Autoren, mache es überhaupt erst möglich, dass SoTL zwar Wertschätzung erfahre, aber den Akteuren gleichzeitig Schwierigkeiten beschere: „Perhaps these competing visions of education are what SoTL can be officially valued, but marginalized“ (p. 3). Der Beitrag kombiniert grundlegende Überlegungen mit den Resultaten einer Studie und gibt so einen aus meiner Sicht aktuellen und anschaulichen Anstoß zur Diskussion von SoTL als einem Ansatz, der in der Hochschuldidaktik eine wichtige Brücke zwischen Forschung und Lehrpraxis schlägt und vielleicht auch eine wissenschaftsdidaktische Enkulturation befördern kann.

26. Januar 2017
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Hauptsache sichtbar!?

Wenn man die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Gesamtstrategie der Universität Hamburg“ und vielleicht auch die Pressestimmen (z.B. hier oder hier) dazu gelesen hat, kann man an vielen Stellen hängen bleiben; an welchen, ist wohl eine Frage der Perspektive und der Rolle, die man selber hat. Nach dem ersten Lesen sind mir vor allem wiederkehrende Formulierungen und mehr oder weniger deutlich hervorgehobene Beurteilungsdimensionen aufgefallen, die mich fragen lässt: Was genau unterscheidet Wissenschaft und Bildung noch von Unternehmen? Natürlich: Universitäten brauchen Ressourcen, mit denen sie haushalten und dabei sehr verschiedene Interessen im Blick behalten, also auch ökonomisch handeln müssen; sie befinden sich außerdem in einem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld und sind damit Vergleichen ausgesetzt und müssen sich dazu verhalten. Aber lässt sich die Betrachtung von Universitäten bzw. von einzelnen Disziplinen oder einer ganzen Gruppe von Disziplinen darauf reduzieren oder auch nur fokussieren?

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22. Januar 2017
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Große Taten und die Kraft des Experiments

Was ist ein College? Ich habe mir darüber bis 2013 ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht. Dann kam die Zeppelin Universität (ZU) – eine private, sehr kleine Universität, die, was mir ausgesprochen sympathisch war, anders sein wollte als die großen Tanker in der deutschen Universitätslandschaft. An der ZU gab es unter anderem ein „Bachelor College“ und ein „Zeppelin Jahr“ und darin wiederum Ideen zum Inhalt und zur Art des Lehrens und Lernens, die in hohem Maße meinen Vorstellungen von einer akademischen Bildung an Universitäten entsprochen haben. Ich habe dann natürlich bald gelernt, dass es da eine weitere kleine, aber doch schon größere, Universität im Norden gab, die ganz ähnliche Leitlinien bei der Gestaltung ihrer Bachelor-Studiengänge heranzog: die Leuphana Universität und ihr Leuphana College.

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17. Januar 2017
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Vermessene Verwertbarkeit

„Rechenschaftspflichten im Zeitalter von Bologna, allüberall in Europa, in knapp bemessenen Zeiträumen. Geld wird nur bewilligt, wenn die Nützlichkeit des jeweiligen Forschungsprojekts oder des Studiengangs in dicken, schweren Anträgen vollmundig beschrieben werden kann. Bei Beobachtern des Wissenschaftsbetriebs ist die Freude denn auch nicht gänzlich frei von Bitterkeit, wenn Politik und Verfassungsschutz allein angesichts von Terror in Europa, Syrienkrieg, zerstörten Kulturgütern und Flüchtlingsbewegungen schlagartig Interesse zeigen an Studierenden und Absolventen der Islamwissenschaft und Islamischen Theologie, Altertumswissenschaft, Orientalistik, Archäologie und Ägyptologie. Und Wissenschaftspolitiker und Hochschulmanager abermals heilfroh sind, diese Orchideenfächer doch noch nicht abgeschafft zu haben und dass ihre hochqualifizierten Akademiker den neuesten Verwertbarkeitstest bestanden haben“.

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11. Januar 2017
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Schreiben, was man sagen will

Was bringt die Forschung zum Qualitätspakt Lehre? Nur beschriebenes Papier oder auch einen handfesten Nutzen? Wissenschaftliche Meriten oder nur Stoff für ein bisschen graue Literatur? Ist Begleitforschung der richtige Begriff für das, was das BMBF an Forschung zum QPL fördert? Nun ja, es sind natürlich nicht genau diese Fragen, aber doch in etwa die Fragerichtung, mit der 2015 die Koordinierungsstelle der Begleitforschung (kurz: KoBF) unter der Leitung von Anke Hanft (Universität Oldenburg) ihre Arbeit aufgenommen hat. Ziel ist es (so der Wortlaut auf der Webseite), „die nachhaltige Wirkung und den Transfer der Ergebnisse der Begleitforschung zu befördern“.

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7. Januar 2017
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Sommerlaune

Was ist agile Hochschuldidaktik? Anfang September hatte ich (hier) schon mal auf ein Buch mit diesem Titel hingewiesen. Nun hat es doch ein paar Monate gedauert, bis wir die noch in Sommerlaune angekündigte gemeinsame Diskussion des Buches auch schriftlich festgehalten haben. Herausgekommen ist ein kurzer Impact Free Artikel – der sechste insgesamt (siehe hier) und der erste im besonders kalten Januar 2017.